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Samstag, 04. Dezember 2010

Abenteuer im Naturkostladen
Von cityscout2, 12:52

Eines Tages, als der Aufschnitt aus dem Discounter nach Kopfschmerztablette schmeckte, zog eine aus, das Naturkosten zu lernen...

Eigentlich fand sie die Massentierhaltung und den grenzenlosen Fleischkonsum der westlichen Welt schon immer unsympathisch. Aber dass diese auch bedrohlich fuer die Umwelt und zerstoererisch fuer die Existenz vieler Kleinbauern und Menschen in fernen Laendern ist, ganz zu schweigen von der Umweltzerstoerung, das musste sie als Ottilie-Normalverbraucher erstmal kapieren. Und als sie es kapiert hatte, steckte sie noch viele Jahre den Kopf in den Sand, denn sie dachte...

Im NATURKOSTLADEN wird bloss das Portemonnaie schlanker.

Jetzt war Schluss damit! Der Besuch im Naturkostladen ist zwar auf einmal im Monat beschraenkt, damit das Portemonnaie nicht magersuechtig wird, aber Discounterfleisch war ab sofort vom Speiseplan verbannt. Durch den beschraenkten Genuss von Testosteron und anderen Hormonen, die man mit dem Massenfleisch verzehrt, ist sie auch viel friedfertiger geworden, ein 30 Jahre spaeter aufschiessender Ableger der Friedensbewegung sozusagen...

Schlank wurde leider wirklich nur das Portemonnaie, denn der Naturkostladen ist ein Schlaraffenland, ein Maerchenland fuer Oekos. Allein die Namen der Produkte sind reine Poesie: Zwergenwiese, Sonnentor, Rapunzel, um nur drei zu nennen, manche Sachen kaufte sie nur, weil der Name schmeckte.

Da gab es zum Beispiel Kaese mit Ringelblumen, Topinambur, Wunderland-Weihnachtstee, Bio-Schokokuesse, Humus aus der Morgenland-Produktion, Japanische Tofusteaks Harakiri, Quinoa, ehrliche Kuvertuere, ein grosses Sortiment an Cremes und Seifen mit Rosenoel, Nachtkerzenoel, Sanndornextrakt etc., etc.

Aggressiv wurde sie nur noch, wenn die Schlange am Kaesestand im Naturkostladen so lang war, weil jeder mit grossem Bedacht zig Kaesesorten kaufte und mit der Verkaeuferin noch stundenlang ueber deren Knoblauch- und Suessstoffallergie diskutierte. waehrend die zweite Verkaeuferin immer wieder zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort, dem Mueslistand eilte.

Doch dann schob sie sich, um nicht zu explodieren, ein Achtel getrocknete, glutenfreie Feige in den Mund, die zum Probieren auf einem goldenen Tellerchen herumstanden, und beruhigte sich wieder, bis sie dran war. Und dann fand sie es sogar nett, dass die Verkaeuferin auch mit ihr ueber ihre Knoblauchallergie redete.

In dem Naturkostladen waren alle Mitarbeiter immer entspannt und freundlich. Das mussten sie auch sein, denn sonst haette ihnen doch niemand Gurken fuer 2 Euro oder ein Broetchen fuer 1 Euro abgekauft. Aber wahrscheinlich waren die auch Vegetarier und deshalb friedlich.

Es gab sogar eine Besuchertoilette mit einer Duftlampe.

Das aufregendste Abenteuer hatte Ottilie-Normalverbraucherin aber bei der Besichtigung der Tofu-Wuerstchen zu bestehen. Wiener Wuerstchen vom Discounter waren ja schon teuer. Sie aber wollte ihren Kindern schuldlosen Genuss ihres Lieblingsessens ermoeglichen. 400 Gramm Wiener kosten im Discounter ca. 3 Euro, das sind acht Wuerstchen. Aus dem Naturkostladen-Kuehlfach grinsten 4 blasse Tofuwuerstchen herueber und sagten "Kauf uns". Sie schleppte ihren bereits vollen Silberkorb in die Richtung (komisch, hier gabs keine Riesen-Einkaufswagen wie in der Discounter-Welt), fiel aber hintenueber, als sie den Preis an den Tofuwuerstchen entdeckte.

Sie seufzte und ging zur Kasse, nicht ohne noch eine Tuete Dinkelcracker mitgehen zu lassen. Das zweite grosse Abenteuer erwartete sie beim Bezahlen des Inhalts des kleinen Koerbchens. Danach hatte ihr Portemonnaie die Fruehjahrsdiaet im November schon einmal hinter sich.

Mag sein, dass euch ihre Abenteuer bis hierhin etwas langweilig und konsumorientiert erschienen sind. Nur Geduld, die Granatapfelkekse wirken bald, und dann wird sie erzaehlen, wie sie im Naturkostladen GANZ IN RUHE einen gruenen Tee trinken wollte, waehrend die Kinder mit ihren teuren Soja-Eisen ueberall herumschmierten und riefen: "Wann koennen wir endlich Pommes und Cheeseburger essen?" Der Tag ist zum Glueck nicht fern, an dem sie sagen werden: "Mama, gib mal die Dinkelflocken rueber".

Rapunzel schmeckt naemlich wirklich besser. Hmmmm... 

Und der Tod von 80.000 Huehnern pro Tag in einem mittleren Fleischproduktionsbetrieb muss nun wirklich nicht sein.

Sie erinnerte sich an Israel, wo es 1988 zum Fruehstueck, Mittag und Abendbrot nur Ei, Weisskaese, Paprika, Joghurt, Obst, Brot und Falafel gab. Das war auch lecker. Eigentlich muessten dort alle sehr friedlich sein. ?

Dabei dachte sie dann auch noch an eine juedische Freundin, die beim Besuch der taiwanesischen Chinesischlehrerin in Paris, Madame Wang, alle kleinen Fleischstueckchen akkurat aus der Fruehlingsrolle popelte, weil sie nur koscher und fleischlos essen wollte...

Shalom !

 

 

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Montag, 15. November 2010

LYRIKFESTIVAL WIEN
Von cityscout2, 17:49

Als besondere Empfehlung erwaehne ich das Festival der Europaeischen Poesie am Donnerstag, 18.11.2010 in Wien.

http://www.wien.diplo.de/Vertretung/wien/de/Poesie__Seite.html  

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=205&tx_ttnews[tt_news]=207&cHash=2fe6ebfe47

Vielleicht sehen wir uns da?

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Donnerstag, 30. September 2010

HERBSTZAUBER
Von cityscout2, 15:00

Neulich las ich in einer Gartenzeitschrift, dass der Herbst nicht mehr die Zeit der Melancholie und des Absterbens sei, wie so viele Dichter es besungen...

Sondern: Heutzutage werden die Pflanzencenter gestuermt, um bunte Blumen zu kaufen, die den Sommer im Garten zumindest farbig verlaengern und bis in den Dezember hinein bluehen. Auf dem Wochenmarkt gibt es sogar "ICE BABIES", das sind Hornveilchen, die Minusgraden trotzen.

So ist unsere kleine Welt froehlich geworden und zaubert den Herbst herbei, nicht wie frueher, als es den Menschen im Herbst schlecht ging, weil sie keine Kohle hatten und nur die Depressionen oder die Verse bluehten.

Ich selbst habe Kuerbisse angeschafft, die Kraeuter reingestellt und vielen Pflanzen, die schon kalte Fuesse bekommen, eine Wohnung in der Erde gegeben, damit auch die Pflanzen weiter froh sein koennen.

Einen Kohlkopf hat mir meine Nachbarin verkauft, einen Wirsing habe ich schon verkocht, er schwitzte in der Spaetsommersonne...

Im Buch von Peter Wawerzinek, das ich nun dank eines lieben Geschenks mein Eigen nenne, ist es meistens Winter. Das Buch beeindruckt nachhaltig, nur die zwischengeschobenen Zeitungsmeldungen von verhungerten und ermordeten Kindern verstoeren aufs Neue, an die meisten kann man sich ja noch erinnern. W. hat sie wahrscheinlich nach Datum einfach in seine Aufzeichnungen eingefuegt, sie haengen nicht mit der Romanhandlung zusammen.

Er ist jetzt fuer den Deutschen Buchpreis nominiert, wir druecken die Daumen. Wir moegen dieses Buch sehr.

 

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Sonntag, 29. August 2010

PETER HAT DEN PREIS!
Von cityscout2, 12:13

Gemeint ist Peter Wawerzinek, der - ich erfuhr es wegen meiner voruebergehenden Ausgeklinktheit aus Presse, Funk und Fernsehen oder weil die Nachricht vom Preistraeger nach den langweiligen Wettbewerben in Klagenfurt dieses Jahr an mir vorueberging, mich sozusagen ueberging, erst 2 Monate spaeter - den Ex-Bachmannpreis und heutigen Preis der Tage der deutschsprachigen Literatur gewonnen hat! Ich goenne es ihm vollauf, und nicht, weil er ein Heimkind ist, ich habe ihn schon auf einer frueheren Seite lobend erwaehnt, obwohl ich seine Texte immer als langweiliger als seine Person empfand.

Dies neue Buch, das dann gleich 20000-fach statt 5000-fach vervielfaeltigt wurde, ist es nicht. Im Gegenteil: Es ist anruehrend, erzaehlt die Geschichte vom "wichtigsten Tag seines Lebens", der Begegnung mit der Mutter, die in sehr harten, illusionslosen Worten beschrieben wird (sie hatte ihn als Dreijaehrigen verlassen und er kam in der DDR in ein Kinderheim).

Das Buch "Rabenliebe" empfehle ich ausdruecklich allen geneigten Lesern und freue mich fuer Peter W., auch weil angeblich niemand mehr an seinen Erfolg geglaubt hatte. So kann es gehen.

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Donnerstag, 22. Juli 2010

Julia Hartwig
Von cityscout2, 04:42

Ihre Gedichte beruehren.  Sie ist polnisch, geboren 1921.

http://www.spritz.de/index.php?module=Pagesetter&func=viewpub&tid=3&pid=66

 

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Montag, 28. Juni 2010

Freundinnen, Taeuschungen, Hilfebitten
Von cityscout2, 00:50

Vor mir auf dem Tisch steht ein Strauss Gartenrosen, den mir meine armenische Nachbarin geschenkt hat, als ich sagte, ihre Kletterrose sei schoen. Einfach so. Und wie ich so auf diese Rosen schaue, die in etwa die Farbe des Vollmonds haben, nur dass sie nicht leuchten, muss ich an zwei andere Frauen denken, obwohl die dunkelhaarig sind:

Eine afghanische Nachbarin in der alten Behausung und meine "Zigeunerfreundin" in der ersten Klasse, Emily Atef.

Wie ich fast einmal eine afghanische Freundin gehabt haette, erzaehle ich beim naechsten Mal, weil ich heute Nacht noch Herta Muellers "Herztier" lesen werde, was auch eine Weile in Anspruch nehmen wird.

Aber auf Emily Atef moechte ich meine werte Leserschaft gern aufmerksam machen.

Wahrscheinlich ist sie gar keine Zigeunerin, und ich habe mich mein Leben lang getaeuscht, nur weil meine Oma gesagt hat: "Die Zigeunersche". Ich haette auch gar nichts dagegen gehabt, und es kann immer noch die Wahrheit sein, aber wenn, dann sagt sie es nicht auf ihrer Website. Sie sagt dort, sie sei ein franzoesisch-iranisches Kind, und sie zog auch nicht nach C., sondern nach L.A. Das klingt vielleicht besser und ist eigentlich auch egal, wichtig ist, dass ich bis heute an sie denke und dass sie eine erfolgreiche Regisseurin geworden ist, die Filme ueber Heimatlosigkeit dreht.

  http://www.filmportal.de/df/e9/Uebersicht,,,,,,,,28444A16346647FC9DB0B3EB75B8CD0B,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html

Naja, ich wuerde gern mal mit ihr sprechen, wir haben uns 34 Jahre nicht gesehen. Wer hat ihre Nummer?

PS Hilfe! Neulich auf WDR 5 ein Gedicht gehoert, aber den Namen der Verfasserin (ich glaube, es war aus weiblicher Feder) vorher nicht aufmerksam gehoert. Die letzte Zeile lautete: "Afrika wurde nie entdeckt". Wer kennt das Gedicht und kann mir weiterhelfen?

 

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Sonntag, 16. Mai 2010

PHÓ
Von cityscout2, 18:22

Heute will ich mal nicht schwafeln, sondern ordentlich mit euch tafeln...

Kennt ihr den PHÓ (Ausgesprochen FUH)?

Wenn ihr mal in Vietnam seid oder an einem guten vietnamesischen Lokal vorbeikommt, unbedingt probieren, es ist eine koestliche Reisnudelsuppe mit Kraeutern und Sojasprossen, Fleisch nach Belieben. Sowas von gesund und gut verdaulich, Yin und Yang-Kueche. In Vietnam ist es so etwas wie ein Nationalgericht.

