SYLVIA PLATH, SCHADE, DASS DU UNS VERLASSEN HAST
Vor 50 Jahren nahm sich eine Frau das Leben, die zu den intelligentesten und begabtesten Lyrikerinnen Europas zählt. Sie gilt als Vorreiterin der Frauenbewegung. Sylvia wurde nur 30 Jahre alt. Alleinerziehend und depressiv, hinterließ sie mitten in der selbsterlangten Unabhängigkeit ihre 2 kleinen Kinder und steckte den Kopf in den Ofen. Der Nachbar, der etwas hätte ahnen können, half ihr nicht.
Diese Frau war eine Meisterin der Sprache und insbesondere des geschriebenen Worts. Ihr Roman "Unter der Glasglocke", den wir zu Schulzeiten von unserem Englischlehrer empfohlen bekamen, wurde ein Welterfolg.
Später erstand ich im Pariser Buchladen Shakespeare and Company ihre Gedichte (mit Stempel!)
Eine Mitschülerin besaß sogar die Briefsammlung "Letters home", die ihr gestörtes Mutterverhältnis dokumentieren.
Mit dem Ehemann Ted Hughes hatte sie leider nicht viel Glück.
Sie verließ ihn, weil er sie betrog. Außerdem war er - selbst Dichter - eifersüchtig, weil sie viel besser dichten konnte.
Bedauerlicherweise speiste sich ihre Kreativität aus ihrem seit der Jugend an ihr nagenden Leiden der Traurigkeit und am Ende hat es sie besiegt.
Was wäre noch alles aus dieser Feder geflossen.
Was ist eigentlich aus den armen Kindern geworden?
Der Frage bin ich gestern noch nachgegangen und fand heraus, dass der Sohn 2009 ebenfalls Selbstmord begangen hat (er war Meeresbiologe) und die Tochter Frieda, die ihrer Mutter bis aufs Haar gleicht, Schriftstellerin und Künstlerin geworden ist! Sie ist dem furchtbaren Erbe hoffentlich entgangen.
Schlimm ist es auch Sylvias Rivalin ergangen, wegen der Ted sie seinerzeit aufgegeben hat: Sie brachte sich und das Kind, das sie mit ihm hatte, auch um. Der Mann war entweder furchtbar oder hatte eine Vorliebe für depressive Frauen.
DENIS SCHECK, DER BÜRGERSCHRECK
Wie bekommt man zum Thema Literatur in wenigen Tagen über 3400 Klicks auf Youtube? Man malt sich schwarz an, zieht weiße Handschuhe an und verteidigt als Sarottimohr der Literatur den Gebrauch des Wortes "Neger" in Kinderbüchern.
www.youtube.com/watch
Die User-Kommentare sind unterschiedlich, von "Inhalt verändert sich nicht durch Auswechseln des Wortes" bis "Latenter Sprachrassismus in Deutschland nervt".
In unserer kleinen Stadt hat sich ein Mitglied des Ausländerrats darum bemüht, dass die ollen Pippi-Langstrumpf-Bücher in den Bibliotheken ausgewechselt würden, bislang fand er kein Gehör.
Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, Kindern die Bedeutung der alten Wörter zu erklären, aber ich habe auch nichts dagegen, dass die Verlage sie auswechseln. Man muss sie deshalb nicht beschimpfen und mit dem Wahrheitsministerium bei George Orwells 1984 vergleichen, das die Vergangenheit umschrieb.
Die Vergangenheit wird durch das Auswechseln der Worte nicht umgeschrieben, es wird nur etwas, das wir heute als schmerzlich empfinden, ausgewechselt, was früher selbstverständlich so gesagt wurde.
Es geht um die bewusste Wahrnehmung von Sprache, im Gegensatz zu kopflosem Geplapper.
Das erinnert mich an eine Erzieherin, die in den 1970er Jahren oft sagte, wenn ein Kind sie nervte: "Den (oder die) könnt' ick vergasen!!"
Das störte auch solange nicht, bis man sich mal wirklich Gedanken über das Wort und seine Herkunft machte.
Das Wort "Neger" mag ganz populär gewesen sein ("Negerkuss", "Neger abseilen", "Negerkopf" (ein französisches Gebäck)), ist aber heute stark belastet und politically not correct, weil es an die Zeiten der Sklaverei erinnert und zum menschenverachtenden Schimpfwort geworden ist. "Du bist mein Neger" hieß bei uns zu Schulzeiten "du bist mein Diener". Das benutzten natürlich nur Oarschis.
Aber der Herr Scheck, bekannt als Frauenfreund, hat sich vielleicht niemals tiefere Gedanken über den Hintergrund dieses Wortes und die von diesem Wort Betroffenen gemacht, sonst würde er seinen Gebrauch nicht so karnevalesk verteidigen.
SHAME ON JOHN DOS PASSOS!
Vor mir liegt - aufgeschlagen - der berühmte Roman "Manhattan Transfer" des 1970 verstorbenen John Dos Passos. Einer der berühmtesten Romane der Welt. Ein Revolutionär unter den Romanen. Millionenfach verkauft und gelesen.
Ich selbst kaufte ihn vor...gefühlten 100 Jahren, in Wirklichkeit erschien er in den 1950er Jahren.
Auf der ersten Seite, das ist mir vorher nie aufgefallen, steht etwas über eine Krankenschwester, die in ein Körbchen mit einem Neugeborenen guckt.
Und wie beschreibt der Autor diesen Eindruck der - man beachte: weiblichen ! - Kinderschwester?
"Das Neugeborene krümmte sich kläglich in der Watte wie ein Knäuel Regenwürmer"...
Die Frage ist: Was hatte der Autor gegen Neugeborene? Was will er mit diesem Vergleich sagen? Ich bin dafür, den Roman umzuschreiben, so sollte man es jedenfalls nicht stehenlassen. Was meint ihr? Macht Vorschläge!