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Mittwoch, 20. Juli 2011

SPENDET FÜR DIE KINDER IN KENIA!
Von cityscout2, 15:18

Der Traum, dass alle Deutschen ihren Urlaub stornieren und das Geld nach Kenia schicken, wird sich nie bewahrheiten.
Aber ihr könnt etwas tun! Ich habe es gestern auch getan.
Spendet für die Welthungerhilfe und denkt nicht drüber nach, ob es ankommt. Aus diesem Grund spenden nämlich die meisten nichts.
Denkt bitte dran, eine Million Kinder werden sonst bald sterben.
Appelliert doch auch an eure Freunde und Kollegen: Eine kleine Spende von fünf oder zehn Euro tut doch niemandem weh!
Hier könnt ihr spenden: www.welthungerhilfe.de
www.welthungerhilfe.de

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Endlich Kempowski - Verkehrte Welt!!!
Von cityscout2, 15:12

Sieg! Ich habe einen Kempowski ergattert, aber nicht im Internet: Bei Thalia!!!
Das gibts doch nicht! Diese Buchhandlung, wo neulich bei der Lesung eines Bekannten Staub gesaugt wurde! BEI DER LESUNG!
Hätte als Performance durchgehen können, wenn der junge Autor sich nicht so marginalisiert gefühlt hätte.
Das dachte wohl auch das Publikum, dass das gewollt war, sonst hätte doch eine protestieren können.
Der Kempowski war also bei Thalia vorrätig.
Aber nicht "Echolot", was ich eigentlich wollte, sondern der erste Teil einer Trilogie über die Deutschen, "Der große Sieg" oder so ähnlich, ich gehe gucken...
...ach nee, "Aus großer Zeit", das war ein Freudscher Fehler, die große Zeit ist, glaube ich, das 19. Jahrhundert. Da fängt es an.
Kempowski, wenn er noch lebte, würde vielleicht auch bloggen.

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Dienstag, 19. Juli 2011

NEUE TIPPS
Von cityscout2, 18:45

Liebe Gemeinde,

hier kehre ich nach langen Reisen zurück mit zwei oder drei Tipps:
Erstens:
www.fraufreitag.wordpress.com

Alltag einer Lehrerin! Allerdings ist sie keine Deutschlehrerin, das merkt man an der Rechtschreibung. Oder oder isses so gewollt??? Aber wenn es eine Deutschlehrerin wäre, wäre DAS Blog (Es heißt nicht DER Blog, hat mir neulich ein K.S. beigebracht) auch weniger witzig, wahrscheinlich, allen Vorurteilen nach, denen Deutschlehrer so ausgesetzt sind...
Mensch, wenn ich weiter sone Quarksprache lese, färbt das sicher ab. Alle Lektüren färben sprachlich oder mental ab, das hat sicher auch Enzensberger in seinem Flop-Buch geschrieben, das ich nicht einmal ausgepackt habe im Buchladen, so lustlos war ich, nachdem Kempowski nicht mehr im Standardprogramm auffindbar war, nur bekloppte Krimis und solche Frauenbücher mit komischen Titelbildern. Ein Buch habe ich mir doch noch gegriffen, es hieß "Die Beschissenheit der Dinge"...Kein Witz!
XXX
Allerdings entsprechen manche Dinge nicht einer Lehrerin, wie man sie sich so vorstellt, etwa wenn sie schreibt, sie kacke Chemieklos kaputt (was die Leser prompt mit "bester Gag" quittierten.
Andererseits ist sie damit auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet, was andere Lehrer mit Weltklasse, z.B. Kempowski, niemals mehr schaffen würden, heute habe ich Walter vergeblich im Buchladen gesucht.
Naja, alles in allem ist es wahrscheinlich besser, kein Lehrer zu sein, da bekommt man nich so leicht Rücken...
Am besten ist es, Dichter zu sein, da kann man in den meisten Ländern tun und lassen, was man will und darüber sprechen.


Zweitens: PARIS: Es gibt einen Tunnel unter der Seine, der zum Canal St. Martin führt...
Tolle Gelegenheit zu einer Bootstour. Sie endet in Parc de la Villette, wo alles modernisiert und schön gemacht ist. Der Wasserweg führt durch die neue In-Gegend um den Gare de l'Est.
Eine Paris-Reise lohnt sich fast immer, wenn nur die saufenden Männer- und Frauen-Vereine nicht wären, die von Deutschland aus pöbelnd und benebelt die französische Metropole ansteuern. Wie peinlich, die Schnapsflaschen im eleganten Thalys auf die kleinen Tische zu bumsen und rumzugrölen, bis man fast rausgeschmissen wird!
Die Rückfahrt war ruhiger, 1. Klasse und morgens, da befanden sich nur Amerikaner und Mütter mit viersprachigen, schachspielenden Gören und ondulierte, hübschgemachte(!) Rentnerinnen. Beeindruckend.

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Samstag, 18. Juni 2011

In memoriam Heidi W.
Von cityscout2, 17:58

In memoriam Heidi W.

Wo mag der Tod mein Herz lassen?
In einem Brunnen, der fremd rauscht -
In einem Garten, der steinern steht  -
(...)
Mir bangt vor der Nacht
Daran kein Stern hängt.

Denn unzählige Sterne meines Herzens
Vergolden deinen Blutspiegel.

Liebe ist aus unserer Liebe vielfältig erblüht.

[E.L.S.]

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Dienstag, 26. April 2011

Gesehen bei Ehrensenf
Von cityscout2, 18:24

HUND IM PUB:

http://www.ehrensenf.de/2011/02/hund-im-pub

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Freitag, 15. April 2011

WER IST ALAIN DELON?
Von cityscout2, 08:32

Im Frühjahr vor ca. 20 Jahren traf ich zufällig den gealterten Alain Delon bei Regenwetter in einem Pariser Nobel-Café. Diese Anekdote erzähle ich ab und zu, doch viele Zuhörer verstehen nicht mehr ihren GLAMOUR-FAKTOR, weil sie Alain Delon gar nicht mehr kennen!

Genau wie meine US-amerikanische Begleitung aus dem New Yorker Umland mich damals verständnislos ansah, weshalb ich wegen ALAIN DELON so ein Theater machte...

Daher lade ich hier mal ein Foto des weltberühmt gewesenen, schönen aber herzlosen (?) Superstars des französischen Kinos und Partners von Romy Schneider (Wer war das denn nun wieder) hoch, um der immer schneller werdenden Wegwerfkultur der Menschen und Medien ein wenig Einhalt zu gebieten. 

http://youtu.be/pNvHQMmiPwM

Carpe Diem!

PS, 26.4.: Das Foto ist online nicht mehr sichtbar, warum auch immer...Googelt doch Alain selber.

Ich frage mich allerdings, wer meine kleine unscheinbare Website besucht hat bzw. wohl den Anbieter gewarnt hat, auf dem Foto ist vielleicht Copyright.

Naja, löschen wir es einfach wieder.

Wir sind Dinosaurier des Internets und werden möglicherweise auch bald darin aussterben bzw. uns selber löschen, wenn die Lebensbedingungen für uns nicht mehr adäquat sind...

Allerdings ist die ZEIT seit Aussterben der Saurier bis heute viel länger gewesen als die ZEIT seit der Entstehung des Internets bis zu unserem Verscheiden...

Also lassen wir uns einfach mit der immer schneller werdenden Entwicklung von der ZEIT irgendwohin katapultieren, ins Nirwana oder ins Café Angelina in Paris, das anno 1990 von einem Dämlack entweiht wurde, einem deutschen Möchtegern-Flaneur, der die dickliche Konsistenz der Trinkschokolade mit etwas sehr Abwegigem verglich, sodass wir als feine Gesellschaft den Tisch am liebsten gleich gewechselt hätten. Warum wir es nicht getan haben, zählt zu den Rätseln des Lebens...

PS 27.4.: Nun ja, Foto ist wieder da, warum auch immer. Vielleicht war es auch gar nicht weg?

Schön, dass wir so periphere Probleme hier zur Sprache bringen können.

Schön, keine Seidenraupe aus nichtbiologischer Züchtung zu sein...(Die Bioraupen dürfen schlüpfen, werden nicht abgekocht, damit der Faden schön bleibt!!! Gelesen bei einer BIO-Designerin aus Hamburg, bei der eine Wolljacke 400 Euro kostet. Name leider vergessen.)

Löschen wir es also nicht, sondern essen ein Cybersaurusfrühstück, vielleicht können wir hier doch noch eine Weile überleben... 

 


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Freitag, 01. April 2011

FELIX CITYSCOUT
Von cityscout2, 17:55

Herzlichen Gruß an die Österreicher! Ihr habt Platz 2 meiner Top Five Herkunftsländer der Besucher erklommen, mit sieben Besuchern, vor USA, Luxemburg und Liechtenstein, aber das sollen sowieso alles Suchroboter sein.
Die weltberühmte Tänzerin aus Japan, Kaori Ito, tanzte auch so einen Roboter, der menschliche Gefühle mit 18 Gesichtsmuskeln nachahmen konnte. Das Ding sollte in Japan 2015 auf den Markt kommen, aber das steht jetzt in den Sternen, wegen der Reaktorkatastrophe

www.kaoriito.com

Eine Bekannte, die zur Zeit auf Costa Rica weilt, hat das Erdbeben auch gespürt.
Wir spüren die Nachwirkungen und das Chaos dort, obwohl es weit weg ist, in unseren Träumen.