Ihr koennt den PHÓ auch googeln, da kommen so ein paar Beschreibungen von Amerikanern. Meine persoenliche PHO-Geschichte wird an anderer Stelle veroeffentlicht.

Bon appétit!

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Mittwoch, 12. Mai 2010

ZEITKLAMMER
Von cityscout2, 15:42

Kommt jetzt:

In einer Zeit, die heute damals fuer mich ist, gab es in einer Wilmersdorfer Seitenstrasse in der Naehe des U-Bahnhofs Spichernstrasse ein Geschaeft, dessen Name nur noch in alten Notizen auffindbar sein kann, ich selbst habe ihn vergessen und das Geschaeft existiert laengst nicht mehr. Aber wahrscheinlich ist es gut, dass ich einen anderen Namen dafuer angeben werde, denn heute bin ich auf etwas aufmerksam geworden, das mir vorher nicht bewusst war:

Ich koennte abgemahnt werden! Es war reiner Zufall, dass ich, auf der Suche nach einer Information zu Emine Sevgi Oezdamar, denn sie ist eigentlich das Thema dieser Zeitklammer, auf eine kritische Rezension ihres Buches von 1991, "Das Leben ist eine Karawanserei, auf der einen Seite ging ich rein, auf der anderen Seite ging ich wieder raus" (Das ist der volle Titel!), stiess. Die fand ich ganz lustig

(Auf der Site zaehlt sie aber zu den "Schlaffis", was beim Schreiben zu "Schaffis" geworden ist, vielleicht funktionierte bei dem Autor das L nicht, so wie bei mir das H)

...und wollte mich erst verlinken, als ich sah, dass dieser Autor oft Post von Rechtsanwaelten bekommt, die Geld von ihm fordern, weil er etwas zu Unrecht zitiert hat, z.B. Karl Valentin. Da hat er in manchen Faellen 300 oder mehr Euro zahlen muessen. Manche Juristen bereichern sich also, indem sie Websites extra durchsuchen, um armen Bloggern, die ja meistens Arbeitslose oder Rentner sind, geld abzuluchsen! Klar, man darf nicht alles und jedes als sein geistiges Eigentum ausgeben, siehe H. Hegemann, das ist dann ein Plagiat.

Naja, wie dem auch sei, ich hatte keine Lust, mich mit dieser bespitzelten Site zu verlinken, denn es koennte ja sein, dass diese Spitzel auch genug Zeit haben, alle seine Links zu durchforsten, und hoffe auch, dass ich noch nix auf meiner Site geschrieben habe, woran sich andere finanziell bereichern koennten, dann waeren die naemlich besser dran als ich!

Hier ist noch alles meins und umsonst! Alles andere ist intertextuell. Elfriede Jelinek wird sich ueber den Link doch nicht beschweren.

Und nun zum eigentlichen Thema:

Vor 20 Jahren hoerte ich im Fernsehen eine Frau mittleren Alters aus einem Buch mit seltsamem Titel vorlesen und verstand kein Wort. Das war Emine Sevgi Oezdamar, die beim damals noch so genannten Bachmann-Wettbewerb auftrat und ihn gewann. Sie war damals 46. Ich beneidete sie nur ein wenig, waere ich doch gern an ihrer Stelle gewesen. Heute bin ich froh, dass ich es nicht war, denn dann waere ich ja inzwischen 66!

Und nun kommt die ZEITKLAMMER: Ich verstehe ihre Buecher inzwischen viel besser, besonders die "Bruecke am goldenen Horn" gefiel mir gut, doch vor drei, vier Wochen sah ich Emine wieder im Fernsehen:

Als OMA, in der Rolle der Mutter eines tuerkischen Lehrers, die eine Aenderungsschneiderei hat. Sie sah aus wie mindestens 70.

Ihr Auftritt beim Bachmann-Wettbewerb (darf man den Namen denn noch nennen???) - es kommt mir vor, als waere es gestern gewesen. Heute wuerde ich mich bei dem Ding gar nicht mehr bewerben!!! Da bin ich mit Clemens Mayer ganz d'accord!  

Ich moechte nur daran erinnern, seine Zeit zu nutzen, es kommt kein Tag zurueck und am Ende ist alles vergangen wie ein Hauch...

Und jetzt werde ich ein bisschen ueber mein Lieblingsthema, die Vergaenglichkeit, jammern. Ich habe eine junge Autorin getroffen, die furchtbar deprimiert ist, und ich wuerde ihr so gern helfen, denn sie ist begabt und toll! Aber ihr lustiges Lachen ist seit ein paar Monaten erloschen.

Ich hoffe, es geht ihr bald besser, denn noch ist sie 18, aber die Zeit, in der wir nichts schaffen koennen, weil wir traurig sind, ist eine so verlorene. Manche sind auch ganz verstummt, z. B. die Frau von Heiner Mueller, dabei sind die Deprimierten immer nur besonders sensible Zeitgenossen.

Da wuesste ich auch gern, wo ich gerade bei Depris bin, was aus E.R. geworden ist, der mich - wir hatten uns eben erst kennengelernt, es war ein huebscher Junge - sofort informierte, dass er eine endogene Depression haette und deshalb nicht so oft telefonieren koenne. Oder war es eine exogene? Egal, auf jeden Fall war ich 20 und mit dem Thema hoffnungslos ueberfordert, hatte ich doch selbst mit negativen Jugendanwandlungen ("NO STARS", Gruss an St.) zu kaempfen, die ich aber nie mit irgendwelchen medizinischen Fachtermini unterlegte. Ich ging wohl noch ein paar Mal mit E.R. aus, aber wegen seiner Depression konnte er dann nach dem Kino auch nicht kuessen und ueberaupt benahm er sich nur in Beziehung zu eben dieser Depression, weswegen ich dachte, er habe die Depression als Geliebte. Wann ich das letzte Mal mit ihm sprach, habe ich vollends vergessen, es muss auch 20 Jahre her sein, wahrscheinlich wollte ich mit ihm zusammen den Bachmann-Wettbewerb im Fernsehen gucken, und da ist er endgueltig verzweifelt.

Ich werde ihn mal googeln und hoffe, dass er noch lebt, nicht wie P., der immer gern leben wollte und mit 35 gestorben ist! Hoffentlich werde ich es noch schaffen, ueber all diese Menschen in richtigen Buechern zu schreiben, und hoffentlich geht es mir dann nicht wie Maxim Biller, dessen Buch verboten wurde, weil sich zwei Frauen davon beleidigt fuehlten...

Trostspendende Kommentare wuerden mich aufheitern.

PS: Tanja Dueckers probiert jetzt alle Schokogeschaefte in Berlin durch, Schokofans bitte mal googeln!

PPS: Am Schluss kommt jetzt der Zusammenhang: In jenem oben genannten Geschaeft in der Wilmersdorfer Seitenstrasse gab es ein Moebelstueck, das fast die ganze Wand bedeckte und aus 1000 kleinen Schubladen bestand, in denen sich Kleinigkeiten zum Geschenke einpacken befanden. Es war herrlich! Ich kaufte dort einen nostalgischen blaugelben, gruenlich schimmernden Vogel mit weissen Schwanzfedern wie Engelshaar, fuer den Christbaum. Den haben erst 2 Kinder vor drei Jahren kaputt gemacht, bis dahin hat er gehalten. So ein Maerchengeschaeft mit 1000 Schueben gibts wohl heut nur noch virtuell, bei E-Bay...

Das Leben ist auch so ein Riesenschrank, aber mit 100000 oder mehr Schublaedchen, es ist wie bei Alice im Wunderland, und alle diese Schublaedchen koennt ihr aufziehen und staunen, was darin ist, seien es eure Tage, seien es eure Erinnerungen, seien es die Gespraeche, die ihr in eurem Leben gefuehrt habt (nur bei Depression verwandelt sich der Schrank in eine schwarze Flaeche). Alle sind verklammert durch die ZEIT, womit ich die ZEITKLAMMER schliesse.

Und nun lasse ich euch mal in Ruhe stoebern.

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Freitag, 07. Mai 2010

Willemsens Wut
Von cityscout2, 14:01

Im Magazin der ZEIT Nr. 18 schreibt Roger Willemsen (einst Jungspund des Literaturfernsehens, jetzt auch schon 54 Jahre alt) über das unerträgliche Gelaber und die - Verzeihung - Lahmarschig- und Espritlosigkeit des öffentlichen Diskurses in unserem schönen, ruhigen (bis auf die in Berlin vom Regisseur Dominik Graf gesichtete mafiöse Unterwelt) Deutschland: Ein sehr witziger Artikel, dessen literarische und zeitgeschichtliche Anspielungen wahrscheinlich nur noch von einer immer kleiner werdenden Schicht der kulturell Interessierten verstanden worden sind. Zum Glück bin ich mit ihm einer Meinung, dass man nicht unbedingt das Buch von Stuckrad-Barre gelesen haben muss, um geistig weiter existieren zu können, was ich allerdings NICHT wusste, war, dass es aus Artikel für die Springer-Presse besteht. Neben der Springer-Journalistenschule gibt es ja noch die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, und dort wirkte der "Sprachpapst" (Papst ist hier positiv gemeint, auch wenn es sich zur Zeit zu einem Negativwort entwickelt) Wolf Schneider, und der hat ein neues (29.?) Buch herausgebracht:

"Deutsch für junge Profis",

das mir interessant erscheint, allein deswegen, weil sich ein 85-jähriger mit den Sprachentgleisungen und -möglichkeiten der jungen Leute von heute befasst, was ja viele Lehrer und Hochschullehrer schon aufgegeben zu haben scheinen. Er selbst benutzt keinen PC, kommentiert aber Twitter. Da bin ich mal gespannt. Bei dem hat vielleicht auch Willemsen gelernt. Schade, dass er diese Literatursendung - wie hieß die noch? - nicht mehr macht.

Und sonst? Heute einen HANDgeschriebenen Brief bekommen, o Wunder! Wie selten das geworden ist. Alles findet ja elektronisch statt, auch der Roman "Neid", soll im Netz zu haben sein, den soll man sich "runterholen", meint Elfriede Jelinek.

Muss ich gleich mal nachsehen, ob das noch möglich ist...

http://www.elfriedejelinek.com/

Ja, ist es. Und zudem habe ich in ca. 9 Minuten wieder millionenfach dazugelernt, liebe Elfriede, wenn ich Zeit hätte, würde ich den ganzen Kram lesen, so las ich nur "Prater" zu Ende und fand alles sehr schön, auch dass du so einen langen Atem hast.

Premiere: Einen Besucher auf meiner Website getroffen! Rendezvous du coeur éléctronique! Gruß an C.P.

Entzauberung: Wahrscheinlich war ich es selbst.

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Mittwoch, 28. April 2010

Mira la Mira
Von cityscout2, 15:36

Die Berliner Schauspielerin Brigitte Mira haette ihren 100. Geburtstag gefeiert, zu diesem Anlass hoerte ich letzte Woche einen Radiobeitrag, der u.A. an ihren grossartigen Fassbinder-Film "Angst essen Seele auf" erinnerte.

Auch ihr Leben war bewegt und zum Teil tragikomisch: Mit Maennern hatte sie nicht viel Glueck, ist oft belogen worden. Aber: "Sex (ausgesprochen "Sechs") ist nicht alles", sagte sie so niedlich im Interview, Freundschaft ist wichtig. "Ich war ne flotte Biene", gab die juedische Darstellerin, die in der NS-Zeit unter falschem Namen weiterspielte, zum Besten.

Meine Tante begegnete der "Dame vom Grill" (nach einer in den 80ern bekannten Berliner Serie) oefter in unserem Bezirk auf der Strasse, mit deren Yorkshire-Terrier, und fand, dass es eine ganz eigebildete alte Kuh waere, die koenne nicht mal gruessen!!! Friedrich Schoenfelder, den beruehmten Mann der Inhaberin eines Knopfgeschaeftes in der Uhlandstrasse und ebenfalls Schauspieler, fand sie dagegen nett, Wolfgang Voelz ebenso. Existiert Stutenbissigkeit also doch???

Wem ich in Berlin schon oft begegnete: Juergen Vogel, und der ist nun gar nicht eingebildet, sondern ein "Mann des Volkes", supersympathisch. Ich habe sogar mal Bruce Willis waehrend der Filmfestspiele im Treppeneck stehen sehen, und er hat gelaechelt :)

Heute sah ich eine Darbietung der Berliner Truppe "Theater Strahl" in der Provinz, und Heimatgefuehle erwachten. Allerdings standen die Schauspieler am Anfang neben dem Behindertenklo und ich hielt sie erst fuer Putzleute oder Garderobenleute. "Wo ist die Toilette", fragte ich, "hier?" "Naja, da gehts direkt auf die Buehne", kam die Antwort prompt. Als ich auf die Behindertentoilette wollte, sagte ein Darsteller: "Luft anhalten."

