Promi News
Gruß an F., die ist ja immer weggerannt, wenn Promis kamen...
Und die kamen in Berlin ziemlich oft.
Ich habe das ja nie verstanden, früher gabs ja noch RICHTIGE Promis, so mit Glanz und Glamour und Millionen in der Tasche oder welche, die richtig gute Musik selbst schrieben. Oder Filmstars. Nicht so wie heute, lauter geklonte Alexe, junge hübsche alter egos von einem gealterten oder im Grunde hässlichen Musikerfinder, jedes Jahr einen neuen, nächstes Jahr vergessen, nur der Alex hat seinen Ruhm nicht vergessen und bekommt ein Problem, weil er weiter Promi sein will, aber da ist er der einzige...
Hab auch öfter Nena auf dem Ku'Damm getroffen, mit und ohne Hunde(n).
Und nun wohnt in demselben Haus wie mein Onkel Marcia of Boney M. Ich fand heraus, dass sie nach schwerer Erkrankung eine neue CD releast hat, mit über 60! Mit ihrem Freund, und die haben wir natürlich dort ein- und ausgehen sehen. Toll, im Alter noch Musik zu machen, auch wenn sie etwas fad ist, aber die Botschaft ist nett.
Schau rein: www.youtube.com/watch
Da bekommt man direkt Lust, auch eine CD zu releasen. Mit allen Promis drauf, die einem mal begegnet sind. Sean Connery zum Beispiel und Kate Winslet und mit Alfred Biolek habe ich sogar in der Londoner Disco Busbys geplaudert. Da habe ich mich aber nicht als Deutsche zu erkennen gegeben und so getan, als ob ich ihn nicht kannte. Daraufhin hat er mir erzählt, wie froh er sei, in London zu sein und unbekannt, denn zu Hause würde er auf Schritt und Tritt angesprochen, das war ihm lästig.
Die Engländer und Franzosen haben nach meinen Beobachtungen ein sehr entspanntes Verhältnis zu ihren Promis.
In einer Pariser Disco saß ich neben dem Sänger von Simply Red an der Bar und herein kam Steffi "Sorgenkind" von Monaco, dann tanzten wir alle neben zig schwedischen oder sonstwie hellblonden Models und plötzlich fühlte man sich selber prominent. Man wurde auch ständig großzügig zu irgendwelchen Partys und in weitere Clubs eingeladen und einmal war ich bei einer Riesenfete einer reichen Politik-Studentin zu Gast, die ich nur über Dritte kannte.
Dort stand im Bad die riesigste Flasche Chanel N° 5, die ich je gesehen hatte.
Wenn einem die Zigaretten runterfielen, kam gleich ein Promi-Frisör (zwei Promi-Frisöre veranstalteten die Party) und sagte, lass liegen und bot einem eine neue an.
Dort lernte ich einen Zwerg kennen, der sich mit einem extra für ihn angefertigten Motorrad als Fotograf betätigte, natürlich als Schöne-Leute-Fotograf, denen er bloß bis zur Gürtelschnalle reichte. Heute würde man Paparazzo sagen oder vielleicht auch nicht. Er wohnte in einer winzigen, dreieckigen Kammer über den Dächern von Paris, die vollgestopft mit Nackten-Comics war, und ließ keine Party und keinen Club aus.
Richtig reiche Promis wollte ich auch in Monaco treffen, hatte mir schon die Zugverbindung aufgeschrieben, die mich zu dem Club bringen sollte, in dem Boris B., damals ein Super-Promi, heute bloß noch Erbgut-Verbreiter und Marktwert-Tester, regelmäßig "verkehrte". Leider hatte ich zwei Berliner Trantüten mit, die unbedingt zu einer bestimmten Zeit ins Bett wollten, obwohl wir an der Cote d'Azur waren. Naja, alleine bin ich dann doch nicht hingefahren, da hätte schon Nina dabeisein müssen, obwohl Nina erst mit 27 Jahren anfing, verrückt auszugehen.
Das hätte sich dann zeitlich nicht überschnitten, denn mit 27 hörte ich fast schon wieder auf, wegzugehen, zumindest in deutsche Clubs, weil da plötzlich nur noch gerempelt wurde. Nach der Acid-House-Welle kam ja die Techno-Welle, die von extremen Ego-Trips gekennzeichnet war.