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Samstag, 26. März 2011

ZEITENWENDE
Von cityscout2, 18:29

Vieles hat sich ereignet seit meinen letzten Einträgen, die Welt hat sich einmal mehr auf den Kopf gestellt. Aber zu Ende ist das Leben auf der Erde noch lange nicht, obwohl seit 200 Jahren hart daran gearbeitet wird, unsere Lebensgrundlagen endgültig zu zerstören. So viel kaputt gemacht wie in dieser kurzen Zeitspanne wurde nicht die Millionen Jahre davor, und auch nicht, seit die Menschheit existiert.
Die Uhr, die abläuft, hat mich schon immer fasziniert, denn WIR, also die modernen Menschen, nehmen auf dem Zifferblatt der Menschheitsgeschichte höchstens die letzten paar Minuten ein. Wann wird also alles zu Ende sein?
Apokalyptische Visionen, sogar Daten, existieren schon lange. 1984 ging vorbei, Tschernobyl 1986 hat uns nicht ganz umgebracht, obwohl es VIELE das Leben und die Zukunft gekostet hat, die Jahrtausendwende brachte Selbstmorde von Sektenmitgliedern mit sich, aber nicht den Weltuntergang, die Warnungen der Hopis werden sowieso in den Wind geschlagen, so man sie überhaupt wahrnimmt. Ich erinnere mich noch gut an den Golfkrieg, als Hussein plötzlich der Antichrist war und alle Welt die Apokalypse zitierte.
Und jetzt Gaddafi - seltsame Parallele des Eingreifens aus Ölgründen, Syrien zeigt uns, dass die Menschen der Politik eigentlich wurscht sind.
Oder wer kümmert sich um die vollgekackten Flüchtlingslager in Lampedusa?
Niemand, man ist froh, wenn es weniger werden.
Und als ob das alles nicht schon gereicht hätte, inklusive Ground Zero und den Folgen und 1000er Dingsbumskriege, kommt wieder ein Tsunami und unterspült unsere schläfrige Selbstsicherheit und wirft Monsterwellenartig die Frage ans Ufer, weshalb man vor 40 Jahren diese Dinger DIREKT ANS WASSER bauen musste...
Andererseits ist die Atomkraft derart unkontrollierbar, dass man gar nicht weiß, wie man solche Bedrohungen überhaupt errichten konnte, es sei denn, man zieht die Erklärung heran, die Dürrenmatt in den Physikern geliefert hat, dass die Wissenschaft zusammen mit der Politik vollkommen wahnsinnig geworden ist.
Kann man angesichts all dessen noch Lyrik verfassen?
Vielfaches JA! Oder nein: Man sollte, man KANN vielleicht nicht.
Siebeck KANN plötzlich vegetarisch kochen. Hat er mein Blog gelesen oder die Zeichen der Zeit erkannt?
Seit zwei Wochen verfolge ich das nun schon. Er kocht auf dem Papier der ZEIT "für seine vegetarischen Freunde", man höre und staune...
Oder vielleicht geht das schon länger so, ich habe nur erst letztens meine Maulwurfsaugen wieder angebracht.
Maul-wurf kommt übrigens nicht von Schnauze, sondern von "Molt", was soviel wie Torf heißt.
Nach dieser Zeitenwende mache ich drei Kreuze, dass ich noch einmal von der Naturgewalt verschont worden bin und plane, eigenes Gemüse anzubauen, Kohlrabi, Möhren, Radieschen, Tomaten, Salat und vier andere Sorten, mehr braucht man laut "Kleine grüne Paradiese" nicht, das ist ein Büchlein aus den 1990er Jahren.
Daneben pflanzt man eine Nachtviole und denkt an den Prinzen von Homburg wie er dem Tod noch einmal entkommen ist und den Geruch dieser Blume wahrgenommen hat.
Politik habe ich noch nie betrieben, denn ich wollte keinen Fehler machen. Ich las die "Praxis des Intellektuellen" von Sartre und lernte, mich aus der Politik herauszuhalten.
Und nun sollen die 13jährigen ihr politisches Schlüsselerlebnis gehabt haben, sagt die ZEIT. Zu mir hat seitdem kein 13jähriger was über Fukushima gesagt, und ich habe inzwischen wahrscheinlich 120 13jährige getroffen.
Aber vielleicht muss man der "Generation Fukushima" erst sagen, dass sie es ist.
Die wirkliche Generation Fukushima hat nicht überlebt.

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Mittwoch, 26. Januar 2011

IDEALISMUS TODAY
Von cityscout2, 16:17

www.utopia.de

Liebe Leute, lebt nachhaltig

Denn, wie ein Interviewter auf der obigen Website sagte, man muss sich die Frage stellen, wer man gewesen sein will, wenn man seinen Nachkommen die Welt hinterlaesst, jemand, der nichts getan hat, oder jemand, der mitgeholfen hat, das Steuer herumzureissen...

 

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Dienstag, 04. Januar 2011

LEKTÜRE 2011?
Von cityscout2, 16:19

Flatterte heute so ein Webeprospekt bei uns rein, so ein zweidimensionaler Ramschtisch, da waren mehrere Bücher zum Preis von 3.50 Euro angeboten, in einem Mittelklasse-Warenhaus, dessen genauen Namen ich hier verschweigen möchte, der aber vor ein paar Jahren vom Hof zur Galerie erklärt wurde, so viel dazu...

Unter den Offerten befand sich ein Buch, das angeblich mal 29 Euro gekostet haben soll, mit dem Titel :" LADY DIED". Es handelte von Lady Di, die noch im Tode dem Verfasser zu einem dickeren Portmonnee verhelfen sollte. Dieses Wortspiel wirkt äußerst geschmacklos, es hätte lieber "Lady diet" heißen sollen, das wäre wenigstens noch etwas lustig gewesen, wobei man ja nicht weiß, ob der Verfasser für die dümmliche Titelidee verantwortlich ist.

Hätte es durchaus gekauft, aber sehe nicht ein, solchen Schreiberlingen auch noch Kohle in die Taschen zu filtern.

Auf dem Ramschtisch befanden sich außerdem: Eine Biographie von Schiller aus der Feder von Jörg Aufenanger, Biographien von Goethe, Napoleon, Nofretete und anderen beruehmten Personen, ausserdem "RHETT", die Fortsetzung von "Vom Winde verweht", wegen der es wohl Aerger mit der Verfasserin bzw. deren Erben gegeben hatte, eigentlich weiss ich gar nicht, ob die noch lebt...

...wieder eine Bildungsluecke geschlossen, was fuer eine tolle Frau, gestorben 1949 durch einen betrunkenen Taxifahrer :

http://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Mitchell#Nach_Mitchells_Tod

...meine Sympathie zu Ramschtischen hatte ich ja in einem früheren Eintrag schon angedeutet, nicht ohne Kommentare aus dem Bekanntenkreis zu ernten, was ich mich denn immer noch bei KIK-Diskont herumtreiben würde. Diese Bekannten haben an Sozialsatiren keinen Spaß.

Dann empfehle ich noch zwei Bücher, die ich lesen WÜRDE, wenn ich Zeit dazu HÄTTE: Vor einigen Monaten habe ich mal reingeguckt, aber weil sich inzwischen mein KfZ selbstständig gemacht hatte und vom Parkplatz gerollt war (Erst konnte ich kaum glauben, dass ich in  einem so kostbaren Moment der Langeweile und Anonymität nach nur fünf Minuten Lektüre auch noch vom Lautsprecher dazu aufgefordert werden würde, mein KfZ unverzüglich aufzusuchen! Ich dachte, das KfZ hätte nun auch die Eigenschaft angenommen, mich bei meiner Lektüre zu stören wie die meisten Zeitgenossen, Küchengeräte, Uhren, Geräusche, Termine, naja, was es noch alles gibt. Dann musste ich mich mit einem schaulustigen Dr. Sowieso auseinandersetzen, der den Lautsprecher über mein sich selbstständig gemacht habendes KfZ in Kenntnis gesetzt hatte und ich verfluchte ihn insgeheim dafür! Er wollte natürlich, dass ich mich bedankte, weil er mich gerufen hatte, denn sonst wäre mein KfZ womöglich auf und davon, und dann hinderte er mich, in selbiges einzusteigen, um es aus dem Weg zu fahren, damit ich weiter lesen gehen konnte, dafür hätte ich ihm am liebsten eine gepfeffert. Ich tat also recht verkniffen, weil ich nicht wusste, wie ich diesen Wichtigtuer aus dem Weg räumen sollte, ohne mich strafbar zu machen. Ich dachte an eine List: Gib Wichtigtuern das Gefühl, dass sie klug sind, und sagte: "Was haben Sie denn davon, dass wir nun hier stehen?" Er fing an mit ausschweifenden Erklärungen zum Rechtsstaat und der Bedeutung der Ordnungshüter für die Justiz, als ich ihn unterbrach und ihn befragte, warum er denn nicht selbst Polizist geworden sei. Mit dieser Frage brachte ich ihn zur Resignation, was ihm seinerseits mit mir schon vor Minuten gelungen war, und leider hatte ich die Ordnungshüter-Nummer schon gewählt und gefragt, ob ich die Karre nicht einfach zur Seite fahren könne, damit ich weiter lesen gehen könne, ich würde der Fahrerin des angekratzten Audi auch einen Zettel an die Scheibe machen, doch die erklärten mir nassforsch, es wäre nun einmal nicht so wie im Fernsehen, dass man einfach einen Zettel an die Scheibe machen könne. Dabei sehe ich nie fern, meine Überlegung entsprang dem Leseinstinkt, worauf solche fernsehgeschädigten (wahrscheinlich seit der Kindheit) Subjekte natürlich n ZENSUR! ARTIKEL WURDE VERSTÜMMELT! REST STEHT UNTEN IM KOMMENTAR:

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Montag, 03. Januar 2011

STÄNDIG ESSEN
Von cityscout2, 15:40

Liebe Karen Duve http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/nbernaehrung101.html ,

 lieber Jonathan Safran Foer (kenne übrigens auch eine kleine Amerikanerin mit dem Namenszusatz "Safran", was auch immer das soll - ein Kind als teuerstes Gewürz des Lebens vielleicht? Passt zum Thema, Safrangürkchen)

http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E01E351B83DE24A6788C49C95E5688246~ATpl~Ecommon~Scontent.html,

DANKE euch für das Schreiben eurer Ekel-Bücher über die Massentierverbrechenshaltung.

Das große Fressen ist ja schließlich zu einer der Hauptbeschäftigungen der Wohlstandsgesellschaft geworden, so dolle, dass es einige Menschen schon krank gemacht hat, weil sie Essen mit Liebe verwechselt haben bzw. fehlende menschliche Beziehungen mit Ess-Marathons auszugleichen versucht haben.

Dagegen hat sich jetzt unter manchen Promis herumgesprochen, dass man auch auf bewusste Ernährung achten kann und sogar mit selbstgekochter Marmelade punkten, z. B. dieses Model, äh, Kate Moss, eine der Dinosaurierinnen unter den Supermodels. Foodies heißen die glaub' ich.