Auch auf der Buehne wurde dann noch heftig gepullert, wie sich das in einem modischen Geraeuschtheater eben gehoert.

Das erinnert mich an meine erste eigene Berliner Wohnung neben dem BAT Studiotheater in PB (Prenzlauer Berg), dort hatte ich ein Schrankklo im Flur (welch Luxus, die meisten Bekannten hatten ein Aussenklo), und wenn ich mich dort befand, hoerte ich die Schauspieler durch die Rohre deklamieren - wie romantisch!

Die Badewanne stand uebrigens in der  - schwarz angemalten - Kueche. Und es gab sogar eine kaputte Waschmaschine, Toplader, die nur mit kaltem Wasser wusch. An all das habe ich mich heute erinnert. Und nun auf in die Bibliothek, die Aufzeichnungen jener Jahre aufstoebern und ein Stueck Erinnerung wiederbeleben, mit all den Darstellern, die damals ueber die Lebensbuehne huschten, als Brigitte Mira noch am Leben war und Fassbinder auch noch nicht so lange tot...

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Samstag, 17. April 2010

Perlen aus dem Ramsch
Von cityscout2, 12:30

Neu entdeckt dank Entscheidungserleichterung via Ramschtisch:

Hans Magnus Enzensberger, "Einzelheiten I und II" (Essays aus den 60er Jahren)

Malika Mokeddem ("die Tochter der Nomaden"): "Zersplitterte Traeume", ueber die Situation einer jungen Frau in Algerien nach der Unabhaengigkeit und waehrend der Machtergreifung der Fundamentalisten.

Ein wunderbares Buch, trostlos, aber sehr praezise und zum Teil sehr poetisch geschrieben, von einer wunderbaren, starken Frau, die zum Glueck noch am Leben ist und im Exil in Montpellier als Aerztin fuer Immigranten arbeitet.

Ich hatte schon vor Jahren von ihr gehoert, als es auf ARTE einen Film, "Tochter der Nomaden", ueber sie gab, dessen Titel ich auf einem Zettel notierte und mir vornahm, diesen Film irgendwann beim Institut Francais in Berlin auszuleihen, und so merkte ich mir ihren Namen in der Fuelle der Namen, die mir taeglich begegnen, Tag fuer Tag, Woche fuer Woche, Monat fuer Monat, Jahr fuer Jahr..., wer soll sich alles merken? Und so finde ich es immer wieder interessant, was das Gedaechtnis sich so aussucht und warum. Und vor allem: wie unerschoepflich die Erinnerung ist.

Vor kurzem war ich auf einer Tagung ueber afrikanische Literatur und begegnete dort auch einer aelteren Algerierin, die von ihrem Land erzaehlte, ein Land, das einst als sehr gastfreundlich galt, aber noch der Islamisierung seine Tueren fuer Freiheit und Frieden auf unbestimmte Zeit verschloss.

Malika Mokkeddem erzaehlt von dieser Misere in ihrem Buch und bekennt sich trotz der vielen Probleme und Ungerechtigkeiten zwischen Frankreich und Algerien zu den Werten der franzoesischen Kultur.

In Frankreich begegnete ich vielen Menschen aus Algerien und erlebte sie als sehr offen und bereit zu teilen, ein Junge teilte z.B. 1990 im Zug von Paris nach Berlin sein Sandwich mit mir, das ihm seine Schwester zubereitet hatte, obwohl wir uns nur gegenuebersassen. Etwas misstrauisch, wie man als Deutsche so ist, lehnte ich erstmal ab. Gastfreundschaft und Freude am Teilen muss man ja hierzulande erst lernen.

Im Gespraech erfuhr ich, dass der Junge Algerier war, aber leider vertieften wir die Diskussion aus irgendwelchen Gruenden nicht, vielleicht war ich als Maedchen auch nicht sehr politisch sozialisiert, dies kam erst spaeter,

sonst haette ich auch meine algerische Brieffreundin nicht aufgegeben, deren Namen ich vergessen habe (ich werde heute nachdenken, wie sie hiess...), sie war Kabylin und schwaermte fuer Modern Talking (ich hoffe, ich nahm nicht aus diesem oberflaechlichen Grund von ihr Abstand!!!), die ueberall in der Welt so beliebt waren, nur bei uns von den Coolen belaechelt wurden (So aehnlich wie Eros Ramazotti in Italien).

Mit der Brieffreundin, die in einer wunderschoenen Schrift sehr ernsthafte, ehrgeizige Briefe ueber sehr tiefsinnige Themen schrieb, nahm es ein trauriges Ende, ihr Bruder erkrankte naemlich in jungen Jahren an Krebs. Leider habe ich nie wieder etwas von ihr gehoert.

Wie hatte ich sie denn kennengelernt? Ueber eine Freundin, die heute Aerztin im Ausland ist. Die werde ich fragen, was aus dem netten, algerischen Maedchen geworden ist.

Hoffentlich ist sie am Leben und es geht ihr gut.

Anmerkung: In Frankreich lernte ich eigenartigerweise weniger Franzosen und Franzoesinnen als Auslaender aller Herren und Damen Laender kennen. Man sagte mir, die franzoesische Gesellschaft lasse eben so leicht niemanden in sich hinein. Es ist erfreulich, dass die anderen Nationalitaeten nicht so verschlossen sind.

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Mittwoch, 14. April 2010

Kunstkopf
Von cityscout2, 16:02

Woerter tauchen auf aus dem Sprachgeflecht der Erinnerung.

Neue Woerter und Namen werden taeglich dazugefuegt.

http://www.sybilleschmitz.de.vu/

 

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Montag, 05. April 2010

Etwas schaffen
Von cityscout2, 20:01

Harry Rowohlt kommt zur Lesung und damit kommen Erinnerungen an einen, der ihn auch schätzte und auch halber Penner war, aber wie soviele besondere Menschen nie das Licht der Öffentlichkeit erstürmte: Malte.

Malte und ich hatten eine ähnliche Auffassung, was gute Literatur beinhalten sollte. Und dabei war es egal, ob der Verfasser Penner war oder Nobelpreisträger, denn wir beide hatten die Schatten- und Sonnenseiten der Welt ganz gut im Blick, um niemals übersteigerten Vorurteilen anheimzufallen.

Wir waren "arme" Studenten, arm im Vergleich zu Landsleuten wie damals Lars Windhorst oder auch nur im Vergleich zu einfachen Bankangestellten, aber reich an Ideen! (Und natürlich wirtschaftlich reich, gemessen am Lebensstandard des Großteils der Weltbevölkerung)

Und Harry Rowohlt fanden wir gut, um nicht zu sagen "cool", damals im Prenzlauer Berg, obwohl er schon alt war, genauso wie Penner Joschi, einst Fleischer, dann irgendwann gescheitert, geschieden und gefeuert, auf der Straße gelandet und in den 1990er Jahren für ein Happening von Kunststudenten als Schafhenker engagiert, genauso wie Peter Wawerzinek, dessen Texte mir zwar etwas zu eigenartig, um nicht zu sagen: umständlich geschrieben,  schienen (genau gelesen habe ich sie wohl nie), aber der bei Lesungen in besetzten Häusern wunderbar besoffen und authentisch war.

Eines Sommers im Hinterhof der jetzt wahrscheinlich völlig kaputtrenovierten und mit Touristenunterkünften vollgestopften Kastanienallee (Wo wir auch noch Christoph Schlingensief im gesunden Zustand im Café begegneten, übrigens ein sehr freundlich wirkender Mensch, dessen Aktionen ich immer ganz witzig und mutig fand) kämpfte er bei sinkender Dunkelheit mit der Lampe auf seinem Lesetisch und wir lachten in unsere Bierflaschen.

Naja, vielleicht werde ich mal zu Harry Rowohlt gehen und die 14 Euro Eintritt berappen (schließlich bin ich kein Pressefuzzi mehr wie Benjamin von Stuckrad-Barre :), obwohl ich es ganz schön popstarmäßig teuer finde. Brauchen die Geld (Kollege liest auch vor)? Und dabei ein bisschen an Malte und die alten Zeiten denken, schließlich gibt es ihn noch, er hat mir vor ein paar Monaten gemailt, ein wenig distanziert zwar, obwohl man sich seinerzeit "ewige Freundschaft" geschworen hatte, aber was verändert der Alkohol nicht alles im Menschen.

Unsere letzte Begegnung war etwas seltsam: Ich mit dem Neugeborenen auf dem Arm, er zu Besuch wie die 12. böse Fee bei Dornröschen, wobei er dem Baby zwar nicht den Tod wünschte, sondern über ein noch schlimmeres Schicksal des jungen Lebens orakelte. Was genau, das möchte ich hier nicht wiederholen, denn von anderen Kulturen habe ich gelernt, dass man auch etwas herbeireden kann!

Warum wohl? Sein Humor war eben etwas abgeschwärzt während all der Säuferjahre und ein Baby ist ja nun das Gegensymbol per se gegen jeglichen Verfall...

Ich habe ja irgendwann keinen Alkohol und keine Zigaretten mehr vertragen und mit ihnen meine zuweilen leichtsinnige Jugend verabschiedet. Allerdings war ich auch niemals ein halber Penner. Manche waren ja sogar für eine bestimmte Zeit mit Absicht auf der Straße, z.B. Helmut Krausser. Das sind so die Freiheiten der westeuropäischen Welt, in afrikanischen Ländern würde sich niemand freiwillig aussuchen, Penner zu sein. Wenn man es wird, wird man vom Schicksal dazu gezwungen oder ist von Soldaten ausgeraubt worden.

Hierzulande sind es meist Jugendliche, die keine gute Elternbeziehung haben oder Erwachsene, die ihre wahren Träume nie verwirklichen konnten und die Wirklichkeit im Alkohol vermuteten. Wahre Träume - welches Paradox!

Harry Rowohlt bleibt trotzdem eine Art cooles Idol von uns, weil er nicht verlogen ist, sondern seine Träume anscheinend gelebt hat.

Gruß an Malte, nun hast du endlich einmal das Licht der Öffentlichkeit, wenn auch einer kleinen, erobert! Du würdest es wahrscheinlich nicht einmal wollen, aber es ist Schicksal, mit einer Autorin bekannt zu sein, da wird man leicht ausgebeutet auf der Jagd nach Material.  

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Freitag, 02. April 2010

Ist da Wer?
Von cityscout2, 19:33

So ein wenig fehlt mir allmählich doch der Dialog mit Euch, liebe Leser. Deshalb bin ich auch nicht Schriftstellerin geworden, keine Lust, dauernd mit mir selber zu reden! Schriftsteller wären dann ein bisschen wie alte Deutsche, sie haben keine Gegenüber mehr, Partner gestorben, mit den Kindern zerstritten, Freunde lange vergrault, also reden sie mit sich selber...

Nee, nee, auf die Dauer macht das keinen Spaß. Manche reden auch im Gespräch nur mit sich selber, sie brauchen nur Zuhörer.

Das wirklich Tolle ist aber, mit einer anderen Existenz in Realtime zu kommunizieren, so richtig, live und in Farbe ohne Wegklicken. Das konnte der Osten noch gut. Der Westen hatte ja nie Zeit, immer hinterm Geld her...

Verehrte Schriftsteller, die wirklich was zu sagen haben und nicht nur berühmt sein wollen, nehmt es mir nicht krumm.

Oder vielleicht wart Ihr, LIEBE LESERINNEN, beleidigt, weil ich mich pro forma in der Antrittsrede nur an die "LESER" wandte? Andererseits: Die bislang eingegangenen Kommentare waren alle von LeserINNen!

Über das eine oder andere Kommentärchen würde ich mich natürlich freuen, es darf selbstverständlich auch namenlos sein. Wobei ja Namen nun auch wieder was Schönes sind.

Aber es wird schon werden, da bin ich mir fast sicher.

Allen Geneigten und Abgeneigten, Zugeneigten und Aufgeneigten, Offengeneigten und Vorwärts-, Rückwärts und in irgendwelche Himmelsrichtungen überhaupt irgendwie Verneigten, nur nicht Vergeigten: HAPPY EASTER!

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Montag, 29. März 2010

Literaturkritik
Von cityscout2, 20:26

Ununterbrochenes Plaudern eines Kindes.

Ist unsere plaudernde Gedankenstimme das vor sich hin schwatzende oder staendig ein Gegenueber rufende Kind, das wir mal waren?

Gespraech mit Buechern und ueber Buecher, man erinnert sich an manche wie an bestimmte Konversationen mit Menschen.

Zum Beispiel die Tagebuecher Helmut Kraussers, die jetzt in der ZEIT als langweilig und arrogant niedergemacht wurden, haben einen ueber einen Sommer (oder Herbst) lang begleitet, auch wenn es nur ein paar Wochen oder Tage waren, man folgte seinen Gedankengaengen, ging mit ihm ueber Maerkte in Gran Canaria oder sonstwo und wunderte sich, was er sonst noch alles so trieb.