Von den jungen Ausgängern wie der Axolotl-Autorin und ihrem Vorbild, dem "Strobo"-Verfasser (nach denen inzwischen keine Henne mehr kräht, was war das vor Jahresfrist für eine Aufregung! Vgl. meine Beiträge von damals) habe ich dann nur noch gelesen, wenn auch nur oberflächlich, weil so ein Geschreibe meiner Ansicht nach der Gemeinschaft nichts bringt, und den Club Berghain in Berlin, wo angeblich nur bestimmte Leute reindürfen, habe ich noch nicht einmal von weitem gesehen. Dem Sophienclub in Mitte habe ich mich mal genähert und einen Schauspieler, den Stadlober oder Stadlhuber oder Stadtlober oder wie der heißt, davor getroffen, der kam auch nicht rein. Und solche seltsame Einlasspolitik, wo man von der Laune eines Schulabbrechers und Fitnessstudio-Bewohners abhängig ist, finde ich einfach ignorierenswert.
Nina frequentierte ja vor allem ausländische Clubs oder tanzte Tango auf Hinterhöfen.
Von ihr habe ich bei ihrem Umzug nach Australien eine Riesenkiste Nagellacke "geerbt", manche gehen heute noch. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der so viele Schuhe und so viele Nagellacke hatte. Die wäre sofort mitgefahren, schließlich hat sie 1000 Urlaube in Marbella verbracht, um was kennenzulernen, aber komischerweise hat sie angeblich nie einen Promi getroffen...
Davon ein andermal.
FILM FÜR LEBENSMÜDE
Vor vielen Jahren hat mir ein Bekannter mal von dem Film "Das große Fressen" erzählt und sich dabei schiefgelacht: "Kennst du das 'Große Fressen'? HAHAHAHA!"
Weil er sonst auch fast nur von lustigen Filmen sprach, er war ein großer Fan vom "Großen Blonden mit dem schwarzen Schuh", Louis de Funez gesammelten Werken und nervte dauernd mit Zitaten aus Inspektor Clouseau (ich war damals eher in einer ernsten Lebensstimmung), dachte ich, auch das "große Fressen" sei eine Komödie und kaufte es neulich im Sonderangebot, sozusagen als Reminiszenz an den inzwischen verstorbenen Bekannten.
Wir machten es uns also mit dem "großen Fressen" gemütlich, die Kinder wurden rausgeschickt, es war ja ab 16, und warteten gespannt auf das Lustige.
Erst kam ein Koch, der mit seiner Messersammlung übers Wochenende seiner strengen Gattin entfliehen wollte. Dann ein irgendwie schwul wirkender Michel Piccoli, der seiner Tochter seinen Wohnungsschlüssel übergab. Und dann noch ein Typ, der in seine inzwischen gealterte Amme verknallt war und sich von ihr belecken und herumkommandieren ließ.
All diese Typen, einen sexsüchtigen Marcello Mastroianni, der trotzdem irgendwie frauenfeindlich rüberkam ("Verdammte Scheiße, wenn die so fett ist, dass man nicht hineinkommt!"), nicht zu vergessen, wollten sich zu Tode fressen, eine dicke Grundschullehrerin machte mit.
Das Lustige ließ auf sich warten.
Weshalb sie das wollten, wurde bis zum Schluss nicht klar. Sie hatten alle gute Berufe und sogar Hobbies. Sie hatten Geld und Freundinnen.
Also, Fazit, ein Film, an dem bloß Lebensmüde Spaß haben. Falls jemand anderer Meinung ist, meldet euch bitte. Würde mich mal interessieren, wer so etwas witzig findet und weshalb es ein Kultfilm geworden ist. Der einzige Gewinn: Man hatte hinterher 3 Tage keine Lust mehr auf Essen. Schon allein der tödliche brustförmige Pudding, an dem dann das Muttersöhnchen starb, das sich doch eigentlich eben erst in die Dicke verliebt hatte, war zu eklig.
Der Rest des Films handelte nur von Pupen und K..., es stank schon aus dem Bildschirm.
Da fragt man sich, was mit diesem Regisseur los war und lobt sich seinen Kempowski, der kann vornehm über Pupse schreiben!
Mein damaliger Bekannter war übrigens auch lebensmüde, schon in jungen Jahren, obwohl er es grandios überspielen konnte. Deswegen wird er "Das große Fressen" wohl auch gemocht haben. Das Leben hat ihm seinen Wunsch dann mit 35 Jahren erfüllt, aber ob er das dann immer noch wollte, kann ich nicht sagen.