Andere Promis zeigen weiter ihren ignoranten Charakter und fragen immer noch: "Wer will schon ständig Tofu essen, auch wenn es lecker aussieht?", z. B. Wolfgang Siebeck. Er hält Karen Duve zwar für "ernsthaft", futtert aber weiter gern Wildschweinbabys, weil "seine Vorfahren das schon immer gemacht haben" - prima, Herr Siebeck, weiter so, sonst könnten Sie ja auch keine Kochbücher mehr verkaufen, was? http://www.zeit.de/2011/01/Siebeck

Fazit: Man braucht eigentlich kein Fleisch zu essen, es schmeckt sogar komisch, wenn man es eine Weile nicht gegessen hat. Besonders Schweinefleisch, das ich nicht mehr konsumiere, seit ich erfahren habe, dass die kleinen männlichen Schweine OHNE BETÄUBUNG kastriert werden, damit das Fleisch weniger nach Eber stinkt! Siebeck meint, es sei nur zur Zeit "schick, mit einem Rollbraten Mitleid zu haben" und will damit witzig wirken. In der Konsequenz könnte man ja auch behaupten, wieso soll es denn Grundrechte geben, nur weil es zur Zeit "schick" ist, mit Kindern oder Armen oder Kranken Mitleid zu haben? Schickt die doch alle wieder in die Kohlenbergwerke! Damit das Feuerchen für den Wildschwein-Baby-Braten auch schön geschürt werden kann. Und dann wieder ab inne Höhle, Frauen knabbern Nüsse, Männer an die Keulen und wieder ordentlich Mammuts gekillt. Da war die Welt noch in Ordnung...

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Donnerstag, 23. Dezember 2010

MERRY CHRISTMAS
Von cityscout2, 11:03

Allen Laemmern und Rehen wuensche ich Frohe Weihnachten und ein glueckliches, furchtloses Neues Jahr 2011.

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Samstag, 04. Dezember 2010

Abenteuer im Naturkostladen
Von cityscout2, 12:52

Eines Tages, als der Aufschnitt aus dem Discounter nach Kopfschmerztablette schmeckte, zog eine aus, das Naturkosten zu lernen...

Eigentlich fand sie die Massentierhaltung und den grenzenlosen Fleischkonsum der westlichen Welt schon immer unsympathisch. Aber dass diese auch bedrohlich fuer die Umwelt und zerstoererisch fuer die Existenz vieler Kleinbauern und Menschen in fernen Laendern ist, ganz zu schweigen von der Umweltzerstoerung, das musste sie als Ottilie-Normalverbraucher erstmal kapieren. Und als sie es kapiert hatte, steckte sie noch viele Jahre den Kopf in den Sand, denn sie dachte...

Im NATURKOSTLADEN wird bloss das Portemonnaie schlanker.

Jetzt war Schluss damit! Der Besuch im Naturkostladen ist zwar auf einmal im Monat beschraenkt, damit das Portemonnaie nicht magersuechtig wird, aber Discounterfleisch war ab sofort vom Speiseplan verbannt. Durch den beschraenkten Genuss von Testosteron und anderen Hormonen, die man mit dem Massenfleisch verzehrt, ist sie auch viel friedfertiger geworden, ein 30 Jahre spaeter aufschiessender Ableger der Friedensbewegung sozusagen...

Schlank wurde leider wirklich nur das Portemonnaie, denn der Naturkostladen ist ein Schlaraffenland, ein Maerchenland fuer Oekos. Allein die Namen der Produkte sind reine Poesie: Zwergenwiese, Sonnentor, Rapunzel, um nur drei zu nennen, manche Sachen kaufte sie nur, weil der Name schmeckte.

Da gab es zum Beispiel Kaese mit Ringelblumen, Topinambur, Wunderland-Weihnachtstee, Bio-Schokokuesse, Humus aus der Morgenland-Produktion, Japanische Tofusteaks Harakiri, Quinoa, ehrliche Kuvertuere, ein grosses Sortiment an Cremes und Seifen mit Rosenoel, Nachtkerzenoel, Sanndornextrakt etc., etc.

Aggressiv wurde sie nur noch, wenn die Schlange am Kaesestand im Naturkostladen so lang war, weil jeder mit grossem Bedacht zig Kaesesorten kaufte und mit der Verkaeuferin noch stundenlang ueber deren Knoblauch- und Suessstoffallergie diskutierte. waehrend die zweite Verkaeuferin immer wieder zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort, dem Mueslistand eilte.

Doch dann schob sie sich, um nicht zu explodieren, ein Achtel getrocknete, glutenfreie Feige in den Mund, die zum Probieren auf einem goldenen Tellerchen herumstanden, und beruhigte sich wieder, bis sie dran war. Und dann fand sie es sogar nett, dass die Verkaeuferin auch mit ihr ueber ihre Knoblauchallergie redete.

In dem Naturkostladen waren alle Mitarbeiter immer entspannt und freundlich. Das mussten sie auch sein, denn sonst haette ihnen doch niemand Gurken fuer 2 Euro oder ein Broetchen fuer 1 Euro abgekauft. Aber wahrscheinlich waren die auch Vegetarier und deshalb friedlich.

Es gab sogar eine Besuchertoilette mit einer Duftlampe.

Das aufregendste Abenteuer hatte Ottilie-Normalverbraucherin aber bei der Besichtigung der Tofu-Wuerstchen zu bestehen. Wiener Wuerstchen vom Discounter waren ja schon teuer. Sie aber wollte ihren Kindern schuldlosen Genuss ihres Lieblingsessens ermoeglichen. 400 Gramm Wiener kosten im Discounter ca. 3 Euro, das sind acht Wuerstchen. Aus dem Naturkostladen-Kuehlfach grinsten 4 blasse Tofuwuerstchen herueber und sagten "Kauf uns". Sie schleppte ihren bereits vollen Silberkorb in die Richtung (komisch, hier gabs keine Riesen-Einkaufswagen wie in der Discounter-Welt), fiel aber hintenueber, als sie den Preis an den Tofuwuerstchen entdeckte.

Sie seufzte und ging zur Kasse, nicht ohne noch eine Tuete Dinkelcracker mitgehen zu lassen. Das zweite grosse Abenteuer erwartete sie beim Bezahlen des Inhalts des kleinen Koerbchens. Danach hatte ihr Portemonnaie die Fruehjahrsdiaet im November schon einmal hinter sich.

Mag sein, dass euch ihre Abenteuer bis hierhin etwas langweilig und konsumorientiert erschienen sind. Nur Geduld, die Granatapfelkekse wirken bald, und dann wird sie erzaehlen, wie sie im Naturkostladen GANZ IN RUHE einen gruenen Tee trinken wollte, waehrend die Kinder mit ihren teuren Soja-Eisen ueberall herumschmierten und riefen: "Wann koennen wir endlich Pommes und Cheeseburger essen?" Der Tag ist zum Glueck nicht fern, an dem sie sagen werden: "Mama, gib mal die Dinkelflocken rueber".

Rapunzel schmeckt naemlich wirklich besser. Hmmmm... 

Und der Tod von 80.000 Huehnern pro Tag in einem mittleren Fleischproduktionsbetrieb muss nun wirklich nicht sein.

Sie erinnerte sich an Israel, wo es 1988 zum Fruehstueck, Mittag und Abendbrot nur Ei, Weisskaese, Paprika, Joghurt, Obst, Brot und Falafel gab. Das war auch lecker. Eigentlich muessten dort alle sehr friedlich sein. ?

Dabei dachte sie dann auch noch an eine juedische Freundin, die beim Besuch der taiwanesischen Chinesischlehrerin in Paris, Madame Wang, alle kleinen Fleischstueckchen akkurat aus der Fruehlingsrolle popelte, weil sie nur koscher und fleischlos essen wollte...

Shalom !

 

 

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Montag, 15. November 2010

LYRIKFESTIVAL WIEN
Von cityscout2, 17:49

Als besondere Empfehlung erwaehne ich das Festival der Europaeischen Poesie am Donnerstag, 18.11.2010 in Wien.

http://www.wien.diplo.de/Vertretung/wien/de/Poesie__Seite.html  

http://www.literaturhaus.at/index.php?id=205&tx_ttnews[tt_news]=207&cHash=2fe6ebfe47

Vielleicht sehen wir uns da?

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Donnerstag, 30. September 2010

HERBSTZAUBER
Von cityscout2, 15:00

Neulich las ich in einer Gartenzeitschrift, dass der Herbst nicht mehr die Zeit der Melancholie und des Absterbens sei, wie so viele Dichter es besungen...

Sondern: Heutzutage werden die Pflanzencenter gestuermt, um bunte Blumen zu kaufen, die den Sommer im Garten zumindest farbig verlaengern und bis in den Dezember hinein bluehen. Auf dem Wochenmarkt gibt es sogar "ICE BABIES", das sind Hornveilchen, die Minusgraden trotzen.

So ist unsere kleine Welt froehlich geworden und zaubert den Herbst herbei, nicht wie frueher, als es den Menschen im Herbst schlecht ging, weil sie keine Kohle hatten und nur die Depressionen oder die Verse bluehten.

Ich selbst habe Kuerbisse angeschafft, die Kraeuter reingestellt und vielen Pflanzen, die schon kalte Fuesse bekommen, eine Wohnung in der Erde gegeben, damit auch die Pflanzen weiter froh sein koennen.

Einen Kohlkopf hat mir meine Nachbarin verkauft, einen Wirsing habe ich schon verkocht, er schwitzte in der Spaetsommersonne...

Im Buch von Peter Wawerzinek, das ich nun dank eines lieben Geschenks mein Eigen nenne, ist es meistens Winter. Das Buch beeindruckt nachhaltig, nur die zwischengeschobenen Zeitungsmeldungen von verhungerten und ermordeten Kindern verstoeren aufs Neue, an die meisten kann man sich ja noch erinnern. W. hat sie wahrscheinlich nach Datum einfach in seine Aufzeichnungen eingefuegt, sie haengen nicht mit der Romanhandlung zusammen.

Er ist jetzt fuer den Deutschen Buchpreis nominiert, wir druecken die Daumen. Wir moegen dieses Buch sehr.

 

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Sonntag, 29. August 2010

PETER HAT DEN PREIS!
Von cityscout2, 12:13

Gemeint ist Peter Wawerzinek, der - ich erfuhr es wegen meiner voruebergehenden Ausgeklinktheit aus Presse, Funk und Fernsehen oder weil die Nachricht vom Preistraeger nach den langweiligen Wettbewerben in Klagenfurt dieses Jahr an mir vorueberging, mich sozusagen ueberging, erst 2 Monate spaeter - den Ex-Bachmannpreis und heutigen Preis der Tage der deutschsprachigen Literatur gewonnen hat! Ich goenne es ihm vollauf, und nicht, weil er ein Heimkind ist, ich habe ihn schon auf einer frueheren Seite lobend erwaehnt, obwohl ich seine Texte immer als langweiliger als seine Person empfand.