Seine abschaetzigen Bemerkungen ueber Kulturschaffende und Kritiker und den ganzen blasierten Literaturbetrieb haben ihn wahrscheinlich in diese Aussenseiterposition manoevriert. Ich war ein Fan von Krausser wegen seines Penner-Buches, das auch verfilmt wurde, mit dem grandiosen Juergen Vogel als Penner (Die Sexszene mit der zahnlosen Alten bleibt ein wenig eklig in Erinnerung...), wegen der Kompromisslosigkeit dieses Buches, und auch das von einem damaligen Freund ueberlassene (oder geschenkte? Ich weiss es nicht mehr) Buch "Melodien" fand ich wegen der Zeitreise ins Mittelalter nicht schlecht. Die spaeteren Werke sind dann wegen irgendeines Hanges des Autors zu Sadomasodenken von mir uebergangen worden ("Schmerznovelle") und seither habe ich nix mehr von oder ueber ihn gehoert. Damals dachte ich: Mann, ist der alt (er raesonierte mit 37 ueber seine sich aufloesende Zellstruktur), heute isser 45 - na und? Ob er sich immer noch alt fuehlt? Auf jeden Fall ein Mensch im Literaturbetrieb. Lass dich nicht unterkriegen, Helmut!

Heute "Bilal" angefangen - werde ich behalten.

Zurueckgeben werde ich: Benjamin von Stuckrad Barre, "Auch Deutsche unter den Opfern", einmal lesen reicht. Es ist aber ganz witzig, stellenweise. Wie ihm z.B. Typen im Plattenladen leidtun, die auf die neue Platte von Neil Young warten. Warum tun ihm die wohl leid? Weil sie nicht soviel verdienen wie er? Oder weil sie nicht so modern sind? Erinnere mich an die Geschwaetzigkeit von "Livealbum" und kann nicht so richtig nachvollziehen, warum BvSB jetzt so gepriesen wird, als grosser Kultur- und Sozialhistoriker usw. Vielleicht schreibt mal jemand einen Kommentar, der das weiss und befuerwortet. Meine Seite z.B. ist auch sozialhistorisch, aber niemand hat es bisher kommentiert! Selbstlaeufer! Egal.

Ausserdem "Gewalten" von Clemens Meyer - das ist wie "Gomorra" kein Buch fuers Schlafzimmer, es sind dann doch nicht die Phantasien, die mich verfolgen sollen (Folter, Amoklauf etc., auch sprachlich nicht so ueberzeugend wie "Als wir traeumten". Sicher ein wichtiger, ehrlicher Autor, vielleicht sogar der Buechner unserer Zeit (?), aber mir dann doch zu desillusioniert, vgl. fruehere Besprechung unten.

Ob Georg Klein und "Hellersdorfer Perle" von - Name schon wieder vergessen - ach ja, Katja Oskamp den Weg in meine Bibliothek finden, entscheidet sich morgen, dort steht eigentlich schon genug herum. Letzte Funde: Martin Walser, "Wer ist ein Schriftsteller?" und noch so ein Essayband ueber die Wende, "Nachdenken ueber Deutschland" und der Gedichtband "Grund zu Schafen" von: Name entfallen. Immer wieder lustig: "Lichte Gedichte" und alles von Robert Gernhardt. Wozu all das neue Geschreibe, es gibt viel Altes zum Wiederlesen (Achtung Agent provocateur).

Hinzu kommt noch der Ruf nach authentischen Texten in der Literatur - die Leser wollen in einer immer unkontrollierbarer werdenden Welt der Luegen wenigstens "wahre Geschichten" lesen. Sollte man diesem Ruf folgen?

Aus der katholischen Kirche auszutreten wird bald das Gebot der Stunde fuer viele werden. Fuer das gesparte Steuergeld (das mancher Wuerdentraeger in den Puff transportierte), kann man sich ja ein SPIEGEL-Abo zulegen oder einen Hund...

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Donnerstag, 25. März 2010

Graeber, Aktuelles, Georg Klein
Von cityscout2, 15:41

Nachricht aus Berlin: Herr S. ist tot, und mit ihm stirbt eine Aera, die Aera der Wehrdienstverweigerer, die aus der Bundesrepublik nach Berlin fluechteten und dort studierten.

Herr S., das war ein Junggebliebener im weissen Leinenanzug, das bereits lichte dunkle Haar trug er hinten immer noch lang, und das hat sich nie geaendert, soweit ich es mitbekommen habe. Sommers sass er vor dem griechischen Restaurant um die Ecke,  rauchend auf dem Holzstuhl, plaudernd.

Herr S., Architekt, Junggeselle mit Freundin, seit 30 Jahren waren sie nicht verheiratet. Ein ueberdimensionales Foto von ihr stand 1987 in seiner 4-Zimmer-Altbauwohnung, die er allein bewohnte, ein Foto in Starschnitt-Groesse (Starschnitte waren die Promi-Fotos zum Zusammenkleben in Lebensgroesse aus der Bravo in den 80ern), Frau O. im Bikini in Griechenland oder Kenia, wohin sie gerne reisten.

Herr S. kam 1973 als Student nach Berlin, mit einem "BI" auf dem Autokennzeichen, weshalb er von meiner Familie nur als "Bi-Mann" bezeichnet wurde (Ein Wort, das mich stets an "Biwak" erinnerte). Er zog in die Wohnung ueber ihnen und machte da eine Studenten-Wohngemeinschaft auf.

Zehn Jahre spaeter mussten die ehemaligen Mitstudenten, wenn sie nicht schon wieder fort waren (sogar an einen Perser, Mehdi, kann ich mich erinnern!), ausziehen, denn Herr S., inzwischen arriviert, kaufte sich das Domizil. Seine Mutter kam oefter mal vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Geheiratet hat ihr Sohn, wie gesagt, nie. Vielleicht wollte er unabhaengig sein? Mein Vater konnte ihn gut leiden, weil er studiert hatte und sich sprachlich sehr gut auszudruecken wusste. Er hatte ihm erzaehlt, dass er, S., auch mal ein paar Semester Jura studiert haette.

Seine Wohnung allerdings war immer unordentlich geblieben wie eine "Studentenwohnung", graue Veloursmatratzen auf den Dielen, Buecherstapel an den Waenden, Zeitschriftenstapel des "Spiegel" und der "ZEIT" daneben, Papiere, Papiere, Papiere, auf runden, eckigen und Kuechentischen, Staub auf den grossen Fenstern, getrocknete Wassertropfen im dunkelbraunen(!)Waschbecken (gibt es dunkelbraunen Marmor???), ein Rennrad im ansonsten leeren Balkonzimmer, sogar ein Geruch von Leere...

Herr S., ein Baum von Mann (wie oft beschwerten sich meine Eltern ueber seinen Ruebezahl-Schritt ueber ihren Koepfen: "Der S. ist aufgestanden..."), fiel mit 66 Jahren zwischen Badezimmer und Flur um, meinen 10 Jahre aelteren Vater, der ihn um seine Jugend immer ein wenig beneidet hatte, rief er an, weil er das Handy zum Glueck griffbereit hatte, zwei Tage spaeter brachte ihn Frau O. ins Krankenhaus (er hatte erst nicht gewollt), und dann verstarb er letzten Dienstag an einer Embolie.

Seine Wohnung vererbte er Frau O., weswegen meine Mutter jetzt Sorge hat, es wuerde bald oben "trappeln".

Mit diesem Tod hatte wirklich niemand von uns gerechnet. so richtig kann ich mir nicht vorstellen, dass er bald in seinem Grab liegt, so wie es mir letztes Jahr bei unserer Nachbarin ging, die an Bauchspeicheldruesenkrebs starb. Bei ihrer Beerdigung war vor der Trauerhalle ein derartig lautes Gerede der Trauergaeste, dass die, die IN der Trauerhalle Platz genommen hatten und der Trauerfeier zuhoeren wollten, die schwere Tuer schliessen mussten. Aufgrund der Mitgliedschaft ihres Ehemannes in irgendsoeinem hiesigen Verein war die Zahl der Trauergaeste nicht mehr ueberschaubar. Der Trauerzug glich dem von Prominenten, also in der Laenge, meine ich. Es regnete und meine Tochter wurde fuer ihre Bravheit gelobt, sie war ganz andaechtig. Spaeter schlief sie in ihrem Wagen ein und wir hatten Angst, dass sie sich erkaeltete, denn es regnete in Strippen, wie meine Familie es bezeichnet haette. Toll, so eine Riesentrauergemeinde, dachte ich. Und dachte an die Beerdigung eines unserer Angehoerigen zurueck, wo gerade mal wir, also fuenf Leute, in der Kirche waren. Bei der Trauerfeier auf dem Friedhof waren es dann 2 mehr, aber weil meine Verwandte, die Ehefrau des Verstorbenen, im Moment nicht mit denen redete, drueckten sie ihr bloss die Blumen in die Hand und ver-drueckten sich dann wieder. Nach der Beerdigung gab es auch keinen Leichenschmaus. Ich finde diesen Brauch in laendlichen Gegenden ja schoen, von der Familie her ist er mir gaenzlich fremd. Meine angestammte Familie ging, nachdem der Sarg unseres Verwandten eingesenkt worden war, sofort nach Hause, liess sich in ihre Sessel plumpsen und seufzte fast im Chor: "Geschafft, zu Hause ist es doch am schoensten!"

Auch zum Leichenschmaus des Herrn S. koennen sie, wie sie mir mitgeteilt haben, nicht gehen, denn  dieser findet in einem weit entfernten Stadtteil von Berlin statt, und das ist ihnen zu beschwerlich. Waere ich noch dort, ich wuerde vielleicht hingehen, obwohl ich seit 10 Jahren und ueberhaupt eigentlich nie mit Herrn S. ein laengeres Gespraech gefuehrt habe.

In anderen Laendern, zum Beispiel in Nigeria, woher die Hauptfigur meines Romans stammt, sind Beerdigungen wie auch Hochzeiten und andere Familienfeiern ungeheuer wichtig. Wenn jemand verstorben ist, wird das fuer die engsten Angehoerigen der betreffenden Person richtig teuer. Denn die Trauerfeierlichkeiten dauern 7 Tage, und da kommen nicht nur eingeladene Gaeste, sondern alle Menschen, die den Verblichenen kannten, mitsamt ihren Angehoerigen, also im Falle einer Dame, die ich kannte, das ganze Dorf. Das koennen dann leicht 1000 Leute sein, die man bewirten muss. Dazu muss man einige Kuehe kaufen und schlachten, aber damit nicht genug. In bestimmten zeitlichen Abstaenden wiederholt sich diese Feier zum Gedenken des Verblichenen, eigentlich ein schoener Brauch. Die letzte Gedenkfeier ist nach einem Jahr, bei uns noch erhalten in der Tradition des Jahresseelenamtes. Aber den meisten Menschen in unserer Gesellschaft ist es ja unangenehm, mit einem Thema wie dem Tod im wirklichen Leben konfrontiert zu werden, das geht sogar soweit, dass sie die Strassenseite wechseln, wenn ihnen die Angehoerige eines Verstorbenen entgegenkommt, weil sie sich vor troestenden Worten druecken wollen oder einfach unfaehig sind, welche auszusprechen. Die Nachbarin, von der ich oben sprach, habe ich in Erinnerung wie sie im Fruehjahr Bluemchen pflanzte und ihr blondiertes Haar und ihre stets  gebraeunte Haut beim kleinsten Sonnenstrahl auf der Terrasse zeigte. Kurz vor ihrem Tod bot ich ihr an, sie zu besuchen, um ihr zu zeigen, dass sie fuer mich nicht unsichtbar geworden war, nur weil sie krank war. Sie laechelte freundlich und sagte, das koenne ich gern machen. Gegenueber im Erdgeschoss wohnte eine andere Frau, die mal ihre Schulkameradin gewesen war, aber jetzt verstanden sie sich schon lange nicht mehr. Diese Frau besuchte sie wirklich noch einmal und tratschte dann herum, wie die Kranke "gerochen" habe... Diese Art von Krankenbesuchen ist natuerlich widerlich. Natuerlich stelzte diese Nachbarin auch bei der Beerdigung ihrer Nachbarin herum. Beim Verlassen des Friedhofs nahm ich jenen eigenartigen Geruch wahr, den man eigentlich nicht riechen moechte, ich war eben an der offen stehenden Tuer des Krematoriums vorbeigegangen, wo man im Augenblick mit etwas hantierte. Normalerweise ist diese Tuer ja verschlossen.

