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WEIHNACHTSSPECIAL (Tragi-Satire)
Hallo, ihr Lieben und Nicht-Lieben,
habe heute - drei Tage vor Weihnachten wieder einmal den Fehler gemacht und in einer meiner zahlreichen abonnierten Zeitschriften gelesen. Seit Monaten oder Jahren habe ich mir schon vorgenommen, alle Presse abzubestellen, komme aber nie dazu. Die Lektüre von Werbeprospekten kostet schon soviel Zeit und wenn man sich dann noch in den einen oder anderen Zeitungsartikel vertieft, ist der kreative Ofen aus!
Ein triftiger Grund, keine Papierzeitungen mehr zu lesen, ist allerdings das Papier.
Obwohl ich immer zu den Papierzeitungsverfechterinnen gehörte, ist nun auch damit Schluss - zum Wohl des Regenwaldes befürworte ich sogar das Papierzeitungssterben.
Mit der Freude an Weihnachtssternen ist es ebenso vorbei - sie werden zu Millionen irgendwo unter hohem gesundheitlichen Risiko der Leute hergestellt, also darf man sich auch für die herrlichen tiefroten oder engelweißen oder wie auch immer eingefärbten Pflänzchen nicht mehr begeistern.
Über echte Christbäume schon gar nicht!
Was soll die Wegschmeißerei, eine Woche nach Neujahr? Seit Jahren haben wir einen aus Plastik, made in China wahrscheinlich oder hat man inzwischen schon etwas von umweltfreundlich produzierten Plastikbäumchen gehört? Hoffen wir, dass kein Melamin drin ist und wenn doch: dass das Baby nicht dran leckt...
Denn ganz aufs Bäumchen-Glöckchen-Kränzchen-Tingeltangel-Klingeling möchte man ja nun auch nicht verzichten.
Der Freundes- und erweiterte Bekanntenkreis sieht das FEST unterschiedlich:
- Die afrikanischen Freunde weinen, weil es hier so ruhig ist. Auf dem Subkontinent ist Christmas ein lautes Fest der Freude und alle rennen auf der Straße herum, allerdings erst am 25. Dezember.
Dafür gibt es keine Geschenkeverordnung und keine Adventskränze.
Für alle, die erstmals hier feiern, ist ein Kulturschock vorprogrammiert.
- Die türkischen Freunde stellen auf Wunsch der Kinder inzwischen Bäume auf, obwohl sie Weihnachten nicht feiern.
- Die jüdischen Freunde aus Übersee feiern auch nicht, vermissen aber die Weihnachtsbräuche in Deutschland und 'Österreich, wo sie als Kinder gelebt haben.
- Die deutschen Freunde essen Bio-Gans oder selbst aufgezogenes, selbst geschlachtetes Getier oder sind (noch immer) Veganer.
- Von den russischen bzw. russlanddeutschen Nachbarn wissen wir nichts.
Die wollen Strom sparen, haben auch keine Weihnachtsbeleuchtung an den Häusern.
- Wiglaf Droste schreibt wahrscheinlich an einer neuen Kolumne. Letztens hat er uns den Begriff "Nachhaltigkeit" vermiest.
- Tim Raue veröffentlichte im FAZ-Magazin, dass er seine Eltern seit 12 Jahren nicht kontaktiert habe und dies auch nicht zu Weihnachten vorhabe.
- Womit ich wieder bei der Zeitschriften-Lektüre bin. Las also den Artikel "Wenn das Kind stirbt" im Magazin "Das Magazin" und konnte danach keine Weihnachtsvorbereitungen mehr treffen, weil ich morgens schon in der FAZ von gestern gelesen hatte, dass ein Vater in den USA sein Adoptivkind bei Sommerhitze im Auto VERGESSEN hatte und das starb natürlich, so lange Arbeitstage wie die da drüben haben. Dies wurde zum Politikum zwischen Russland und Amerika, weil die Russen jetzt diesen Vater und dessen Rechtsanwalt (Vater wurde freigesprochen) nicht mehr einreisen lassen, aber nur, weil Obama auch eine lange Liste mit russischen Namen erstellt hat, die nicht mehr einreisen dürfen. Davon wird der kleine Dimitrij nicht wieder lebendig.