Dies neue Buch, das dann gleich 20000-fach statt 5000-fach vervielfaeltigt wurde, ist es nicht. Im Gegenteil: Es ist anruehrend, erzaehlt die Geschichte vom "wichtigsten Tag seines Lebens", der Begegnung mit der Mutter, die in sehr harten, illusionslosen Worten beschrieben wird (sie hatte ihn als Dreijaehrigen verlassen und er kam in der DDR in ein Kinderheim).

Das Buch "Rabenliebe" empfehle ich ausdruecklich allen geneigten Lesern und freue mich fuer Peter W., auch weil angeblich niemand mehr an seinen Erfolg geglaubt hatte. So kann es gehen.

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Donnerstag, 22. Juli 2010

Julia Hartwig
Von cityscout2, 04:42

Ihre Gedichte beruehren.  Sie ist polnisch, geboren 1921.

http://www.spritz.de/index.php?module=Pagesetter&func=viewpub&tid=3&pid=66

 

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Montag, 28. Juni 2010

Freundinnen, Taeuschungen, Hilfebitten
Von cityscout2, 00:50

Vor mir auf dem Tisch steht ein Strauss Gartenrosen, den mir meine armenische Nachbarin geschenkt hat, als ich sagte, ihre Kletterrose sei schoen. Einfach so. Und wie ich so auf diese Rosen schaue, die in etwa die Farbe des Vollmonds haben, nur dass sie nicht leuchten, muss ich an zwei andere Frauen denken, obwohl die dunkelhaarig sind:

Eine afghanische Nachbarin in der alten Behausung und meine "Zigeunerfreundin" in der ersten Klasse, Emily Atef.

Wie ich fast einmal eine afghanische Freundin gehabt haette, erzaehle ich beim naechsten Mal, weil ich heute Nacht noch Herta Muellers "Herztier" lesen werde, was auch eine Weile in Anspruch nehmen wird.

Aber auf Emily Atef moechte ich meine werte Leserschaft gern aufmerksam machen.

Wahrscheinlich ist sie gar keine Zigeunerin, und ich habe mich mein Leben lang getaeuscht, nur weil meine Oma gesagt hat: "Die Zigeunersche". Ich haette auch gar nichts dagegen gehabt, und es kann immer noch die Wahrheit sein, aber wenn, dann sagt sie es nicht auf ihrer Website. Sie sagt dort, sie sei ein franzoesisch-iranisches Kind, und sie zog auch nicht nach C., sondern nach L.A. Das klingt vielleicht besser und ist eigentlich auch egal, wichtig ist, dass ich bis heute an sie denke und dass sie eine erfolgreiche Regisseurin geworden ist, die Filme ueber Heimatlosigkeit dreht.

  http://www.filmportal.de/df/e9/Uebersicht,,,,,,,,28444A16346647FC9DB0B3EB75B8CD0B,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html

Naja, ich wuerde gern mal mit ihr sprechen, wir haben uns 34 Jahre nicht gesehen. Wer hat ihre Nummer?

PS Hilfe! Neulich auf WDR 5 ein Gedicht gehoert, aber den Namen der Verfasserin (ich glaube, es war aus weiblicher Feder) vorher nicht aufmerksam gehoert. Die letzte Zeile lautete: "Afrika wurde nie entdeckt". Wer kennt das Gedicht und kann mir weiterhelfen?

 

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Sonntag, 16. Mai 2010

PHÓ
Von cityscout2, 18:22

Heute will ich mal nicht schwafeln, sondern ordentlich mit euch tafeln...

Kennt ihr den PHÓ (Ausgesprochen FUH)?

Wenn ihr mal in Vietnam seid oder an einem guten vietnamesischen Lokal vorbeikommt, unbedingt probieren, es ist eine koestliche Reisnudelsuppe mit Kraeutern und Sojasprossen, Fleisch nach Belieben. Sowas von gesund und gut verdaulich, Yin und Yang-Kueche. In Vietnam ist es so etwas wie ein Nationalgericht.

Ihr koennt den PHÓ auch googeln, da kommen so ein paar Beschreibungen von Amerikanern. Meine persoenliche PHO-Geschichte wird an anderer Stelle veroeffentlicht.

Bon appétit!

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Mittwoch, 12. Mai 2010

ZEITKLAMMER
Von cityscout2, 15:42

Kommt jetzt:

In einer Zeit, die heute damals fuer mich ist, gab es in einer Wilmersdorfer Seitenstrasse in der Naehe des U-Bahnhofs Spichernstrasse ein Geschaeft, dessen Name nur noch in alten Notizen auffindbar sein kann, ich selbst habe ihn vergessen und das Geschaeft existiert laengst nicht mehr. Aber wahrscheinlich ist es gut, dass ich einen anderen Namen dafuer angeben werde, denn heute bin ich auf etwas aufmerksam geworden, das mir vorher nicht bewusst war:

Ich koennte abgemahnt werden! Es war reiner Zufall, dass ich, auf der Suche nach einer Information zu Emine Sevgi Oezdamar, denn sie ist eigentlich das Thema dieser Zeitklammer, auf eine kritische Rezension ihres Buches von 1991, "Das Leben ist eine Karawanserei, auf der einen Seite ging ich rein, auf der anderen Seite ging ich wieder raus" (Das ist der volle Titel!), stiess. Die fand ich ganz lustig

(Auf der Site zaehlt sie aber zu den "Schlaffis", was beim Schreiben zu "Schaffis" geworden ist, vielleicht funktionierte bei dem Autor das L nicht, so wie bei mir das H)

...und wollte mich erst verlinken, als ich sah, dass dieser Autor oft Post von Rechtsanwaelten bekommt, die Geld von ihm fordern, weil er etwas zu Unrecht zitiert hat, z.B. Karl Valentin. Da hat er in manchen Faellen 300 oder mehr Euro zahlen muessen. Manche Juristen bereichern sich also, indem sie Websites extra durchsuchen, um armen Bloggern, die ja meistens Arbeitslose oder Rentner sind, geld abzuluchsen! Klar, man darf nicht alles und jedes als sein geistiges Eigentum ausgeben, siehe H. Hegemann, das ist dann ein Plagiat.

Naja, wie dem auch sei, ich hatte keine Lust, mich mit dieser bespitzelten Site zu verlinken, denn es koennte ja sein, dass diese Spitzel auch genug Zeit haben, alle seine Links zu durchforsten, und hoffe auch, dass ich noch nix auf meiner Site geschrieben habe, woran sich andere finanziell bereichern koennten, dann waeren die naemlich besser dran als ich!

Hier ist noch alles meins und umsonst! Alles andere ist intertextuell. Elfriede Jelinek wird sich ueber den Link doch nicht beschweren.

Und nun zum eigentlichen Thema:

Vor 20 Jahren hoerte ich im Fernsehen eine Frau mittleren Alters aus einem Buch mit seltsamem Titel vorlesen und verstand kein Wort. Das war Emine Sevgi Oezdamar, die beim damals noch so genannten Bachmann-Wettbewerb auftrat und ihn gewann. Sie war damals 46. Ich beneidete sie nur ein wenig, waere ich doch gern an ihrer Stelle gewesen. Heute bin ich froh, dass ich es nicht war, denn dann waere ich ja inzwischen 66!

Und nun kommt die ZEITKLAMMER: Ich verstehe ihre Buecher inzwischen viel besser, besonders die "Bruecke am goldenen Horn" gefiel mir gut, doch vor drei, vier Wochen sah ich Emine wieder im Fernsehen:

Als OMA, in der Rolle der Mutter eines tuerkischen Lehrers, die eine Aenderungsschneiderei hat. Sie sah aus wie mindestens 70.

Ihr Auftritt beim Bachmann-Wettbewerb (darf man den Namen denn noch nennen???) - es kommt mir vor, als waere es gestern gewesen. Heute wuerde ich mich bei dem Ding gar nicht mehr bewerben!!! Da bin ich mit Clemens Mayer ganz d'accord!  

Ich moechte nur daran erinnern, seine Zeit zu nutzen, es kommt kein Tag zurueck und am Ende ist alles vergangen wie ein Hauch...

Und jetzt werde ich ein bisschen ueber mein Lieblingsthema, die Vergaenglichkeit, jammern. Ich habe eine junge Autorin getroffen, die furchtbar deprimiert ist, und ich wuerde ihr so gern helfen, denn sie ist begabt und toll! Aber ihr lustiges Lachen ist seit ein paar Monaten erloschen.

Ich hoffe, es geht ihr bald besser, denn noch ist sie 18, aber die Zeit, in der wir nichts schaffen koennen, weil wir traurig sind, ist eine so verlorene. Manche sind auch ganz verstummt, z. B. die Frau von Heiner Mueller, dabei sind die Deprimierten immer nur besonders sensible Zeitgenossen.

Da wuesste ich auch gern, wo ich gerade bei Depris bin, was aus E.R. geworden ist, der mich - wir hatten uns eben erst kennengelernt, es war ein huebscher Junge - sofort informierte, dass er eine endogene Depression haette und deshalb nicht so oft telefonieren koenne. Oder war es eine exogene? Egal, auf jeden Fall war ich 20 und mit dem Thema hoffnungslos ueberfordert, hatte ich doch selbst mit negativen Jugendanwandlungen ("NO STARS", Gruss an St.) zu kaempfen, die ich aber nie mit irgendwelchen medizinischen Fachtermini unterlegte. Ich ging wohl noch ein paar Mal mit E.R. aus, aber wegen seiner Depression konnte er dann nach dem Kino auch nicht kuessen und ueberaupt benahm er sich nur in Beziehung zu eben dieser Depression, weswegen ich dachte, er habe die Depression als Geliebte. Wann ich das letzte Mal mit ihm sprach, habe ich vollends vergessen, es muss auch 20 Jahre her sein, wahrscheinlich wollte ich mit ihm zusammen den Bachmann-Wettbewerb im Fernsehen gucken, und da ist er endgueltig verzweifelt.

Ich werde ihn mal googeln und hoffe, dass er noch lebt, nicht wie P., der immer gern leben wollte und mit 35 gestorben ist! Hoffentlich werde ich es noch schaffen, ueber all diese Menschen in richtigen Buechern zu schreiben, und hoffentlich geht es mir dann nicht wie Maxim Biller, dessen Buch verboten wurde, weil sich zwei Frauen davon beleidigt fuehlten...