Und nun muss ich leider einen harten Schwenk machen: Leider heute morgen wieder Radio gehoert, zum Thema Seele:

Kinder, die sexuellen Uebergriffen von Erwachsenen ausgesetzt waren, werden wohl oft erst im Grab ihre Ruhe finden, denn ihre Seele ist zerstoert. Der Papst, so war es heute zu hoeren, wurde 1996 informiert, dass ein Priester in Milwaukee 200 taubstumme Jungen sexuell belaestigt haben soll (ich vermeide hier das Wort Missbrauch, denn, wie jemand in der ZEIT so klug geschrieben hat, wenn ein Missbrauch von Kindern existierte, dann gaebe es ja auch einen GE-brauch, und das ist absurd, aber dies sind so sprachliche Feinheiten.), und er hat nix getan.

Leider sind meine schon seit Jahrzehnten existierenden Zweifel gegen meine Kirche durch die ganzen Skandale erhaertet, bestaetigt und weit uebertroffen worden! Hexenverbrennung und andere Verbrechen der Kirche hatten mich hellhoerig gemacht. Aber diese Skandale, die jetzt ans Licht kommen, machen das Mass voll. Und ich sagte zu einer evangelischen Bekannten, die auch im kirchlichen Bereich arbeitet: Waere es eine Frauenorganisation, waere all das nie passiert. Sie schraenkte mein Diktum natuerlich sofort ein ("Auch Frauen sind zu SOWAS faehig"), wie Frauen nun mal sind, konnte mir aber zustimmen, was das Ausmass anbelangt.

Also meine Forderung: Den Papst absetzen, eine Frau einsetzen! Ueberhaupt alle Maenneraemter in dieser Kirche mit Frauen besetzen! Nur dann kann diese Organisation wieder an Glaubwuerdigkeit gewinnen. Bei mir hat sich auf jeden Fall alles Vertrauen, sollte mal eins bestanden haben, verfluechtigt.

Der letzte Schwenk zum Thema Graeber, Aktuelles, kommt jetzt, und meine Leser moegen selbst beurteilen, ob er ebenso hart ist wie der letzte: Georg Klein hat mit seinem Roman "Roman unserer Kindheit" den Preis der Leipziger Buchmesse oder den Deutschen Buchpreis gewonnen. Er soll in seiner Dankesrede den TOTEN gedankt haben, ohne die sein Roman nicht moeglich gewesen waere. Diesen Dank fanden sie im Radio ungewoehnlich, aber gut. Dem schliesse ich mich hier an und empfehle mich. Macht es gut, geniesst jeden Tag, aber vergesst auch nicht eure Teuren Toten, denkt ihr noch ab und zu an sie?.

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Sonntag, 21. März 2010

Lesefutter
Von cityscout2, 11:06

Buchtipps...

1. Ein Geheimtipp: Die Bekannte einer Bekannten: Sophie Behr, ein Solitaer der Frauenliteratur, ein seltenes Beispiel fuer eine mutige, eigenwillige, intelligente Frau, ihre Buecher sind aber keine leichte Kost. (Ida und Laura, ueber eine Mutter, die ihren eigenen Klon zur Tochter hat; Reisen, Speisen, Grausam sein)

In einem Interview von 1997, als "Ida und Laura" erschienen war, sagte sie, sie wuensche sich, dass vor allem nichtweisse, nichteuropaeische Frauen mal in der Literatur zu Wort kaemen. Es waere interessant, einmal mit ihr darueber zu reden, inwieweit sie findet, dass das seitdem geschehen ist. Alles andere bei Interesse bitte selbst googeln!

2. Clemens Meyer, Gewalten. Tagebuch 2009. Bericht im ZEIT-Literaturmagazin

3. Haiti Chérie, Fotoausstellung von einer ganz jungen belgischen Fotografin, Alice Smeets. Sie hatte mit einem Foto einen bedeutenden Preis gewonnen, UNICEF Foto des Jahres 2008, auf dem ein Maedchen auf Haiti im weißen Sonntagskleid ueber Dreckpfuetzen huepft. Das war aber noch vor dem Erdbeben. http://www.alicesmeets.com/

Jetzt ist sie wieder dort ("Eigentlich ist es nicht viel anders als im Januar, nur mehr Zelte"...) Die Fotos sprechen aber ihre eigene Sprache. http://blog.alicesmeets.com

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Samstag, 20. März 2010

Happy Hausfrauen
Von cityscout2, 12:25

Ich kann mir ja helfen (Indirektes Zitat von David Wagner, aber ein wenig gewitzter), aber viele Menschen haben das wahrscheinlich verlernt. So guckte ich neulich aus Versehen Werbung und verfolgte fassungslos das Idealbild einer heutigen Hausfrau, ich nenne sie mal "Happy Hausfrau". Mit einem gluecklichen Dauerlaecheln erledigte sie im Sekundentakt nach irgendeinem komischen Trommelrhythmus das aberwitzigste Arbeitspensum: Muell entsorgen in drei verschiedene Behaelter), Flur wischen, abwaschen, Geschirrspueler fuellen und wieder leeren, Waesche von 7 Personen waschen, Essen kochen, Kinder bedienen und reinigen, nach dem Essen alles wieder aufraeumen, ca. 13 Popos im Akkord abwischen, wonach die Kinder im Garten toben gingen, da bekamen sie ein

KINDER PING (Name verfaelscht, wegen der Schleichwerbung) in den Garten mit.

Da aenderte sich auf einmal der Rhythmus, und - O Wunder - die Supermutti goennte sich AUCH ein KINDER PING, mit dem sie dann auf der Haengematte einen Kurzurlaub machte (5 Min.).

Einen Augenblick spaeter hielten die Kinder froehlich ihre dreckigen Schuhe hoch und warteten, dass die Mutter sich wieder darum kuemmerte, und weiter gings, im alten Rhythmus...

Soweit das Ideal der heutigen Hausfrau und Mutter, immer proper, geschminkt und sauber, erledigt alle Drecksarbeiten in fuenf Minuten mit links und isst dann gutgelaunt ein KINDER PING zum Wiederauftanken.

Das Traurige daran: Die meisten Hausfrauen leben wirklich so, sie sind rundum perfekt, alles ist bei ihnen auf Hochglanz, nur die Pause mit dem KINDER PING stimmt nicht. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen erledigen sie den ganzen Haushalt alleine, OHNE sich eine kreative Lesepause zu goennen. Sie lesen allenfalls Kreuzwortraetsel oder Briefkastenwerbung, alles muss einen Sinn haben.

Das war vor 100 Jahren, als es noch Hausangestellte gab, ganz anders. Da konnte die Hausfrau repraesentieren, den ganzen Tag im Gartenhaeuschen Briefe schreiben und brauchte nur die Angestellten ein wenig herumzukommandieren bzw. die Menuefolge auszuwaehlen. Sie kuemmerte sich um ihren Mann. Wenn er weg war, ueberbrueckte sie die Zeit mit schoengeistigen Taetigkeiten wie lesen oder musizieren. Fuer alles andere hatte sie ihre Helfer. Sie war zufrieden so, sie war so erzogen, sie war nicht traurig, dass sie nicht studieren durfte. Bestenfalls verwirklichte sie ihre Ideen ueber ihren Mann, der sich dann dafuer die Lorbeeren anheftete.

Sogar die Kinder verbrachten ihre Zeit mit einem Kindermaedchen, nachlesen kann man das bei Proust. Oder man denke an all das Personal, das die 17-jaehrige Effi Briest zur Seite gestellt bekommt (und mit dem sie gar nicht viel anfangen kann), als sie Innstetten heiratet...

In vieler Hinsicht haben es die Frauen also anno dunnemals besser gehabt als nach der Frauenbewegung. Heute muss man sich bei seiner Putzfrau ja entschuldigen, dass man herumsitzt, waehrend sie putzt. Sie will natuerlich nicht putzen, sondern Germanys Next Flopmodel werden oder Heutschlands Huperstar. Wenn sie mal Kinder hueten soll, erwischt man sie nachts um elf mit ebendiesen vor dem Plasmabildschirm, ebendiese Volksverdummung mit Dieter B. schauend. Also sagt man, sorry, ich habe demnaechst ein paar Tage frei und kuemmere mich alleine um den Haushalt und die Kinder...Und wird zu eben dieser HAPPY HAUSFRAU aus der Werbung...In der Phantasie! In Wirklichkeit schafft man gerade mal die Fussboeden zu wischen an einem Tag, dann ist man schon kaputt, schreit die Kinder an und traeumt vom SPA - ALLEINE! Dann folgt unmittelbar das schlechte Gewissen, weil man so weit entfernt von dem Ideal der oben Beschriebenen ist...Ein Teufelskreis! Wie sagte mir neulich eine bekannte Hausfrau, meinen Flur besichtigend: "Was sind das denn alles fuer Buecher hier, die kannst du doch verkaufen!"

Liebe Hausfrauen, ich mache mich nicht ueber euch lustig, falls mal eine dies hier lesen sollte (die meisten haben sicher niemals Zeit dazu), nein, ich bewundere euch! Allerdings duerft ihr das Zitat von Desiree Nick nicht vergessen: Auf eurem Grabstein wird nicht stehen, dass euer Flur immer sauber geputzt war...

Und jetzt muss ich meine Theaterkarten fuer heute Abend abholen: Der Gott des Gemetzels (Von Yasmina Reza, die ich sehr schaetze), der Titel ist Zufall, wie ueberhaupt die ganze Geschichte hier...

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Sonntag, 07. März 2010

Kriegsenkel
Von cityscout2, 15:41

Der Link, auf den ich im folgenden Eintrag hingewiesen habe, existiert leider seit 2012 nicht mehr (Juni 2012)

Alter Eintrag:

Wen das Thema angeht oder interessiert, der kann sich folgenden Blog ansehen:

www.kriegsenkel.blog.de

Neben vielen Buchtipps war es das Ergebnis meiner heutigen Recherche, worauf ich auch nur zufaellig gekommen bin, da ich darueber nachgedacht habe, wo mein zweiter Grossvater eigentlich gestorben ist! Wir wissen es nicht, er ist verschollen.

Die Erfahrungen der Kriegsenkel sind in neuerer Zeit Thema wissenschaftlicher Untersuchungen, dabei geht es um die Jahrgaenge 1960-1980 (ungefaehr).

Was noch? Habe heute in den unendlichen Weiten meiner Bibliothek in einer untersten Kiste ein olles Englisch-Lehrbuch von einer Fahrt nach UK gefunden und in diesem einen Prospekt der "Chains of Knowledge 1686-1986"-Ausstellung der Wimborne Minster Chained Library, Dorset. Interessant, interessant! Noch interessanter war der Postkartenfund IN diesem Prospekt: Adam and Eve, Watercolour adapted from the Frontes of the Breeches Bible 1595 in the Chained Library. Eine anschauliche Darstellung des verbotenen Baumes und aller Tierarten im Paradies.

In der gleichen Kiste fand sich auch eine englische Bibel, wo in der Umschlagseite eine Karte mit einem Lageplan des Gartens Eden im heutigen Irak ist (viele Menschen glauben, der Garten Eden sei tatsaechlich irgendwo auf der Welt...). Na, denn machen wir uns mal auf die Suche, vielleicht sind ja sogar noch ein paar Aepfel am Baum !

Allen netten Lesern wuensche ich eine erkenntnisreiche, vertraeumte Woche!

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Samstag, 27. Februar 2010

Verflechtungen, Buecherkaeufe
Von cityscout2, 06:50

Mit folgendem, Begeisterung ausloesenden Zitat des humoristischen Herbert Rosendorfer, der mir durch meinen damaligen Chef in den 1990er Jahren bekannt gemacht wurde (In Buchform: "Briefe in die chinesische Vergangenheit") und von mir zunaechst ignoriert wurde (wegen der komischen Gattung, der fuer mich immer etwas Veraechtliches anhaftete und die ich erst in spaeteren Jahren wertzuschaetzen lernte), man wollte ja "ernsthaft, gross" schreiben...

Heute bemueht man sich unbedingt, der Welt etwas Komisches abzugewinnen, wenn nicht abzuringen, alles andere hat gar keinen Sinn...

Nun endlich das Zitat, das ich meinen geneigten Lesern nicht vorenthalten kann, da es wahr ist:

"Da die Geschichte, die ich Ihnen erzaehle, wahr ist, hat sie den Nachteil, dass sie unendlich nach vorn und hinten und nach allen Seiten hin in andere Geschichten hineinveraestelt und verzweigt ist und dass andere Geschichten in sie hineinragen oder auch nur, fast unbemerkt, wie der Schatten eines fliegenden Vogels ueber sie hinwegziehen,  dass sich ihre Grenzen also nur undeutlich bestimmen lassen im Gewirr der Geschichten, die unser Leben ausmachen, das heisst, in der einzigen, eigentlichen Geschichte, die 'Schoepfung' heisst." ("Was traegt der Mann von Welt auf dem Denkmal? Grosse Prosa", Erftstadt 2006.