- Naja, ich hoffe, ihr seid nicht verwundert, dass hier soviel Kritisches steht, aber ich glaube, ihr wusstet es schon vorher, dass hier im Fall des Falles nicht nur
MERRY CHRISTMAS

steht (Das wünsche ich euch allen natürlich trotzdem!).
Anbei noch der Link zum Welthunger-Index 2012:
www.welthungerhilfe.org
Auf Utopia findet sich auch eine Diskussion zu dem Thema (über Jean Zieglers Buch "Wir lassen sie verhungern"), mit einigen guten Links und Anregungen. Den Link zu Utopia findet ihr wie gehabt rechts unter "Links".
OLLE FREUNDE
Sorry, liebe Leser,
wenn ich euch so selten mit Neuigkeiten kommen kann, doch
das ist auch a weng Programm
erst muss ja alles reifen
bevor es fruchtet dann (usw.)
Treffen mit alten Freunden enden ja meist in Katastrophen, erzählte mir eine langjährige Freundin, die irgendwann von der Diva zur Familienmutter wurde.
Eigentlich ist sie noch Diva, aber das nimmt ihr mit vier kleinen Kindern fast niemand mehr ab, außer mir zum Beispiel.
Und ich kenne sie fast dreißig Jahre.
Ihre Ex-Verehrer sind heute fast alle um die fünfzig.
Manche hat sie wiedergetroffen, aber immer nur einmal.
Entweder haben die angesichts der Kinderschar die Flucht ergriffen oder sie waren langweilig geworden - eventuell waren die früher schon langweilig und man hat sie sich schöngetrunken, meinte Bettina (Name von der Redaktion geändert).
Ähnliche Erfahrungen hat die Schriftstellerin Manuela Reichardt in ihrem interessanten, aber deprimierenden Buch "Zehn Minuten und ein ganzes Leben" geschildert, sowas von deprimierend!
Bevor man sich also mit Ex-Verehrern trifft und ein unschönes Erlebnis riskiert, sollte man, wenn man nicht gerade zu den Wahrheitsfanatikern gehört, die unbedingt die Vergangenheit nochmal umschreiben wollen, es mit einem Rendezvous mit alten Freunden aus der Literatur probieren.
Hier könnte die Begegnung angenehmer sein, da es nie eine in der Realität der Realität, sondern nur eine in der Realität des Romans gab, den die Herren (oder auch Damen, bitte verzeiht die ER-Form in diesem Artikel, denkt euch die weibliche Form einfach hinzu)geschrieben haben.
Ich jedenfalls bevorzuge solche Treffen und landete letzte Woche bei Georg Klein, der heuer eine Gastdozentur an unserer Uni innehat.
Witzig! (Die Studenten schrieben allerdings bloß mit, lachten bei den elegant eingestreuten Witzen nie oder nur vereinzelt, bei denen ist Literatur wahrscheinlich bloß Arbeit)
Er las nach Vorwarnung, man könne doch jetzt noch den Raum verlassen, er würde es auch nicht verraten, zehn Seiten aus seinem neuen Roman über Marsmenschen.
Georg Klein ist eine Mischung aus Germanist und Schriftsteller, was ihn für eine Dozentur geeignet macht.
Die Vorlesung war trotzdem viel lebendiger als so manche Germanisten-Vorstellung.
Ihn kenne ich schon lange aus Funk und Fernsehen, aus Zeitungen und Büchern, er zählt zu den bekanntesten deutschen Autoren der Gegenwart.
Die Art, alles in einer Phantasiewelt spielen zu lassen, die keinen Rückbezug auf die Wirklichkeit hat, ist zwar nicht so mein Ding, aber ein Trend oder eine Richtung.
Sybille Lewitscharoff, die Schwester des gleichnamigen Michael, mit dem ich 1990 in seiner Berliner Werbeagentur ein sehr nettes Interview führte, und dem sie früher als Buchhalterin geholfen hat, tut ein Gleiches.
Sie hat auch eine Dozentur, in Köln.
Nun habe ich doch noch eine weibliche Figur als Ausgleich gefunden, und Verehrern wie Verehrerinnen der Literatur eine gute Vorlage geliefert!
Diven, verabredet euch mit der Literatur, nicht mit ollen Ex-Verehrern!
Schaumige Adventszeit!
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