Trostspendende Kommentare wuerden mich aufheitern.

PS: Tanja Dueckers probiert jetzt alle Schokogeschaefte in Berlin durch, Schokofans bitte mal googeln!

PPS: Am Schluss kommt jetzt der Zusammenhang: In jenem oben genannten Geschaeft in der Wilmersdorfer Seitenstrasse gab es ein Moebelstueck, das fast die ganze Wand bedeckte und aus 1000 kleinen Schubladen bestand, in denen sich Kleinigkeiten zum Geschenke einpacken befanden. Es war herrlich! Ich kaufte dort einen nostalgischen blaugelben, gruenlich schimmernden Vogel mit weissen Schwanzfedern wie Engelshaar, fuer den Christbaum. Den haben erst 2 Kinder vor drei Jahren kaputt gemacht, bis dahin hat er gehalten. So ein Maerchengeschaeft mit 1000 Schueben gibts wohl heut nur noch virtuell, bei E-Bay...

Das Leben ist auch so ein Riesenschrank, aber mit 100000 oder mehr Schublaedchen, es ist wie bei Alice im Wunderland, und alle diese Schublaedchen koennt ihr aufziehen und staunen, was darin ist, seien es eure Tage, seien es eure Erinnerungen, seien es die Gespraeche, die ihr in eurem Leben gefuehrt habt (nur bei Depression verwandelt sich der Schrank in eine schwarze Flaeche). Alle sind verklammert durch die ZEIT, womit ich die ZEITKLAMMER schliesse.

Und nun lasse ich euch mal in Ruhe stoebern.

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Freitag, 07. Mai 2010

Willemsens Wut
Von cityscout2, 14:01

Im Magazin der ZEIT Nr. 18 schreibt Roger Willemsen (einst Jungspund des Literaturfernsehens, jetzt auch schon 54 Jahre alt) über das unerträgliche Gelaber und die - Verzeihung - Lahmarschig- und Espritlosigkeit des öffentlichen Diskurses in unserem schönen, ruhigen (bis auf die in Berlin vom Regisseur Dominik Graf gesichtete mafiöse Unterwelt) Deutschland: Ein sehr witziger Artikel, dessen literarische und zeitgeschichtliche Anspielungen wahrscheinlich nur noch von einer immer kleiner werdenden Schicht der kulturell Interessierten verstanden worden sind. Zum Glück bin ich mit ihm einer Meinung, dass man nicht unbedingt das Buch von Stuckrad-Barre gelesen haben muss, um geistig weiter existieren zu können, was ich allerdings NICHT wusste, war, dass es aus Artikel für die Springer-Presse besteht. Neben der Springer-Journalistenschule gibt es ja noch die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, und dort wirkte der "Sprachpapst" (Papst ist hier positiv gemeint, auch wenn es sich zur Zeit zu einem Negativwort entwickelt) Wolf Schneider, und der hat ein neues (29.?) Buch herausgebracht:

"Deutsch für junge Profis",

das mir interessant erscheint, allein deswegen, weil sich ein 85-jähriger mit den Sprachentgleisungen und -möglichkeiten der jungen Leute von heute befasst, was ja viele Lehrer und Hochschullehrer schon aufgegeben zu haben scheinen. Er selbst benutzt keinen PC, kommentiert aber Twitter. Da bin ich mal gespannt. Bei dem hat vielleicht auch Willemsen gelernt. Schade, dass er diese Literatursendung - wie hieß die noch? - nicht mehr macht.

Und sonst? Heute einen HANDgeschriebenen Brief bekommen, o Wunder! Wie selten das geworden ist. Alles findet ja elektronisch statt, auch der Roman "Neid", soll im Netz zu haben sein, den soll man sich "runterholen", meint Elfriede Jelinek.

Muss ich gleich mal nachsehen, ob das noch möglich ist...

http://www.elfriedejelinek.com/

Ja, ist es. Und zudem habe ich in ca. 9 Minuten wieder millionenfach dazugelernt, liebe Elfriede, wenn ich Zeit hätte, würde ich den ganzen Kram lesen, so las ich nur "Prater" zu Ende und fand alles sehr schön, auch dass du so einen langen Atem hast.

Premiere: Einen Besucher auf meiner Website getroffen! Rendezvous du coeur éléctronique! Gruß an C.P.

Entzauberung: Wahrscheinlich war ich es selbst.

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Mittwoch, 28. April 2010

Mira la Mira
Von cityscout2, 15:36

Die Berliner Schauspielerin Brigitte Mira haette ihren 100. Geburtstag gefeiert, zu diesem Anlass hoerte ich letzte Woche einen Radiobeitrag, der u.A. an ihren grossartigen Fassbinder-Film "Angst essen Seele auf" erinnerte.

Auch ihr Leben war bewegt und zum Teil tragikomisch: Mit Maennern hatte sie nicht viel Glueck, ist oft belogen worden. Aber: "Sex (ausgesprochen "Sechs") ist nicht alles", sagte sie so niedlich im Interview, Freundschaft ist wichtig. "Ich war ne flotte Biene", gab die juedische Darstellerin, die in der NS-Zeit unter falschem Namen weiterspielte, zum Besten.

Meine Tante begegnete der "Dame vom Grill" (nach einer in den 80ern bekannten Berliner Serie) oefter in unserem Bezirk auf der Strasse, mit deren Yorkshire-Terrier, und fand, dass es eine ganz eigebildete alte Kuh waere, die koenne nicht mal gruessen!!! Friedrich Schoenfelder, den beruehmten Mann der Inhaberin eines Knopfgeschaeftes in der Uhlandstrasse und ebenfalls Schauspieler, fand sie dagegen nett, Wolfgang Voelz ebenso. Existiert Stutenbissigkeit also doch???

Wem ich in Berlin schon oft begegnete: Juergen Vogel, und der ist nun gar nicht eingebildet, sondern ein "Mann des Volkes", supersympathisch. Ich habe sogar mal Bruce Willis waehrend der Filmfestspiele im Treppeneck stehen sehen, und er hat gelaechelt :)

Heute sah ich eine Darbietung der Berliner Truppe "Theater Strahl" in der Provinz, und Heimatgefuehle erwachten. Allerdings standen die Schauspieler am Anfang neben dem Behindertenklo und ich hielt sie erst fuer Putzleute oder Garderobenleute. "Wo ist die Toilette", fragte ich, "hier?" "Naja, da gehts direkt auf die Buehne", kam die Antwort prompt. Als ich auf die Behindertentoilette wollte, sagte ein Darsteller: "Luft anhalten."

Auch auf der Buehne wurde dann noch heftig gepullert, wie sich das in einem modischen Geraeuschtheater eben gehoert.

Das erinnert mich an meine erste eigene Berliner Wohnung neben dem BAT Studiotheater in PB (Prenzlauer Berg), dort hatte ich ein Schrankklo im Flur (welch Luxus, die meisten Bekannten hatten ein Aussenklo), und wenn ich mich dort befand, hoerte ich die Schauspieler durch die Rohre deklamieren - wie romantisch!

Die Badewanne stand uebrigens in der  - schwarz angemalten - Kueche. Und es gab sogar eine kaputte Waschmaschine, Toplader, die nur mit kaltem Wasser wusch. An all das habe ich mich heute erinnert. Und nun auf in die Bibliothek, die Aufzeichnungen jener Jahre aufstoebern und ein Stueck Erinnerung wiederbeleben, mit all den Darstellern, die damals ueber die Lebensbuehne huschten, als Brigitte Mira noch am Leben war und Fassbinder auch noch nicht so lange tot...

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Samstag, 17. April 2010

Perlen aus dem Ramsch
Von cityscout2, 12:30

Neu entdeckt dank Entscheidungserleichterung via Ramschtisch:

Hans Magnus Enzensberger, "Einzelheiten I und II" (Essays aus den 60er Jahren)

Malika Mokeddem ("die Tochter der Nomaden"): "Zersplitterte Traeume", ueber die Situation einer jungen Frau in Algerien nach der Unabhaengigkeit und waehrend der Machtergreifung der Fundamentalisten.

Ein wunderbares Buch, trostlos, aber sehr praezise und zum Teil sehr poetisch geschrieben, von einer wunderbaren, starken Frau, die zum Glueck noch am Leben ist und im Exil in Montpellier als Aerztin fuer Immigranten arbeitet.

Ich hatte schon vor Jahren von ihr gehoert, als es auf ARTE einen Film, "Tochter der Nomaden", ueber sie gab, dessen Titel ich auf einem Zettel notierte und mir vornahm, diesen Film irgendwann beim Institut Francais in Berlin auszuleihen, und so merkte ich mir ihren Namen in der Fuelle der Namen, die mir taeglich begegnen, Tag fuer Tag, Woche fuer Woche, Monat fuer Monat, Jahr fuer Jahr..., wer soll sich alles merken? Und so finde ich es immer wieder interessant, was das Gedaechtnis sich so aussucht und warum. Und vor allem: wie unerschoepflich die Erinnerung ist.

Vor kurzem war ich auf einer Tagung ueber afrikanische Literatur und begegnete dort auch einer aelteren Algerierin, die von ihrem Land erzaehlte, ein Land, das einst als sehr gastfreundlich galt, aber noch der Islamisierung seine Tueren fuer Freiheit und Frieden auf unbestimmte Zeit verschloss.

Malika Mokkeddem erzaehlt von dieser Misere in ihrem Buch und bekennt sich trotz der vielen Probleme und Ungerechtigkeiten zwischen Frankreich und Algerien zu den Werten der franzoesischen Kultur.

In Frankreich begegnete ich vielen Menschen aus Algerien und erlebte sie als sehr offen und bereit zu teilen, ein Junge teilte z.B. 1990 im Zug von Paris nach Berlin sein Sandwich mit mir, das ihm seine Schwester zubereitet hatte, obwohl wir uns nur gegenuebersassen. Etwas misstrauisch, wie man als Deutsche so ist, lehnte ich erstmal ab. Gastfreundschaft und Freude am Teilen muss man ja hierzulande erst lernen.