Und jetzt haltet euch fest, denn ihr werdet nicht glauben, wo ich diesen Schatz der Literatur gefunden habe, ohne ihn vorher gesucht zu haben, oder sollte man doch lieber behaupten, das Buch habe mich gefunden???

Bei "KIK Textildiskont" (kein Schreibfehler, die Schreibung ist der deutschen in sanften Schulen des dreigliedrigen Ausbildungssystems mit Begeisterung erworbenen Aussprache- und Lesefaehigkeit SANFT angepasst...) in der Grabbelkiste oder besser im Grabbelgitter fuer sage und schreibe Euro 1 (EIN) - wenn das der Rosendorfer wuesste! Wie er verramscht wird. Da hat das Buch Glueck gehabt, dass es mich gefunden hat, oder verlaufen sich noch andere Gebildete und Rosendorfer-Kenner in den politisch unkorrekten Laden, wo Kleidung verkauft wird, die vermutlich mithilfe arbeitender Kinder in Bangladesh und so hergestellt wird und dann von V. Pooth, geborene Feldbusch auf billigen Prospekten, die der Tagespresse beiliegen, beworben wird???

Die Antwort lautet: Natuerlich! Dafuer gibt es mehrere Gruende, von denen mir zwei ins Auge stechen, weil das alles auf die Verflechtungen von Denken und Kultur mit den Strukturen unserer Wirklichkeit hinweist (in Wahrheit sind wir nur ein Faedchen der Schoepfungsgeschichte, vielleicht vergessen in einer Zeitfalte eines noch groesseren Zusammenhanges als wir ahnen...

ERSTENS: Die Frau links neben mir haette eine arbeitslose Intellektuelle sein koennen, die wegen Hartz IV, das ja viel zuwenig und noch nicht erhoeht und "dank" Westerschwalle auch moeglicherweise nie erhoeht werden, sondern gestrichen werden koennte, ausschliesslich bei KIK Diskont einkauft und die sich freut, neben all den unbekannten Titeln aus dem Groschenromanuniversum auf etwas Vertrautes zu stossen, aber da sie nicht mehr liest, weil sie enttaeuscht ist, dass sie nach jahrzehntelangem Lesen und Studieren damit kein Geld verdienen kann, sondern, nach der Streichung von Hartz IV und Anordnung von Zwangsarbeit fuer angeblich faule Intellektuelle durch Laesterschwester, bei KIK Diskont als Aushilfe fuer einen Euro pro Tag jobben muesste und sich von den anderen Angestellten ohne Ausbildung herumkommandieren lassen muesste, das Buch nicht kauft, sondern lieber ein exklusiv wirkendes, nach einer Waesche aber auseinanderfallendes Dessou, weil es sie an ihre besten Zeiten als reiche, von einer Erbschaft lebenden Studentin erinnert. 

ZWEITENS: Die Frau rechts neben mir (war eigentlich ein Mann, aber hier gibts keine Maennerquote...) hatte auch ein kaufsuechtiger Leiter einer Versicherungsagentur aus Hoexter sein koennen, der zum Einkaufen extra in die naechstgroessere Stadt faehrt, weil es ihm peinlich waere, in Hoexter schon wieder von Versicherungsmitgliedern, die ihn alle persoenlich kennen, bei KIK Diskont angetroffen zu werden. Auch er verfuegt ueber ein geruettelt Mass an Kultur und Bildung, das jedoch nur durch staendige geistige Umwaelzung erhalten werden kann und sich deswegen bei ihm, seit er vor 10 Jahren bei der Versicherung anfing und zum ersten Mal im Leben mehr als 1000 Euro im Monat verdiente, auf den lateinischen Zitatenschatz seines frueheren Chefs beschraenkt, die dieser immer in Gespraeche eingeflochten hatte, um vor Kunden intellektuell zu wirken. Die uebrige Bildung, die er waehrend seines abgebrochenen Studiums erworben hatte, lagert inzwischen in Steinbruechen seiner Gehirnwueste und koennte nur durch Kinderarbeit wieder abgeschlagen und verlebendigt werden (wie in Indien, wo unsere Grabsteine aus Granit hergestellt werden, woran die Kleinen dann kurz nach dem Erwachsenwerden sterben muessen - zum Glueck gibt es jetzt auf Anregung zweier, natuerlich deutscher, Steinmetze das GUETESIEGEL FAIR HERGESTELLTER GRABSTEINE! ), aber da er nie Zeit hatte, um Kinder zu produzieren, kann bei ihm auch nichts mehr abgeschlagen werden und er hat alle Abende frei (ausser die, an denen er mit einer Internetbekannten ins Kino geht). Er kauft sich den Rosendorfer und beim Kauf werden wie ueblich Lusthormone in ihm ausgeschuettet, das ist schoener als ein kompliziertes Gespraech mit einer langjaehrigen Partnerin Freitag abends am Kuechentisch, und deswegen kauft er noch ein Silbertablett fuer 2 Euro und eine Knaeckebrotdose fuer 1 Euro und, weil es draussen schon waermer wird, einen Strauss Plastikforsythien, die aber im Pulk immer schoener wirken, als dann einzeln gekauft. Oh, pardon, die Frau ist im Text aus Versehen wieder ein Mann geworden! Also tauscht bitte einfach die Pronomen aus.

Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja: Der Rosendorfer war so erschreckend guenstig, dass er mich an mein Exemplar von Anna Karenina erinnerte, das ich 1987 in Ungarn fuer 23 Pfennig kaufte. An der Kasse blickte die Verkaeuferin ganz interessiert auf meinen Buecherkauf und ich sagte ihr, dass der Rosendorfer ein ganz toller Autor sei und dass man bei KIK Diskont wahre Schaetze finden koenne, worauf sie laechelte und mir zustimmte.

Vor lauter Schreck rannte ich dann noch zu Linnemann und kaufte vom dortigen Grabbeltisch Tanja Dueckers "Morgen nach Utopia" und einen Band aus der Werkausgabe von Alfred Polgar. Die kosteten wenigstens 2 Euro...Aber davon ein anderes Mal.  

 

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Freitag, 19. Februar 2010

Falbala
Von cityscout2, 13:52

Im letzten Artikel war die Rede von meiner 30er Jahre-Weste von "Falbala". Heute hörte ich zufällig einen Bericht über ein Modemuseum von einer gewissen Frau von Krepl, die 1989 aus der DDR ausgereist ist und hier später ein Modemuseum gegründet hat. Sie übernahm den Laden "FALBALA" von einer "älteren Dame", die sie zufällig im Westen kennenlernte, nachdem sie lange Schwierigkeiten gehabt hatte, überhaupt Arbeit zu finden. Das muss mein "FALBALA" sein, es gibt den Namen bestimmt nicht zweimal. Frau von Krepl hat eine coole Stimme und wirkte auch sonst sehr entspannt und interessant. Schade, dass ich nach 1989-90 nicht mehr bei Falbala drin war, der Laden war bei mir um die Ecke.

Das Museum mit den 350 Kleidern würde ich mir angucken. Wieviel Sorgfalt früher auf Kleidung verwendet wurde, mit den ganzen Stickereien und so...Es war keine Wegwerfkleidung, wie die Museumsleiterin erzählte. Sie bekam viele Kleider von alten Damen geschenkt, viele bedauerten auch, vieles weggeschmissen zu haben. Wo wohl die Kleider meiner Oma, geb. 1901 in Berlin, geblieben sind? Im Krieg ist viel verbrannt und im wahrsten Wortsinn verschütt gegangen. Sie selbst hat keine alten Sachen aufbewahrt. Sie trug auf einem Foto aus den 1920er Jahren einen tollen Hut und einen grossen Pelzkragen, Handschuhe und ein Spitzentaschentuch. Dazu einen gefältelten Rock mit Schärpe. Ihr Leben lang trug sie nur Kleider, ich habe sie nie in einer einzigen Hose gesehen, nur auf einem Foto während der Kriegszeit an der Ostsee, mit ihren beiden Söhnen.

Und wo sind ihre ganzen Schuhe? Ihr Mann arbeitete vor dem Krieg in einer Schuhfabrik, sie hatte auch Krokodillederpumps.

Wo ist eigentlich das Hochzeitskleid meiner anderen Oma, geb. 1903, geblieben? Die Hochzeit mit meinem Opa Karl war vor 1930. Sie war fast komplett von einem opulenten Tüllschleier verhüllt, sah sehr schön aus. Das Kleid ist vielleicht in ihrem schlesischen Haus geblieben, aus dem sie 1945 geflüchtet ist. Sie fuhr dann mit meinem Opa auf dessen Kahn herum, er war Binnenschiffer. Sie lebten später in Wildau bei Berlin und kamen 1970 nach Berlin zu ihrer Tochter. Ich kenne sie nur mit Strickjacken und Schürzenkleidern, für schöne Kleider war wohl kein Raum mehr, obwohl sie nicht einmal 70 war.

Wer sich fürs Museum interessiert: www.modemuseum-schloss-meyenburg.de

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Donnerstag, 04. Februar 2010

Blogger, Weggehen und W.
Von cityscout2, 10:26

Kaum zu glauben, aber die Blogger haben ihren Weg in die FAZ gefunden. Oder ist die FAZ etwa den Bloggern hinterher, um sich interessant zu machen?

Die Blogger heißen Airen, Glamourdick, 500Beine, Pippin etc. und ich kannte sie bis vorige Woche nicht. Ich bin nur auf sie gestoßen, weil ich mich mit dem Roman eines Mädchens, Helene Hegemann, beschäftigte, die im Moment von Ullstein als Verkaufsknüller aufgebaut wird. Dieses Mädchen hat einige Passagen ihres Romans von dem Blogger Airen abgeschrieben bzw. gepasted und das ist herausgekommen. Airen selbst findet es nicht so tragisch, aber weil sie die Stellen nicht gekennzeichnet hat, kann man schon sagen, dass es sich um ein Plagiat handelt.

Die Blogger haben in der FAZ ihre Meinung gesagt, wurden interviewt und beschrieben ("Mit Riesenpupillen"), Hegemann bleibt trotz Plagiats für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Was ich cool finde, ist, dass es den Bloggern nicht um die Kohle zu gehen scheint, sondern nur um Authentizität des Erlebten. Deshalb werde ich mir alle Blogs reinziehen, auch wenn ihre Art zu leben und zu schreiben anders als meine ist.

Die Blogger haben mich dran denken lassen, wie es war, als ich noch ausgegangen bin. Die waren, als ich so im Ausgehalter war, gerade mal zehn oder zwölf. Die 80er Jahre mit ihren Themenclubs waren eben vorbei und Acidhouse und dann Techno schwappten aus England rüber. Dann war 1988 oder 89 die erste Loveparade. Die erste oder zweite Loveparade bestand aus zehn Wagen, die über den Ku'damm schrummelten. Ich bin dabeigewesen, auf einem der Wagen. All das habe ich einem Freund zu verdanken, der verschwunden ist: W.

Hey, W, ich moechte dir hier ein kleines Denkmal setzen.

W. lebte ein viel kompromissloseres Leben als ich, die für alles immer ein  bisschen zu feige war. Alles, das heißt Drogen, Exzesse, Blackouts, alles, was W. mit Absicht mitmachte. W. ist vielleicht der Urvater der Blogger, auf jeden Fall würde er sie mögen. W. kannte damals in Berlin die kleinen DJ's, zum Beispiel Kid Paul, die mit zwölf schon auflegten und die großen Wagen für die Loveparade bestellten. Kid Paul ist heute im Alter der Blogger.

Damals war die Loveparade noch keine Kommerzkacke wie heute, wo den Leuten 800 Euro oder mehr aus der Tasche gezogen werden, inklusive Klamottengeld. Ich trug eine rote, weiß gepunktete kurze Hose und eine schwarze Weste aus den 30er Jahren, aus einem Second Hand Laden, der Falbala hieß, und den es nicht mehr gibt. Wir tanzten und tanzten, und auf den Laternenmasten und Bäumen entlang des Ku'Damm saßen die 'Zuschauer wie lustige Affen und winkten. Einmal den Ku'Damm hoch und zurück, wie ich es schon 1000 Mal beim Spazierengehen gemacht hatte, doch diesmal eben tanzen auf dem Wagen, und am Ende ist es ein Regentanz gewesen, am Ende, als wir wieder an der Gedächtniskirche angekommen waren, fing es an zu pladdern und ich glaubte ein wenig an die Wirksamkeit der Eingeborenenrituale in Afrika. Wir haben nur den Glauben an all das verloren. Als eine Freundin des berühmten Werner Herzog im Sterben lag - dies war letzte Woche dem Feuilleton zu entnehmen - marschierte der zu Fuß von München nach Paris. Und als er ankam, war sie schon wieder aus dem Krankenhaus heraus.