Im Gespraech erfuhr ich, dass der Junge Algerier war, aber leider vertieften wir die Diskussion aus irgendwelchen Gruenden nicht, vielleicht war ich als Maedchen auch nicht sehr politisch sozialisiert, dies kam erst spaeter,

sonst haette ich auch meine algerische Brieffreundin nicht aufgegeben, deren Namen ich vergessen habe (ich werde heute nachdenken, wie sie hiess...), sie war Kabylin und schwaermte fuer Modern Talking (ich hoffe, ich nahm nicht aus diesem oberflaechlichen Grund von ihr Abstand!!!), die ueberall in der Welt so beliebt waren, nur bei uns von den Coolen belaechelt wurden (So aehnlich wie Eros Ramazotti in Italien).

Mit der Brieffreundin, die in einer wunderschoenen Schrift sehr ernsthafte, ehrgeizige Briefe ueber sehr tiefsinnige Themen schrieb, nahm es ein trauriges Ende, ihr Bruder erkrankte naemlich in jungen Jahren an Krebs. Leider habe ich nie wieder etwas von ihr gehoert.

Wie hatte ich sie denn kennengelernt? Ueber eine Freundin, die heute Aerztin im Ausland ist. Die werde ich fragen, was aus dem netten, algerischen Maedchen geworden ist.

Hoffentlich ist sie am Leben und es geht ihr gut.

Anmerkung: In Frankreich lernte ich eigenartigerweise weniger Franzosen und Franzoesinnen als Auslaender aller Herren und Damen Laender kennen. Man sagte mir, die franzoesische Gesellschaft lasse eben so leicht niemanden in sich hinein. Es ist erfreulich, dass die anderen Nationalitaeten nicht so verschlossen sind.

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Mittwoch, 14. April 2010

Kunstkopf
Von cityscout2, 16:02

Woerter tauchen auf aus dem Sprachgeflecht der Erinnerung.

Neue Woerter und Namen werden taeglich dazugefuegt.

http://www.sybilleschmitz.de.vu/

 

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Montag, 05. April 2010

Etwas schaffen
Von cityscout2, 20:01

Harry Rowohlt kommt zur Lesung und damit kommen Erinnerungen an einen, der ihn auch schätzte und auch halber Penner war, aber wie soviele besondere Menschen nie das Licht der Öffentlichkeit erstürmte: Malte.

Malte und ich hatten eine ähnliche Auffassung, was gute Literatur beinhalten sollte. Und dabei war es egal, ob der Verfasser Penner war oder Nobelpreisträger, denn wir beide hatten die Schatten- und Sonnenseiten der Welt ganz gut im Blick, um niemals übersteigerten Vorurteilen anheimzufallen.

Wir waren "arme" Studenten, arm im Vergleich zu Landsleuten wie damals Lars Windhorst oder auch nur im Vergleich zu einfachen Bankangestellten, aber reich an Ideen! (Und natürlich wirtschaftlich reich, gemessen am Lebensstandard des Großteils der Weltbevölkerung)

Und Harry Rowohlt fanden wir gut, um nicht zu sagen "cool", damals im Prenzlauer Berg, obwohl er schon alt war, genauso wie Penner Joschi, einst Fleischer, dann irgendwann gescheitert, geschieden und gefeuert, auf der Straße gelandet und in den 1990er Jahren für ein Happening von Kunststudenten als Schafhenker engagiert, genauso wie Peter Wawerzinek, dessen Texte mir zwar etwas zu eigenartig, um nicht zu sagen: umständlich geschrieben,  schienen (genau gelesen habe ich sie wohl nie), aber der bei Lesungen in besetzten Häusern wunderbar besoffen und authentisch war.

Eines Sommers im Hinterhof der jetzt wahrscheinlich völlig kaputtrenovierten und mit Touristenunterkünften vollgestopften Kastanienallee (Wo wir auch noch Christoph Schlingensief im gesunden Zustand im Café begegneten, übrigens ein sehr freundlich wirkender Mensch, dessen Aktionen ich immer ganz witzig und mutig fand) kämpfte er bei sinkender Dunkelheit mit der Lampe auf seinem Lesetisch und wir lachten in unsere Bierflaschen.

Naja, vielleicht werde ich mal zu Harry Rowohlt gehen und die 14 Euro Eintritt berappen (schließlich bin ich kein Pressefuzzi mehr wie Benjamin von Stuckrad-Barre :), obwohl ich es ganz schön popstarmäßig teuer finde. Brauchen die Geld (Kollege liest auch vor)? Und dabei ein bisschen an Malte und die alten Zeiten denken, schließlich gibt es ihn noch, er hat mir vor ein paar Monaten gemailt, ein wenig distanziert zwar, obwohl man sich seinerzeit "ewige Freundschaft" geschworen hatte, aber was verändert der Alkohol nicht alles im Menschen.

Unsere letzte Begegnung war etwas seltsam: Ich mit dem Neugeborenen auf dem Arm, er zu Besuch wie die 12. böse Fee bei Dornröschen, wobei er dem Baby zwar nicht den Tod wünschte, sondern über ein noch schlimmeres Schicksal des jungen Lebens orakelte. Was genau, das möchte ich hier nicht wiederholen, denn von anderen Kulturen habe ich gelernt, dass man auch etwas herbeireden kann!

Warum wohl? Sein Humor war eben etwas abgeschwärzt während all der Säuferjahre und ein Baby ist ja nun das Gegensymbol per se gegen jeglichen Verfall...

Ich habe ja irgendwann keinen Alkohol und keine Zigaretten mehr vertragen und mit ihnen meine zuweilen leichtsinnige Jugend verabschiedet. Allerdings war ich auch niemals ein halber Penner. Manche waren ja sogar für eine bestimmte Zeit mit Absicht auf der Straße, z.B. Helmut Krausser. Das sind so die Freiheiten der westeuropäischen Welt, in afrikanischen Ländern würde sich niemand freiwillig aussuchen, Penner zu sein. Wenn man es wird, wird man vom Schicksal dazu gezwungen oder ist von Soldaten ausgeraubt worden.

Hierzulande sind es meist Jugendliche, die keine gute Elternbeziehung haben oder Erwachsene, die ihre wahren Träume nie verwirklichen konnten und die Wirklichkeit im Alkohol vermuteten. Wahre Träume - welches Paradox!

Harry Rowohlt bleibt trotzdem eine Art cooles Idol von uns, weil er nicht verlogen ist, sondern seine Träume anscheinend gelebt hat.

Gruß an Malte, nun hast du endlich einmal das Licht der Öffentlichkeit, wenn auch einer kleinen, erobert! Du würdest es wahrscheinlich nicht einmal wollen, aber es ist Schicksal, mit einer Autorin bekannt zu sein, da wird man leicht ausgebeutet auf der Jagd nach Material.  

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Freitag, 02. April 2010

Ist da Wer?
Von cityscout2, 19:33

So ein wenig fehlt mir allmählich doch der Dialog mit Euch, liebe Leser. Deshalb bin ich auch nicht Schriftstellerin geworden, keine Lust, dauernd mit mir selber zu reden! Schriftsteller wären dann ein bisschen wie alte Deutsche, sie haben keine Gegenüber mehr, Partner gestorben, mit den Kindern zerstritten, Freunde lange vergrault, also reden sie mit sich selber...

Nee, nee, auf die Dauer macht das keinen Spaß. Manche reden auch im Gespräch nur mit sich selber, sie brauchen nur Zuhörer.

Das wirklich Tolle ist aber, mit einer anderen Existenz in Realtime zu kommunizieren, so richtig, live und in Farbe ohne Wegklicken. Das konnte der Osten noch gut. Der Westen hatte ja nie Zeit, immer hinterm Geld her...

Verehrte Schriftsteller, die wirklich was zu sagen haben und nicht nur berühmt sein wollen, nehmt es mir nicht krumm.

Oder vielleicht wart Ihr, LIEBE LESERINNEN, beleidigt, weil ich mich pro forma in der Antrittsrede nur an die "LESER" wandte? Andererseits: Die bislang eingegangenen Kommentare waren alle von LeserINNen!

Über das eine oder andere Kommentärchen würde ich mich natürlich freuen, es darf selbstverständlich auch namenlos sein. Wobei ja Namen nun auch wieder was Schönes sind.

Aber es wird schon werden, da bin ich mir fast sicher.

Allen Geneigten und Abgeneigten, Zugeneigten und Aufgeneigten, Offengeneigten und Vorwärts-, Rückwärts und in irgendwelche Himmelsrichtungen überhaupt irgendwie Verneigten, nur nicht Vergeigten: HAPPY EASTER!

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Montag, 29. März 2010

Literaturkritik
Von cityscout2, 20:26

Ununterbrochenes Plaudern eines Kindes.

Ist unsere plaudernde Gedankenstimme das vor sich hin schwatzende oder staendig ein Gegenueber rufende Kind, das wir mal waren?

Gespraech mit Buechern und ueber Buecher, man erinnert sich an manche wie an bestimmte Konversationen mit Menschen.

Zum Beispiel die Tagebuecher Helmut Kraussers, die jetzt in der ZEIT als langweilig und arrogant niedergemacht wurden, haben einen ueber einen Sommer (oder Herbst) lang begleitet, auch wenn es nur ein paar Wochen oder Tage waren, man folgte seinen Gedankengaengen, ging mit ihm ueber Maerkte in Gran Canaria oder sonstwo und wunderte sich, was er sonst noch alles so trieb.

Seine abschaetzigen Bemerkungen ueber Kulturschaffende und Kritiker und den ganzen blasierten Literaturbetrieb haben ihn wahrscheinlich in diese Aussenseiterposition manoevriert. Ich war ein Fan von Krausser wegen seines Penner-Buches, das auch verfilmt wurde, mit dem grandiosen Juergen Vogel als Penner (Die Sexszene mit der zahnlosen Alten bleibt ein wenig eklig in Erinnerung...), wegen der Kompromisslosigkeit dieses Buches, und auch das von einem damaligen Freund ueberlassene (oder geschenkte? Ich weiss es nicht mehr) Buch "Melodien" fand ich wegen der Zeitreise ins Mittelalter nicht schlecht. Die spaeteren Werke sind dann wegen irgendeines Hanges des Autors zu Sadomasodenken von mir uebergangen worden ("Schmerznovelle") und seither habe ich nix mehr von oder ueber ihn gehoert. Damals dachte ich: Mann, ist der alt (er raesonierte mit 37 ueber seine sich aufloesende Zellstruktur), heute isser 45 - na und? Ob er sich immer noch alt fuehlt? Auf jeden Fall ein Mensch im Literaturbetrieb. Lass dich nicht unterkriegen, Helmut!