Vielleicht würde ich dies auch mal für W. tun, der immer gern krank sein wollte, wie Michael Jackson, sein großes Idol. W. hatte viele Idole. Er versuchte, ebenso dünn zu werden wie Michael, indem er nichts mehr aß. Er stellte Kid Paul nach, den er anhimmelte, er schrieb ihm Briefe wie ein Groupie. Er besuchte ihn jede Nacht im Club. Er ließ sich mit Fremden ein und wachte auf Toiletten wieder auf, ohne zu wissen, was passiert war. In die Schwulenclubs konnte ich ihm nicht folgen, für mich war der Zutritt verboten, und irgendwann trennten sich unsere Wege, wir waren uns fremd geworden. Um Drogen mach ich einen Bogen, ich möchte nicht die Kontrolle verlieren. Ich habe zuviele fertige Leute gesehen. Nur einmal habe ich mit klopfendem Herzen eine Pille gekauft und in einem kleinen Fach meines Portmonees monatelang aufbewahrt. Das war in London. Die Pille sah aus wie ein Smiley. Ich habe sie an W. verschenkt, der auch viel Zeug eingeworfen hat, aber ich weiß nicht, was draus geworden ist. W. schmiss sein ganzes Geld für Platten und Klamotten raus, er hatte keine Zukunftswünsche. Er warf sich mal dem, mal jenem an den Hals. Als Kind hatte er mir auch mal eine Liebeserklärung gemacht und mich auch so angehimmelt wie Michael Jackson. Aber dann wurde er schwul, vielleicht hatte er es sich vorher niemals eingestanden. Er war der erste Junge mit gefärbten Haaren in der Klasse und die anderen behandelten ihn nie nett, heute würde man "mobben" sagen. Aber er blieb sich immer treu. W. ist nicht auffindbar über Google und Co. Vielleicht ist er nicht mehr am Leben, ich traue es ihm zu.

Schön, dass die Blogger und die Hegemann (und ich...) noch ein Gutteil des Lebens vor uns haben. Toll, dass Literatur wieder oeffentliches Thema ist!

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Mittwoch, 03. Februar 2010

minima mirabilia
Von cityscout2, 18:55

Geschätzte Leser,

zu den alten Einträgen dieser Seite gelangt ihr zum Teil über die Datumsfunktion oder über die Funktion "nächste Seite".

Andere haben so ein schönes Blog! Mit "schön" meine ich: einfach zu bedienen, man kann dort leicht alles finden, die Kommentarfunktion ist groß zu sehen und ebenso die Kommentare. Ein solches Beispiel ist der Blog von Johnny Haeusler (Spreeblick), www.spreeblick.com von dem ich erst durch die unschöne Geschichte über meine Ex-Schule erfahren habe, die zur Zeit durch alle Boulevardblätter geht.  Auch, dass er dort mal war, wusste ich nicht, bis zu dem Zeitpunkt, als ich seinen Namen auf der Website der "Berliner Morgenpost" fand, die auch über die Vorgänge am Canisius Kolleg Berlin berichtete. Und so stieß ich auch auf eine Liste berühmter Ex-Schüler dieser Schule bei Wikipedia, wo ich mich selbstverständlich gleich mal hinzugefügt habe...

Am nächsten Tag war ich dort aber wieder verschwunden. Warum? Wann ist man denn berühmt bzw. "bekannt"? Nur weil man irgendein Hauptstadtstudio der ARD leitet? Macht man es aus an der Zahl der Menschen, die einen kennen? Oder an der Zahl der Einträge bei Google? Naja, ich fühle mich auf jeden Fall berühmt, Karl Valentin sei mein Schutzpatron! Und wenn die eines Tages ankommen und mich da eintragen wollen und ich bin dann nach landläufiger Meinung berühmt, dann bin ich es vielleicht nach meiner eigenen nicht mehr und dann...ja dann werde ich sagen "NEIN"!

J.D. Salinger, der das hochgelobte, weltberühmte und von vielen besungene Buch "The catcher in the rye" geschrieben hat, wollte gar nicht berühmt sein, es schmerzte ihn sogar so sehr, dass er bis zu seinem Tod letzte Woche keine Interviews gab und auch die Fortsetzung seines Buches verbot, in der er als alter Holden Caulfield nochmal auftauchen sollte. Vielleicht war er einfach nur gegen die Meute. Die Meute ist gefühllos und labert nur der Sensationen wegen. Ich glaube, das hat er gehasst.

Nachtrag: Mit Spreeblick wollte ich mich in einer Anwandlung von Kommunikationsfreudigkeit vernetzen, auch hat J.H. mir geraten, meine Adresse anzugeben, aber seither habe ich nichts mehr aus Berlin gehoert. Es soll irgendwann dort die Moeglichkeit geben, sein Blog einzutragen, aber wann, ist noch nicht sicher. Also momentan keine Vernetzung! Wozu auch, vernetze ich mich eben mit mir selber...

Den Spreeblick erwaehne ich hier trotzdem, weil ich ihn gut finde. Ciao. 

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Mittwoch, 06. Januar 2010

Musenmusik und Mammon
Von cityscout2, 12:19

Allmorgendlich von Werbung via Tageszeitung (Radio und Fernsehen habe ich abbestellt, außer Klassik Radio und WDR 5, ohne Werbung!) überschwemmt, wollte ich zum Neuen Jahr den Eintrag "Musenmusik und Mammon" veröffentlichen. Gedacht, geschrieben. Nur: Eine höhere Macht löschte den ganzen Eintrag samt seiner unverwechselbaren, ausgefeilten und liebevoll-sarkastisch konzipierten Gedankensprünge (vielleicht, weil es darin um den Besuch in einer Gospelkirche an Silvester ging?) - also werde ich die Reste meines Eintrags in einer Word-Datei zusammenkratzen (geistig, versteht sich...), Kirchensatire hat bei mir zum Glück eine lange Tradition :) Vorerst belasse ich es bei einer hier neu eingestellten Geschichte ("Kemis Abschied", unter Geschichten). so schreibt es sich ganz vergnügt hier auf dem "Abstellgleis", aber eines Tages wird es das Gleis werden, das in alle Weltrichtungen führt, ich warte nur auf Leser

All meinen Jetztschon-Lesern wünsche ich ein gesundes, glückliches Jahr 2010, seid blumig und kreativ!

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Sonntag, 13. Dezember 2009

Feridun Zaimoglu und ICH
Von cityscout2, 15:12

An der Uhrzeit könnt ihr ablesen, wie schnell ich ihn gefunden habe! F.Z.! Natürlich! Wie konnte ich ihn vergessen! ein paar Klicks haben genügt, Internet sei Dank! Beim Eingeben des Stichwortes "Leila" bin ich aber auf eine interessante Site gestossen: www.afrikaroman.de

Eigenartig nur, dass auf diesem Internetportal über LITERATUR gleich ganz oben auch eine Singlebörse ist...

Vielleicht sollte auch ich eine Singlebörse hier einbauen, um die Frequenz meines Blogs zu steigern? Auf der einen Seite wäre das sicher schön, auf der anderen Seite: Wozu? Ist es nicht schöner, mit sich selbst zu reden und vielleicht für einige Wenige? Kleist würde Nein sagen! Jetzt muss ich aber los.

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FAZ, Meyer und ich
Von cityscout2, 14:53

Na, da war wohl diese Site ein wenig hinterm Mond. "Dermeyer" scheint abgeschaltet zu sein. Obwohl ich mich extra noch bei FAZ.net registriert habe und mal im Blog ein bisschen lesen wollte, waren nur noch 5 Beiträge gespeichert, davon der letzte im Februar! Komisch, es ist im Web wie im Märchenwald, was gestern noch da war, ist heute nicht mehr zu finden. Auf wundersame Weise verschwunden, manchmal glaubt man nicht, dass man es einst gefunden...

Das ist nun auch wieder schade, die Beiträge von Clemens warn ganz gut, aber es gibt ja noch andere Blogs. Zum Beispiel meins. In Ermangelung privater E-Mails habe ich zum GLück Zeit, etwas einzutragen. Da gab es zum Beispiel einen tollen deutsch-türkischen Schriftsteller, dessen Geschichten ich neulich weiterempfehlen wollte, und dann...Ja, dann war mir der Name entfallen! Deshalb gehe ich gleich in meine Bibliothek, die heute von der Wintersonne beleuchtet wird (da sieht man dann allen Staub, wie traurig, aber eigentlich kann sie noch gar nicht so eingestaubt sein, vor wenigen Wochen habe ich sie erst neu sortiert, ein paar Monate nach meinem Umzug, der Lyrikstapel, 1,50 m hoch, wartet noch auf jene modischen Kastenelemente, die letzte Woche in der ZEIT abgebildet waren (sie zierten die Waende der Wohnung eines ZEIT-Mitarbeiters) und die man unendlich aufeinanderstapeln kann, d.h. in meinem Fall ca. 2,35 m hoch, nicht mehr!

Wir leben nicht mehr in Berliner Altbauten, die 3,80 hoch waren (wozu haben die die nur so hoch gebaut? Sollten es moderne Kirchen sein? Moderne Schlösser? Ein feiner Streifen Gold erschien an der Wand, als wir die Tapete aus den 1950er Jahren abweichten, er war drangemalt worden, als die Wohnung preussischen Generaelen Obdach bot!)) Ich hoffe, ich habe nun alle Klammern geschlossen, an die niedrigen Decken habe ich mich gewöhnt. Nun aber flugs in die Bibliothek geeilt: (ein paar Stunden spaeter) NICHT FüNDIG GEWORDEN!!! KATASTROPHE! Letzter Ausweg Website! Oder Nachdenken. Oder nicht dran denken, aber das hab ich schon die Woche über versucht, und der Name ist wie ausgelöscht aus meinem Gehirn. Kann doch nicht sein! Andere Namen spuken darin herum wie Rafik Schami, Nervid Kermani, die der Tagespresse zu entlesen sind. Aber der? Wie kann ich ihn vergessen, sein Gesicht ist mir noch deutlich in Erinnerung. Sein letzter grosser Roman hiess Leila oder so. Habe ich dann nicht gelesen, weil ich a) keine Zeit und b) nur negative Kritiken darueber gelesen und c) im Buchladen ein bisschen darin gelesen hatte, was mich nicht zum Weiterlesen animierte. Ich habe eine bessere Idee: Ich mache eine Ausschreibung! WER also mit Interesse das literarische Weltleben verfolgt und auch mein Blog mal liest (ja, einige Menschen, Verflossene oder Verlorene, von denen ich zehn oder gar zwanzig Jahre nichts vernommen hatte, haben sich überraschend bei mir gemeldet und bestätigt, dass sie mich im Internet gefunden und ob es mich nun wirklich auch noch gäbe, ob ich das wäre etc. Womit sich meine Internetpräsenz doch gelohnt hat, denn wer macht sich schon die Mühe wie damals nach dem Krieg und gibt eine Suchmeldung beim Roten Kreuz auf? Das muss dann schon eine verwandtschaftliche Beziehung oder ein ganz besonderer Anlass sein, vielleicht die "Erste Liebe" (gibt es das noch?)). Die Chancen stehen also 1:X1000. Puh, ein Glück, dass ich noch nicht so prominent bin wie Bill Gates, der sein Netzwerk bei Facebook wieder abgeschaltet hat, weil 100000 Leute seine Freunde sein wollten.

Also noch einmal, liebe Leser, liebe virtuelle Leser, muss ich ja sagen, denn im Augenblick des Niederschreibens habe ich euch ja noch nicht. Nennt mir den Namen des Gesuchten und ihr bekommt ein Exemplar meines Romans, wenn er dann fertig ist. Geschenkt! Mal sehn, wer schneller ist. Ich kann ja auch noch einmal nachsehen, ob sich noch ein paar graue...nein, nicht Staubflocken, ZELLEN in meiner Bibliothek versteckt haben. Ich gebe euch dann unter Pseudonym Bescheid.

Der eigentliche Grund, weshalb ich heute blogge, ist ANGELIKA MILSTER! Angelika Milster taugt für eine Prominenten-Anekdote aus meiner Schülerzeit. Wobei ich auch nochmal zu P. zurückkehren könnte, denn die fand Prominente immer unwichtig. Als wir auf den Berliner Filmfestspielen jobbten und ich Promis angucken wollte, ist sie immer schimpfend weggegangen. Ich fand Prominente immer ganz o.K. Könnte ja sein, dass ich selbst eine werde, dachte ich mir immer, und dann würde ich es auch nicht schoen finden, wenn man vor mir gelangweilt wegläuft. Was war nun mit Angelika Milster? Sie hiess bei meiner Schulfreundin Sylvia, die in Berlin-Moabit in der Zwinglistrasse wohnte, "Geli", war deren Nachbarin und hatte einen riesengrossen Kleiderschrank, in dem Sylvia auch mal kramen durfte. Da ich A.M. nicht kannte, glaubte ich auch nicht, dass sie ein Star war. Erst als sie mit dem Musical "Cats" weltberühmt wurde, erinnerte ich mich an Sylvias Erzählungen und beneidete sie ein bisschen um ihre Nachbarschaft mit A. M. Was ist eigentlich aus Sylvia geworden? Sie war auch immer eine Art Star, blond, mit den längsten Beinen der Klasse, die sie alsbald verliess, so wie die Schule. Sie wurde von den Eltern ausreichend vernachlässigt, sodass sie früh selbstständig sein konnte. Die Mutter war vor ihrer Schwangerschaft Nonne gewesen und nun Krankenschwester. Ich erinnere mich an ihr quadratisches Gesicht. Der Vater hatte einen Bart und kommentierte die Anstellung meines Vaters folgendermassen: "A-E-G, am Ersten gehen!" Dann gab es noch eine, ebenfalls semmelblonde, jüngere Schwester und eine schwarz- und kurzhaarige Adoptivtochter, die in einer eigenen, dreieckigen Kammer hinter der Küche hauste. Was ich damals cool fand. Wir durften dort auch unsere erste "Fete" machen und 99 Luftballons von Nena spielen, was gerade neu herausgekommen war. Ich habe mir dann auch immer eine gewisse Verwahrlosung und eine eigene Kammer gewünscht. Angelika Milster habe ich bei meinem Besuch in der Zwinglistrasse aber nicht getroffen, vielleicht war sie auf Tournee. 

Sylvia hat, glaube ich, auch einen medizinischen Beruf erlernt und dann reich geheiratet (lange Beine!). Sie wird wohl ihr Einfamilienhaus in Schuss halten... So, jetzt ist es Zeit nach all der Plauderei, in meiner Bilbliothek nach etwas Grauem zu suchen, vielleicht wische ich auch ein wenig Staub. davor muss ich aber noch den Artikel ueber die poetische Urszene der Herta Müller lesen. Wobei mir sofort eine weitere Anekdote aus meinem Leben einfällt, ueber ein Mädchen, das ein grosser Fan von Herta Müller war und das ich nie wiedergesehen habe, weil es heiratete und seinen Namen wechselte. Aber diese Geschichte von dem Mädchen in Leopardenhose erzähle ich beim nächsten Mal.

PS: Mein Blog wird jedenfalls erst abgeschaltet, wenn ICH es bestimme!

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Sonntag, 29. November 2009

P., Proust und Ich
Von cityscout2, 14:26

Mein Gott, was man von der TAZ in der FAZ liest, spottet jeden Gedankens. Und dass jetzt noch dieser beknackte BILD-Typ, der Mann von Katja Kessler, dessen Name mir schon wieder entfallen ist, weil man ihn wirklich entbehren kann, TAZ-Genosse ist (Was er nur aus Publicity-Gründen tut)! Eine Freundin von mir hat nämlich mal "unter ihm" (also nicht wörtlich nehmen) als Chef bei BILD gearbeitet und mir weitererzählt, dass er wirklich bescheuert ist. Das hätte bestimmt auch Clemens Meyer erschüttert, obwohl der ja schon so einiges erlebt zu haben scheint. Kann man ihn kleinen Mädchen ohne Weiteres als Lektüre empfehlen? Diese Frage hat mich beschäftigt. Obwohl. kleine Mädchen sind ja heute sehr abgebrüht, sehen heimlich SAW im Web, der erst ab 18 ist und erzählen dann stolz, dass sie nach der ersten Szene gleich kotzen mussten. Sogar ein bekannter Müllmann, der schon die ganze Welt gesehen hat, sagte, es wäre der härteste Film, den er je gesehn hätte. Ein anderes Mädchen liest ständig Mörderromane, die zum Teil im Netz spielen. Sie kann einfachen Stories von Gleichaltrigen nichts mehr abgewinnen, will auch nur Mordstories schreiben. Ich bin zu keinem Schluss gekommen und musste erst einmal nachdenken, was man denn von der Lektüre des Clemens Meyer überhaupt hat. Das geht mir eigentlich bei allen Lektüren so und nur ganz selten lässt sich diese Frage fuer mich beantworten. Ich habe zum Beispiel viel von der Lektüre von Menschen, die ich kenne. Dann kann man sich beim Lesen diese Person vorstellen und mit ihr im Geiste kommunizieren. Ich weiss auch nicht, das Lesen von Lektüre von Menschen, die ich kenne, hat mir immer viel mehr Spass gemacht als von solcher von solchen, die ich nicht kenne. Wenn mir aber die Lektüre von Menschen, die ich nicht kenne, Spass macht, dann muss etwas dran sein. Selbstverständlich gibt es auch langweilige Lektüre von Menschen, die ich kenne. Aber die legt man weniger schnell beiseite als die langweilige Lektüre von denen, die man nicht kennt. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass ich heute einmal Zeit hatte zu träumen. Und da träumte ich mich zurück in eine Zeit, als P. und Ich noch fast Mädchen waren und endlos Zeit hatten und gemeinsam oder um die Wette, so genau weiss ich es nicht mehr, den grossen Roman von Proust über die Zeit lasen. Wir hatten alle Zeit der Welt, so kam es uns vor, obwohl wir schon Anfang zwanzig waren. Und wir nutzten diese Zeit, indem wir sie vertaten! Wir fuhren zum Beispiel sechs oder sieben Wochen am Stück nach Paris und rauchten. Neben dem Rauchen lernten wir noch jede Menge Leute kennen (mit denen wir aber ueber Proust gar nicht sprachen) und lasen eben Proust. Proust in Paris. Wie herrlich! Gleich wenn man gelesen hatte, dass er mit seiner Freundin in den Tuilerien spielte, konnte man mit der Metro oder zu Fuß dorthin gelangen und dann dort von Proust, wie er mit seiner Freundin da spielte, während er beobachtete, wie seine Grossmutter immer älter wurde, träumen. Das waren Beschreibungen, die die Phantasie anregten! Zumindest meine. Die Beschreibungen von C.M. hingegen, wie zum Beispiel Fingerabdrücke auf dem Hals einer toten Frau zu sehen sind, die von ihrem Freund getötet wurde (vgl. Lesung im Internet), bringen mich dann doch nicht so weiter. Obwohl man zwischen beiden natürlich keinen Vergleich ziehen dürfte. Zur Wirklichkeit darf man dann gar keinen Vergleich mehr ziehen, wo kleine Kinder ihre kleinen Freundinnen so aus Langeweile in der Schule würgen. Aber ich schweife ab. Ich erinnere mich, dass P. und Ich von Proust begeistert waren und ich diese Begeisterung einem in Paris kennengelernten jungen Autor mitzuteilen versuchte. Gleich wurde ich ernüchtert, als er mir erzählte, der von mir hochgeschätzte Autor hätte in seiner Freizeit gerne Ratten gequält! Eigenartiges Gedächtnis, dass mir im Zusammenhang mit Proust diese Anekdote immer wieder einfällt. Sollte man nur sympathische Autoren lesen? Ich habe Proust später trotzdem immer noch gern gelesen, ich habe dann an die Sache mit den Ratten gar nicht mehr gedacht, aber vielleicht ist sie ja auch gar nicht wahr. Vielleicht will die FAZ auch die TAZ schlechtmachen, weil sie neidisch sind. Wer weiss...

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Montag, 09. November 2009

Zum Mauerfall
Von cityscout2, 11:10

Lieber Leser,

was Clemens Meyer kann, kann ich auch, selbst wenn es nicht von der FAZ finanziert wird. Moechte ich auch nicht. Lieber frage ich mal an bei der TAZ. Natuerlich kann man sich taeuschen, und bei der FAZ sitzen die netteren Menschen...Es ist schon schlimm mit den Vorurteilen (nicht dass ich die FAZ nicht schaetze, aber ein Bekannter von mir wurde von ihr gedisst! Daher hat die FAZ, was ihre Toleranz fremden Denkarten gegenueber angeht, bei mir einen schlechten Ruf. Obwohl mein hochgeschaetzter Ex-Professor, dessen sprachlicher Ausdruck mich stets begeisterte (und das kann ich nicht von Vielen sagen...) regelmaessig dort veroeffentlicht. Wer weiss, vielleicht fanden sie meinen Bekannten ja einfach nicht nett. Also mache ich einen Kompromiss: Wenn die FAZ Clemens Meyer unter Blogvertrag nimmt, kann sie so schlecht nicht sein. Andererseits hat mich der Blog nicht gerade vom Hocker gerissen. Ein Blog ist eben kein Roman. Den Roman ("Als wir traeumten") muss ich sofort noch einmal lesen. Vielleicht habe ich mich ja damals getaeuscht, als ich davon angetan war. Nein, das ist unmoeglich! In dem Artikel im Clemens Meyer-Blog, den ich gelesen habe, ging es um zwei Kuenstler, die sich mit der Polizei anlegten. Einer landete dann im Knast (nicht Meyer). Es klang fuer mich wie eine ueberfluessige, aus Langeweile provozierte Auseinandersetzung. Doch wenn es so war wie beschrieben, ist es schlimm. Wobei ich nicht sicher bin, ob die wahren Feinde der Dichter und Denker die Bullen sind. Nur einmal habe ich erlebt, dass polizeiliches Verhalten in der Zeitung beschoenigt wurde. Das war am Kollwitzplatz Berlin, in der Walpurgisnacht 1995. Mindestens 200 Polizisten befeuerten die Feiernden mit Traenengas und fuhren dann so um den Wasserturm herum, dass die Wasserwerfer der Polizeiwagen die Scheiben der Haustueren zersprengten. Alle rannten in die Hauseingaenge und hatten Angst. Die Wassermassen prasselten gegen die Oberlichter und zertrümmerten sie schießlich. Ich verlor sogar meine Schlüssel! Am nächsten Tag suchte ich sie im Scherbenmeer in dem Hauseingang, wo wir uns versteckt hatten, fand aber nur einen riesengroßen Yin und Yang Anhänger für eine Kette, den ich heute noch besitze. An diesem naechsten Tag hiess es in der Zeitung, 1200 Krawallmacher haetten randaliert...Dies war eine glatte Luege. Im Uebrigen weiss man, dass sich in vielen Staaten die Polizei viel mehr erlaubt als bei uns. Siehe USA, siehe Frankreich, ganz zu schweigen von ganz anderen Gefilden. Aber vielleicht hat Clemens Meyer ganz andere Erfahrungen gemacht. Worum gehts eigentlich heute? MORGEN IST 20 JAHRE MAUERFALL!

Dazu habe ich eine kleine Geschichte verfasst, zu finden unter "Geschichten - Labyrinth der Erinnerung". Lest sie bitte und teilt mir eure Erlebnisse vom 9. November mit (solltet ihr schon auf der Welt gewesen sein).

Und was die TAZ angeht: Bei ihr arbeiten die Leute nicht wegen des guten Gehalts. Und sie kann ueber sich selbst lachen. Also, liebe TAZ, solltest du an einem Blog von mir interessiert sein, will ich gern meinen Namen unter deinem Logo erscheinen lassen ( nicht wegen des Geldes! ) und solange dies nicht der Fall ist, schreibe ich hier mein eigenes Blog, vielleicht mit weniger Besuchern, aber dafuer auch ganz exklusiv fuer MEINE Leser. So!

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Sonntag, 15. Februar 2009

Writers Blog
Von cityscout2, 15:27

Lieber Leser, 

ich freue mich, dass DU durch den Datendschungel den Weg zu meinen Seiten gefunden hast.

Schön, dass du dir ein paar Augenblicke  Zeit nimmst, in der Hektik der heutigen Zeit hier zu verweilen.

Und dies ist in etwa mein Credo: Das persönliche und künstlerische Leben sehe ich als eng verknüpft mit der politischen Wirklichkeit. Jede Begegnung, jedes Erlebnis kann wichtig sein, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet.

Jeder Tag kann etwas Besonderes bringen, jede Stunde unser Leben verändern, jede noch so kurze Begegnung im Leben kann eine große Rolle spielen, es kommt nur auf den Zeitpunkt an. Auch jedes Gespräch und jeder Gedanke können immens wichtig sein. Wir werden uns nie zweimal gleich begegnen, immer wird unser Zusammentreffen etwas Anderes sein und auch unsere Erinnerung veraendern.

Mit meinem Schreiben wende ich mich gegen Gewalt und Rassismus, Engstirnigkeit, Kunstfeindlichkeit und übertriebenen Kapitalismus jeder Art, auf dem Weg zu einem neuen, friedlichen Weltbürgertum.

In meinem Blog veröffentliche ich nur eigene Texte. Sämtliche Textrechte liegen bei mir.  

Besuche auch meine Homepage zum literarischen Leben unter www.beepworld.de/members49/cityscout

Hier noch ein Zitat von S. Lem: "Niemand liest etwas, wer etwas liest, versteht es nicht, wer etwas versteht, vergisst es sofort."

Und nun viel Spass beim Lesen, Lachen und Leben.

Deine M.W.

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