Heute "Bilal" angefangen - werde ich behalten.

Zurueckgeben werde ich: Benjamin von Stuckrad Barre, "Auch Deutsche unter den Opfern", einmal lesen reicht. Es ist aber ganz witzig, stellenweise. Wie ihm z.B. Typen im Plattenladen leidtun, die auf die neue Platte von Neil Young warten. Warum tun ihm die wohl leid? Weil sie nicht soviel verdienen wie er? Oder weil sie nicht so modern sind? Erinnere mich an die Geschwaetzigkeit von "Livealbum" und kann nicht so richtig nachvollziehen, warum BvSB jetzt so gepriesen wird, als grosser Kultur- und Sozialhistoriker usw. Vielleicht schreibt mal jemand einen Kommentar, der das weiss und befuerwortet. Meine Seite z.B. ist auch sozialhistorisch, aber niemand hat es bisher kommentiert! Selbstlaeufer! Egal.

Ausserdem "Gewalten" von Clemens Meyer - das ist wie "Gomorra" kein Buch fuers Schlafzimmer, es sind dann doch nicht die Phantasien, die mich verfolgen sollen (Folter, Amoklauf etc., auch sprachlich nicht so ueberzeugend wie "Als wir traeumten". Sicher ein wichtiger, ehrlicher Autor, vielleicht sogar der Buechner unserer Zeit (?), aber mir dann doch zu desillusioniert, vgl. fruehere Besprechung unten.

Ob Georg Klein und "Hellersdorfer Perle" von - Name schon wieder vergessen - ach ja, Katja Oskamp den Weg in meine Bibliothek finden, entscheidet sich morgen, dort steht eigentlich schon genug herum. Letzte Funde: Martin Walser, "Wer ist ein Schriftsteller?" und noch so ein Essayband ueber die Wende, "Nachdenken ueber Deutschland" und der Gedichtband "Grund zu Schafen" von: Name entfallen. Immer wieder lustig: "Lichte Gedichte" und alles von Robert Gernhardt. Wozu all das neue Geschreibe, es gibt viel Altes zum Wiederlesen (Achtung Agent provocateur).

Hinzu kommt noch der Ruf nach authentischen Texten in der Literatur - die Leser wollen in einer immer unkontrollierbarer werdenden Welt der Luegen wenigstens "wahre Geschichten" lesen. Sollte man diesem Ruf folgen?

Aus der katholischen Kirche auszutreten wird bald das Gebot der Stunde fuer viele werden. Fuer das gesparte Steuergeld (das mancher Wuerdentraeger in den Puff transportierte), kann man sich ja ein SPIEGEL-Abo zulegen oder einen Hund...

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Donnerstag, 25. März 2010

Graeber, Aktuelles, Georg Klein
Von cityscout2, 15:41

Nachricht aus Berlin: Herr S. ist tot, und mit ihm stirbt eine Aera, die Aera der Wehrdienstverweigerer, die aus der Bundesrepublik nach Berlin fluechteten und dort studierten.

Herr S., das war ein Junggebliebener im weissen Leinenanzug, das bereits lichte dunkle Haar trug er hinten immer noch lang, und das hat sich nie geaendert, soweit ich es mitbekommen habe. Sommers sass er vor dem griechischen Restaurant um die Ecke,  rauchend auf dem Holzstuhl, plaudernd.

Herr S., Architekt, Junggeselle mit Freundin, seit 30 Jahren waren sie nicht verheiratet. Ein ueberdimensionales Foto von ihr stand 1987 in seiner 4-Zimmer-Altbauwohnung, die er allein bewohnte, ein Foto in Starschnitt-Groesse (Starschnitte waren die Promi-Fotos zum Zusammenkleben in Lebensgroesse aus der Bravo in den 80ern), Frau O. im Bikini in Griechenland oder Kenia, wohin sie gerne reisten.

Herr S. kam 1973 als Student nach Berlin, mit einem "BI" auf dem Autokennzeichen, weshalb er von meiner Familie nur als "Bi-Mann" bezeichnet wurde (Ein Wort, das mich stets an "Biwak" erinnerte). Er zog in die Wohnung ueber ihnen und machte da eine Studenten-Wohngemeinschaft auf.

Zehn Jahre spaeter mussten die ehemaligen Mitstudenten, wenn sie nicht schon wieder fort waren (sogar an einen Perser, Mehdi, kann ich mich erinnern!), ausziehen, denn Herr S., inzwischen arriviert, kaufte sich das Domizil. Seine Mutter kam oefter mal vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Geheiratet hat ihr Sohn, wie gesagt, nie. Vielleicht wollte er unabhaengig sein? Mein Vater konnte ihn gut leiden, weil er studiert hatte und sich sprachlich sehr gut auszudruecken wusste. Er hatte ihm erzaehlt, dass er, S., auch mal ein paar Semester Jura studiert haette.

Seine Wohnung allerdings war immer unordentlich geblieben wie eine "Studentenwohnung", graue Veloursmatratzen auf den Dielen, Buecherstapel an den Waenden, Zeitschriftenstapel des "Spiegel" und der "ZEIT" daneben, Papiere, Papiere, Papiere, auf runden, eckigen und Kuechentischen, Staub auf den grossen Fenstern, getrocknete Wassertropfen im dunkelbraunen(!)Waschbecken (gibt es dunkelbraunen Marmor???), ein Rennrad im ansonsten leeren Balkonzimmer, sogar ein Geruch von Leere...

Herr S., ein Baum von Mann (wie oft beschwerten sich meine Eltern ueber seinen Ruebezahl-Schritt ueber ihren Koepfen: "Der S. ist aufgestanden..."), fiel mit 66 Jahren zwischen Badezimmer und Flur um, meinen 10 Jahre aelteren Vater, der ihn um seine Jugend immer ein wenig beneidet hatte, rief er an, weil er das Handy zum Glueck griffbereit hatte, zwei Tage spaeter brachte ihn Frau O. ins Krankenhaus (er hatte erst nicht gewollt), und dann verstarb er letzten Dienstag an einer Embolie.

Seine Wohnung vererbte er Frau O., weswegen meine Mutter jetzt Sorge hat, es wuerde bald oben "trappeln".

Mit diesem Tod hatte wirklich niemand von uns gerechnet. so richtig kann ich mir nicht vorstellen, dass er bald in seinem Grab liegt, so wie es mir letztes Jahr bei unserer Nachbarin ging, die an Bauchspeicheldruesenkrebs starb. Bei ihrer Beerdigung war vor der Trauerhalle ein derartig lautes Gerede der Trauergaeste, dass die, die IN der Trauerhalle Platz genommen hatten und der Trauerfeier zuhoeren wollten, die schwere Tuer schliessen mussten. Aufgrund der Mitgliedschaft ihres Ehemannes in irgendsoeinem hiesigen Verein war die Zahl der Trauergaeste nicht mehr ueberschaubar. Der Trauerzug glich dem von Prominenten, also in der Laenge, meine ich. Es regnete und meine Tochter wurde fuer ihre Bravheit gelobt, sie war ganz andaechtig. Spaeter schlief sie in ihrem Wagen ein und wir hatten Angst, dass sie sich erkaeltete, denn es regnete in Strippen, wie meine Familie es bezeichnet haette. Toll, so eine Riesentrauergemeinde, dachte ich. Und dachte an die Beerdigung eines unserer Angehoerigen zurueck, wo gerade mal wir, also fuenf Leute, in der Kirche waren. Bei der Trauerfeier auf dem Friedhof waren es dann 2 mehr, aber weil meine Verwandte, die Ehefrau des Verstorbenen, im Moment nicht mit denen redete, drueckten sie ihr bloss die Blumen in die Hand und ver-drueckten sich dann wieder. Nach der Beerdigung gab es auch keinen Leichenschmaus. Ich finde diesen Brauch in laendlichen Gegenden ja schoen, von der Familie her ist er mir gaenzlich fremd. Meine angestammte Familie ging, nachdem der Sarg unseres Verwandten eingesenkt worden war, sofort nach Hause, liess sich in ihre Sessel plumpsen und seufzte fast im Chor: "Geschafft, zu Hause ist es doch am schoensten!"

Auch zum Leichenschmaus des Herrn S. koennen sie, wie sie mir mitgeteilt haben, nicht gehen, denn  dieser findet in einem weit entfernten Stadtteil von Berlin statt, und das ist ihnen zu beschwerlich. Waere ich noch dort, ich wuerde vielleicht hingehen, obwohl ich seit 10 Jahren und ueberhaupt eigentlich nie mit Herrn S. ein laengeres Gespraech gefuehrt habe.

In anderen Laendern, zum Beispiel in Nigeria, woher die Hauptfigur meines Romans stammt, sind Beerdigungen wie auch Hochzeiten und andere Familienfeiern ungeheuer wichtig. Wenn jemand verstorben ist, wird das fuer die engsten Angehoerigen der betreffenden Person richtig teuer. Denn die Trauerfeierlichkeiten dauern 7 Tage, und da kommen nicht nur eingeladene Gaeste, sondern alle Menschen, die den Verblichenen kannten, mitsamt ihren Angehoerigen, also im Falle einer Dame, die ich kannte, das ganze Dorf. Das koennen dann leicht 1000 Leute sein, die man bewirten muss. Dazu muss man einige Kuehe kaufen und schlachten, aber damit nicht genug. In bestimmten zeitlichen Abstaenden wiederholt sich diese Feier zum Gedenken des Verblichenen, eigentlich ein schoener Brauch. Die letzte Gedenkfeier ist nach einem Jahr, bei uns noch erhalten in der Tradition des Jahresseelenamtes. Aber den meisten Menschen in unserer Gesellschaft ist es ja unangenehm, mit einem Thema wie dem Tod im wirklichen Leben konfrontiert zu werden, das geht sogar soweit, dass sie die Strassenseite wechseln, wenn ihnen die Angehoerige eines Verstorbenen entgegenkommt, weil sie sich vor troestenden Worten druecken wollen oder einfach unfaehig sind, welche auszusprechen. Die Nachbarin, von der ich oben sprach, habe ich in Erinnerung wie sie im Fruehjahr Bluemchen pflanzte und ihr blondiertes Haar und ihre stets  gebraeunte Haut beim kleinsten Sonnenstrahl auf der Terrasse zeigte. Kurz vor ihrem Tod bot ich ihr an, sie zu besuchen, um ihr zu zeigen, dass sie fuer mich nicht unsichtbar geworden war, nur weil sie krank war. Sie laechelte freundlich und sagte, das koenne ich gern machen. Gegenueber im Erdgeschoss wohnte eine andere Frau, die mal ihre Schulkameradin gewesen war, aber jetzt verstanden sie sich schon lange nicht mehr. Diese Frau besuchte sie wirklich noch einmal und tratschte dann herum, wie die Kranke "gerochen" habe... Diese Art von Krankenbesuchen ist natuerlich widerlich. Natuerlich stelzte diese Nachbarin auch bei der Beerdigung ihrer Nachbarin herum. Beim Verlassen des Friedhofs nahm ich jenen eigenartigen Geruch wahr, den man eigentlich nicht riechen moechte, ich war eben an der offen stehenden Tuer des Krematoriums vorbeigegangen, wo man im Augenblick mit etwas hantierte. Normalerweise ist diese Tuer ja verschlossen.

Und nun muss ich leider einen harten Schwenk machen: Leider heute morgen wieder Radio gehoert, zum Thema Seele:

Kinder, die sexuellen Uebergriffen von Erwachsenen ausgesetzt waren, werden wohl oft erst im Grab ihre Ruhe finden, denn ihre Seele ist zerstoert. Der Papst, so war es heute zu hoeren, wurde 1996 informiert, dass ein Priester in Milwaukee 200 taubstumme Jungen sexuell belaestigt haben soll (ich vermeide hier das Wort Missbrauch, denn, wie jemand in der ZEIT so klug geschrieben hat, wenn ein Missbrauch von Kindern existierte, dann gaebe es ja auch einen GE-brauch, und das ist absurd, aber dies sind so sprachliche Feinheiten.), und er hat nix getan.

Leider sind meine schon seit Jahrzehnten existierenden Zweifel gegen meine Kirche durch die ganzen Skandale erhaertet, bestaetigt und weit uebertroffen worden! Hexenverbrennung und andere Verbrechen der Kirche hatten mich hellhoerig gemacht. Aber diese Skandale, die jetzt ans Licht kommen, machen das Mass voll. Und ich sagte zu einer evangelischen Bekannten, die auch im kirchlichen Bereich arbeitet: Waere es eine Frauenorganisation, waere all das nie passiert. Sie schraenkte mein Diktum natuerlich sofort ein ("Auch Frauen sind zu SOWAS faehig"), wie Frauen nun mal sind, konnte mir aber zustimmen, was das Ausmass anbelangt.

Also meine Forderung: Den Papst absetzen, eine Frau einsetzen! Ueberhaupt alle Maenneraemter in dieser Kirche mit Frauen besetzen! Nur dann kann diese Organisation wieder an Glaubwuerdigkeit gewinnen. Bei mir hat sich auf jeden Fall alles Vertrauen, sollte mal eins bestanden haben, verfluechtigt.

Der letzte Schwenk zum Thema Graeber, Aktuelles, kommt jetzt, und meine Leser moegen selbst beurteilen, ob er ebenso hart ist wie der letzte: Georg Klein hat mit seinem Roman "Roman unserer Kindheit" den Preis der Leipziger Buchmesse oder den Deutschen Buchpreis gewonnen. Er soll in seiner Dankesrede den TOTEN gedankt haben, ohne die sein Roman nicht moeglich gewesen waere. Diesen Dank fanden sie im Radio ungewoehnlich, aber gut. Dem schliesse ich mich hier an und empfehle mich. Macht es gut, geniesst jeden Tag, aber vergesst auch nicht eure Teuren Toten, denkt ihr noch ab und zu an sie?.

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Sonntag, 21. März 2010

Lesefutter
Von cityscout2, 11:06

Buchtipps...

1. Ein Geheimtipp: Die Bekannte einer Bekannten: Sophie Behr, ein Solitaer der Frauenliteratur, ein seltenes Beispiel fuer eine mutige, eigenwillige, intelligente Frau, ihre Buecher sind aber keine leichte Kost. (Ida und Laura, ueber eine Mutter, die ihren eigenen Klon zur Tochter hat; Reisen, Speisen, Grausam sein)

In einem Interview von 1997, als "Ida und Laura" erschienen war, sagte sie, sie wuensche sich, dass vor allem nichtweisse, nichteuropaeische Frauen mal in der Literatur zu Wort kaemen. Es waere interessant, einmal mit ihr darueber zu reden, inwieweit sie findet, dass das seitdem geschehen ist. Alles andere bei Interesse bitte selbst googeln!

2. Clemens Meyer, Gewalten. Tagebuch 2009. Bericht im ZEIT-Literaturmagazin

3. Haiti Chérie, Fotoausstellung von einer ganz jungen belgischen Fotografin, Alice Smeets. Sie hatte mit einem Foto einen bedeutenden Preis gewonnen, UNICEF Foto des Jahres 2008, auf dem ein Maedchen auf Haiti im weißen Sonntagskleid ueber Dreckpfuetzen huepft. Das war aber noch vor dem Erdbeben. http://www.alicesmeets.com/

Jetzt ist sie wieder dort ("Eigentlich ist es nicht viel anders als im Januar, nur mehr Zelte"...) Die Fotos sprechen aber ihre eigene Sprache. http://blog.alicesmeets.com

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Samstag, 20. März 2010

Happy Hausfrauen
Von cityscout2, 12:25

Ich kann mir ja helfen (Indirektes Zitat von David Wagner, aber ein wenig gewitzter), aber viele Menschen haben das wahrscheinlich verlernt. So guckte ich neulich aus Versehen Werbung und verfolgte fassungslos das Idealbild einer heutigen Hausfrau, ich nenne sie mal "Happy Hausfrau". Mit einem gluecklichen Dauerlaecheln erledigte sie im Sekundentakt nach irgendeinem komischen Trommelrhythmus das aberwitzigste Arbeitspensum: Muell entsorgen in drei verschiedene Behaelter), Flur wischen, abwaschen, Geschirrspueler fuellen und wieder leeren, Waesche von 7 Personen waschen, Essen kochen, Kinder bedienen und reinigen, nach dem Essen alles wieder aufraeumen, ca. 13 Popos im Akkord abwischen, wonach die Kinder im Garten toben gingen, da bekamen sie ein

KINDER PING (Name verfaelscht, wegen der Schleichwerbung) in den Garten mit.

Da aenderte sich auf einmal der Rhythmus, und - O Wunder - die Supermutti goennte sich AUCH ein KINDER PING, mit dem sie dann auf der Haengematte einen Kurzurlaub machte (5 Min.).

Einen Augenblick spaeter hielten die Kinder froehlich ihre dreckigen Schuhe hoch und warteten, dass die Mutter sich wieder darum kuemmerte, und weiter gings, im alten Rhythmus...

Soweit das Ideal der heutigen Hausfrau und Mutter, immer proper, geschminkt und sauber, erledigt alle Drecksarbeiten in fuenf Minuten mit links und isst dann gutgelaunt ein KINDER PING zum Wiederauftanken.

Das Traurige daran: Die meisten Hausfrauen leben wirklich so, sie sind rundum perfekt, alles ist bei ihnen auf Hochglanz, nur die Pause mit dem KINDER PING stimmt nicht. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen erledigen sie den ganzen Haushalt alleine, OHNE sich eine kreative Lesepause zu goennen. Sie lesen allenfalls Kreuzwortraetsel oder Briefkastenwerbung, alles muss einen Sinn haben.

Das war vor 100 Jahren, als es noch Hausangestellte gab, ganz anders. Da konnte die Hausfrau repraesentieren, den ganzen Tag im Gartenhaeuschen Briefe schreiben und brauchte nur die Angestellten ein wenig herumzukommandieren bzw. die Menuefolge auszuwaehlen. Sie kuemmerte sich um ihren Mann. Wenn er weg war, ueberbrueckte sie die Zeit mit schoengeistigen Taetigkeiten wie lesen oder musizieren. Fuer alles andere hatte sie ihre Helfer. Sie war zufrieden so, sie war so erzogen, sie war nicht traurig, dass sie nicht studieren durfte. Bestenfalls verwirklichte sie ihre Ideen ueber ihren Mann, der sich dann dafuer die Lorbeeren anheftete.

Sogar die Kinder verbrachten ihre Zeit mit einem Kindermaedchen, nachlesen kann man das bei Proust. Oder man denke an all das Personal, das die 17-jaehrige Effi Briest zur Seite gestellt bekommt (und mit dem sie gar nicht viel anfangen kann), als sie Innstetten heiratet...

In vieler Hinsicht haben es die Frauen also anno dunnemals besser gehabt als nach der Frauenbewegung. Heute muss man sich bei seiner Putzfrau ja entschuldigen, dass man herumsitzt, waehrend sie putzt. Sie will natuerlich nicht putzen, sondern Germanys Next Flopmodel werden oder Heutschlands Huperstar. Wenn sie mal Kinder hueten soll, erwischt man sie nachts um elf mit ebendiesen vor dem Plasmabildschirm, ebendiese Volksverdummung mit Dieter B. schauend. Also sagt man, sorry, ich habe demnaechst ein paar Tage frei und kuemmere mich alleine um den Haushalt und die Kinder...Und wird zu eben dieser HAPPY HAUSFRAU aus der Werbung...In der Phantasie! In Wirklichkeit schafft man gerade mal die Fussboeden zu wischen an einem Tag, dann ist man schon kaputt, schreit die Kinder an und traeumt vom SPA - ALLEINE! Dann folgt unmittelbar das schlechte Gewissen, weil man so weit entfernt von dem Ideal der oben Beschriebenen ist...Ein Teufelskreis! Wie sagte mir neulich eine bekannte Hausfrau, meinen Flur besichtigend: "Was sind das denn alles fuer Buecher hier, die kannst du doch verkaufen!"

Liebe Hausfrauen, ich mache mich nicht ueber euch lustig, falls mal eine dies hier lesen sollte (die meisten haben sicher niemals Zeit dazu), nein, ich bewundere euch! Allerdings duerft ihr das Zitat von Desiree Nick nicht vergessen: Auf eurem Grabstein wird nicht stehen, dass euer Flur immer sauber geputzt war...

Und jetzt muss ich meine Theaterkarten fuer heute Abend abholen: Der Gott des Gemetzels (Von Yasmina Reza, die ich sehr schaetze), der Titel ist Zufall, wie ueberhaupt die ganze Geschichte hier...

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